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Active ImageAbenteuer auf zwei Rädern

Zwei Männer, vier Räder, ein Hobby: Das Motorradfahren. Manuel Schad 28, Üchtelhausen und Marco Zwirlein 35, aus Obereuerheim unternehmen gerne gemeinsam Motorradtouren. Am liebsten in Gebiete, von deren Existenz nur wenige wissen – und in die sich kaum Touristen verirren.

Gemeinsam haben sie schon anspruchsvolle Motorradreisen gemeistert. Vor knapp eineinhalb Jahren ging es z.B. durch Marokkos Wüste auf einer Teilstrecke der Rallye Dakar. „Da fährst du stundenlang auf einen Berg zu, ohne dass er auch nur ein Stückchen näher kommt“, so Manuel Schad. Ohne Begleitung oder GPS bezwang das Duo die Sanddünen der Sahara bei Backofen-Temperaturen. Eine ganz andere Erinnerung ist die Überquerung des Atlasgebirges bei Schnee und Eis. „Wir sind durch Flussbetten geschlittert und haben auf dem Weg in die Zivilisation Spuren von Kutschen im Schnee verfolgt“, erzählt Manuel. Bei ihren letzten Tour in die Ukraine übernachteten die beiden im Schlafsack unter freiem Himmel, meist im Wald direkt neben den Motorrädern. „Das mag sich romantisch anhören – hat sich aber schlichtweg als sicherste Lösung bewährt!“
 
Im April diesen Jahres starteten die beiden Freunde ihre letzte Tour. Ursprünglich geplant waren
13000 Kilometer ins Nichts, fernab der Zivilisation. Kein Urlaub – ein Abenteuer mit dem fernen Ziel Kirgisistan. Doch dann unterbrach ein freudiges Ereignis die Reisevorbereitungen: Manuels Frau wurde schwanger, das junge Paar erwartete sein zweites Kind. Aus diesem Grund wurde die Route verkürzt, und die beiden Tourenfahrer beschränkten sich auf eine Reise durch Tschechien, Polen Ukraine und die Slowakei. Keine Fehlentscheidung, wie sich schon kurz nach Fahrtbeginn herausstellte, denn das Wetter meinte es nicht gut mit den Reisenden. An der ehemaligen deutsch-tschechischen Grenze wartete viel Schnee, der auf der gesamten Tour höchstens noch von Regen abgelöst wurde. Wälder zum Übernachten gab es oft keine, so wurde z.B. rund um das Konzentrationslager Ausschwitz vor 60 Jahren alles abgeholzt. Auch hier schliefen die beiden im Freien, unbedeckt von Grün. „Das passte zu unserer Stimmung. Die war nach der Besichtigung des KZ eh schon am Boden.“
 
Entlohnt wurden die beiden Reisenden dennoch durch manch angenehme Begegnung und ungeahnte Höhenflüge: Auf dem Heimweg in Richtung Slowakei entschlossen sie sich, das Tatra Gebirge zu überqueren. Auf diesem Weg kamen sie durch wunderschöne Landschaften mit Bergen von bis zu
2.650 m hohen Gipfeln – eine wahre Belohnung für die bisherigen Strapazen der Tour. „Es war eine Mischung aus Norwegen und den Alpen mit leicht südlichem Touch. Für uns war es ein Traum, ich kann mich nicht daran erinnern, schon einmal in solchen Höhen geschlafen zu haben. Die Nacht war wunderbar, wir wärmten uns an dem riesigen Feuer, das wir geschürt hatten und machten uns gestärkt auf den weiteren Rückweg.“

Gestemmt haben die beiden Globetrotter auch diese Tour nicht mit gewöhnlichen Motorrädern, denn bei handelsüblichen Modellen würden Mensch und Maschine schnell an ihre Grenzen stoßen. Die zwei BMWs, Baujahr 1979 und 1994 mit jeweils 60 PS, wurden von Manuel in seiner eigenen Werkstatt erst mühevoll umgerüstet. Der Inhaber von SWT Sports erzählt: „In den Motorrädern steckt jede Menge Technik, Liebe zum Detail und unzählige Stunden Arbeit.“ Neben einer längeren Gabel und schwingender Rahmenverstärkung wurden beide Motorräder unter anderem mit größeren Tanks und groben Reifen ausgestattet. Mit viel Engagement führt Manuel Schad in Üchtelhausen nebenberuflich eine kleine Werkstatt, SWT Sports, die sich auf Umrüst- und Umbauarbeiten von Motorrädern spezialisiert hat.

Text: Sarah Ledermann
Foto: Stefan Rottmann

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