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Teleskoptreffen lockte viele Hobbyastrologen
So etwas hat es in der Großgemeinde noch nicht gegeben. Den Reichmannshäuser Sportplatz hat man kurzer Hand in eine Sternenwarte umfunktioniert und sich für einen Abend auf Erkundungstour durch fremde Galaxien begeben. Initiiert wurde der Ausflug in den Kosmos durch Karsten Wegner und Stefan Stühler. Pünktlich um halb neun konnte die Veranstaltung bei klarem Abendhimmel beginnen. Die Teleskopfreunde aus dem Forum Stellarum bereicherten mit Ihrer Ausrüstung den interessanten Abend. Die Besucher konnten durch fünf verschiedene Teleskope blicken. Neben zwei 6-Zoll-Spiegelteleskopen und einem 10-Zoll-Teleskop in Dopson-Bauweise standen noch zwei ganz außergewöhnliche Instrumente zur Verfügung: Ein mächiger 14-Zoll-Dobson sowie ein Selbstbau-Bino aus zwei Linsenfernrohren mit Objektpositionierung.

Während es langsam dunkel wurde, begann die Himmelstour mit Objekten unseres Sonnensystems. Tief am Westhorizont tauchte die hell strahlende Venus auf und wenig später war auch der sonnennächste Planet Merkur zu beobachten. Hoch am Zenit stand der rote Planet Mars. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Mars  allerdings bereits die Phase der besten Sichtbarkeit überschritten und war in den Teleskopen nur noch als helle rote Kugel mit wenig Struktur zu erkennen. Unterhalb des Löwen im Südosten war wenig später der Saturn zu entdecken. In den Teleskopen war der Ring um den Planeten detailiert zu erkennen. Links und rechts vom Saturn konnte man mehrere Monde als feine Lichtpunkte sehen. Für viele Besucher war dieser Anblick der Höhepunkt des Abends. Nun ging es zu einigen Objekten innerhalb unserer Galaxie. Den Anfang machten Doppelsterne. Castor in den Zwillingen erscheint mit bloßem Auge als einzelner, heller Stern.Bei hoher Vergrößerung teilt sich der Stern jedoch in zwei Lichtpunkte: Zwei Sonnen, die sich umkreisen. Tatsächlich handelt es sich sogar um ein 6-fach-System, das allerdings optisch nicht zutrennen ist. Auch der zweite Deichselstern im großem Wagen, der Mizar, ist ein Mehrfachsystem. Am Horizont ging der Himmelsjäger Orion unter. Schwach konnte man im Teleskop noch den großen Orionnebel M42 beobachten, ein leuchtender Nebel und eine Sternentstehungsregion.

Am dunkler werdenden Himmel erschienen immer mehr Sterne. Nun ging die Rundreise über verschiedene Sternhaufen innerhalb unserer Galaxie. Tief im Westen schimmerte matt das "Siebengestirn", die Plejaden. Im Teleskop konnte man sehen, dass es sich dabei um weitaus mehr Sterne handelt; tatsächlich umfasst dies Ansammlung 500 Sterne. Von dieser lockeren Gruppe ging es immer weiter zu enger konzentrierten Ssternhaufen. Im Fuhrmann findet sich eine Ansammlung von drei schwachen, unregelmäßigen Sternhaufen, die mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen waren. Besonders eindrucksvoll war M 37, ein konzentrierter Sterhaufen mit hundert kleiner Sterne. Doch es gibt noch engere Sternkonzentrationen. Der Kugelsternhaufen M3 scheint auf den ersten Blick wie ein runder Nebelfleck. Bei genauerem Hinsehen lößt sich dieses Nebelchen jedoch in tausend nadelfeine Punkte auf. Eine halbe Million Sterne steht dicht gedrängt in einer Kugelgestalt beisammen.

Schließlich verließen wir unsere Heimatgalaxie und blickten in die Weiten des Weltalls. Dort, rund um das Sternbild des großen Bären, waren einige Galaxien zu beobachten, ferne Welteninseln mit Milliarden von Sternen. Im Blickfeld waren zwei leuchtende Kerne, umgeben von einem matten Schimmer sehen: die Strudelgalaxie M51. Im großen 14-Zoll Dobson waren sogar andeutungsweise Spiralarme zu erkennen. Kaum mehr vorstellbar: Das Licht dieser Galaxie kommt aus 37 Millionen Lichtjahren Entfernung zu uns. Zu sehen waren unter anderem noch zwei weitere Galaxien mit der Bezeichnung M81 und M82. M82 zeigt sich als flache Scheibe und im gleichen Gesichtsfeld ist auch noch die M82 in Kantenstellung zu sehen - ein reizvoller Kontrast. Aufziehende Wolken beendeten schließlich am späten Abend die Sternenschau. Mit 30 Besuchern war es ein gelungener Astronomieabend für die Veranstalter. Das zweite Reichmannshäuser Teleskoptreffen ist bereits für den Herbst 2010 angedacht.
Text und Fotos: Stefan Rottmann

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