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ratsche_web…klappern, raatseln, rumpeln, ratschen…

„Das Klappern in der Karwoche ist ein alter Brauch, der eine starke Auswirkung im fränkischen Volksleben, besonders im Leben der Jugend findet. Seit uralten Zeiten ist er in Übung und ebenso lang eine Quelle der Freude für die Jugend.“ so heißt es in einer Schrift* von 1928. Und gültig ist das mit der Freude immer noch, wie man am Titelbild dieser Ausgabe sieht. Was neu und anders ist: die Frauenemanzipation hat nun auch diesen kulturellen Bereich erreicht.
Worauf diese Bräuche letztendlich zurückgehen, liegt im Dunkeln. „Es mag sein dass im heutigen Klappern Einflüsse lebendig sind, die mit seinen ursprünglich kirchlichen Gebrauch keinen Zusammenhang haben. Unsere heidnischen Vorfahren hatten, wie heute wilde Völker, den Glauben, daß durch allerlei Getöse böse Geister, besonders Krankheitsdämonen verscheucht werden könnten; sie suchten besonders die Winter-Riesen zu vertreiben und die guten Erdgeister, die Geister der Fruchtbarkeit, zu wecken.“ *

Vertreiben wollen die „Klapperbuben“ allerdings niemand, sondern es handelt sich schlicht um eine Zeitansage. Denn von Gründonnerstag nach dem Gloria bis zur Osternacht zum Gloria werden keine Glocken und Schellen geläutet. „Liebe Herren lasst euch sagen, es hat eben 12 geschlagen. Wir klappern den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss.“ (Waldsachsen).

Diese Sprüche variieren, genauso wie die Ausdrücke für Handwerk und Handwerkszeug von Dorf zu Dorf. So heißt es in Üchtelhausen aber auch in Abersfeld nicht „klappern“, sondern „raatseln“, in Ebertshausen „rumpeln“, im südlichen Landkreis auch „leiern“. Ein weit verbreiteter Spruch ist „Wir klappern zusammen auf einen Haufen, wer in die Kirche will, muss laufen, laufen!“ Dazu aber gibt es weiterführende Zeilen. Etwa: „Die alten Weiber müssen schnaufen.“
Und weiter: „Wer nicht laufen kann, muss langsam geh’n und dann in der Ecke stehn.“ (Hambach) Allerdings wird nicht nur die Zeit „geklappert“ oder zum Kirchgang aufgerufen, es geht auch um handfesten Lohn. Ein weit verbreiteter Spruch heißt: „Wir haben gerappelt fürs Heilige Grab und bitten nun um eine milde Gab.“ In Üchtelhausen wird man kon kreter:
„Wir klappern um a Äh, mir nämme a zwä. Mir nämme zwä, drei – di Höänner brenges oll wiedä bei! Einesteils der Eier wegen, die auch diese Hühner legen, zweitens dass man dann und wann einen guten Braten essen kann.“

Im Wettringen ist der Spruch bekannt: „Eier raus, die Buam sen haus, sunnst kummt der Rootz ins Hühnerhaus und holt die ganzen Eier raus.“ Eine Hausfrau, die etwas zu sparsam ist, macht sich leicht unbeliebt und man ahnt, dass „der Rootz“ vielleicht nicht immer aus 6 dem Tierreich stammt. Mit dem Gloria-Läuten dann am Karsamstag endet das Raatseln, Ratschen, Klappern…

Jetzt muss der Reichtum verteilt werden. Jeder erhält entsprechend seines Schuljahrgangs die Anzahl Eier. Also erste Klasse: ein Ei, zweite Klasse: zwei Eier undsoweiter. Die Ältesten, die im folgenden Jahr nicht mehr mitmachen, erhalten den Rest. Heute, wo es weniger um Eier, sondern um Süßigkeiten und Geld geht, verkompliziert das die Verteilung wahrscheinlich. Bei „Vergehen“ z.B. zu spät kommen oder aus dem Takt ratschen, wird auch eine Strafe angedroht, beim Lohn also ein Ei abgezogen. Ob diese Disziplinarmaßnahme aber immer angewandt wird, liegt im Ermessen – auch da wieder verschiedene Bezeichnungen des: Klappermeisters, Klapperkönigs, Oberministranten, Teilers…

Vor allem die Neulinge, die Kleinsten dürften vielleicht nicht so hart bestraft werden. Bei den Novizen gibt es ja schon das Problem, mit den großen Klapperkästen umzugehen. Denn es ist schon eine anstrengende Tätigkeit, so ein Gerät herum zu tragen, zu bedienen und dann noch den Takt zu halten. Es gibt demgemäß auch verschiedene Werkzeuge, etwa die sogenannten „Fleischbeile“, einfache Holzklöppel, die übrigens auch die Altar klingeln ersetzen und nicht so schwer sind.

Freilich auch nicht so laut, was für viele Buben ein entscheidender Nachteil ist. Dann gibt es noch die „Fahnen“, die um einen kräftigen Stiel geschwungen werden und ein schnarrendes Geräusch verursachen. Jedenfalls ist es richtige Hand arbeit. Dazu kommt noch, dass bereits ab 6.00 Uhr früh angetreten und der Dienst verrichtet wird. Wer da verschläft, kann auch mit einem Spruch erwähnt werden, etwa: „Das ist das Ave Maria, der … will net aus’n Bett giea oder auch aufstiea.“(Hambach)

Dieser alljährliche Brauch setzt sich über die Generationen fort und die Erwachsenen schauen und hören sicher gern den Raatschern zu. „Für dieses Jahr zum letzten Mal. Bis übers Jahr – wer da noch lebt, der hat sei Freud. Wer nicht mehr lebt, der ist bedeckt und hat sei Kreuzle aufgesteckt.“ (Ebertshausen)

Wir danken dem Heimatpfleger Karl-Heinz Hennig, aus dessen „Heimatgeschichtlichen Archiv“ das Material für diesen Artikel stammt. Unter anderem Zulassungsarbeiten von Jutta Geyer, Hambach und Monika Kneisel, Schonungen. Sowie aus der Chronik von Abersfeld (1988) von R. Mantel und der von Wettringen (1994).

* "Das Klappern in Franken" Ein Brauch in der Karwoche von Stephan Ankenbrand in: "Zeitschrift des bayerischen Landesvereins für Heimatschutz", 1928.

Hier gelangen Sie zur 19. Ausgabe des Oberland-Kuriers


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