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„Als bekannt wurde, dass wir ein Rückert-Dorf werden, waren im Ort viele begeistert“, versichert Hannelore Raab. Sie und weitere Mitbürger gehören einer Bürgerinitiative an, die sich einsetzt, dass Zitate aus den Werken Friedrich Rückerts (1788-1866) auf Häuserwänden in diesem Ortsteil des Marktes Stadtlauringen zu lesen sind.

Rückert-Zitaten an den Häusern anbringen, dies gehört zum Projekt Themendorf Rückert, das die Gemeinde im Rahmen der Ländlichen Entwicklung zurzeit für Oberlauringen umsetzt.

Demografischer Wandel und Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur stellen im ländlichen Raum die Gemeinden oft vor großen Herausforderungen. So erfuhr auch der Markt Stadtlauringen in den letzten zehn Jahren einen deutlichen Bevölkerungsrückgang. Besonders betroffen ist davon der Ortsteil Oberlauringen, dessen Einwohnerzahl von 839 im Jahr 1990 auf 714 Personen im Jahr 2009 sank.

Gleichzeitig hat sich die Zahl der leerstehenden Gebäude „dramatisch“ entwickelt, berichtet Bürgermeister Friedel Heckenlauer.

Im Ortskern sind hier nach einer Studie im September 2010 34 leerstehende und etwa ebenso viele untergenutzte Gebäude zu finden. Dazu kommt, dass etwa 40 Prozent der Wohngebäude ausschließlich von Einwohnern bewohnt sind, die das 65. Lebensjahr überschritten haben.

Themendorf als Modell

„Wir wollen Oberlauringen als Modellkommune entwickeln“, verspricht Heckenlauer. Vorbild sind für ihn Themendörfer in Sachsen oder Niederösterreich. Bei einem Themendorf wird in Zusammenarbeit mit der örtlichen Bevölkerung „eine unverwechselbare Marke für das Dorf“ erarbeitet, so der Rathauschef. Um die Identifikation der Bürger mit dem Ort zu stärken und ein Wohlfühlen in diesem Lebensumfeld zu gewährleisten, genügt nicht nur die Altbausubstanz, Leerstände in Gebäuden oder die Gestaltung von Straßen und Plätzen in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Erfahrung hat Heckenlauer bewogen, Oberlauringen zum Themenort –Friedrich-Rückert-Dorf Oberlauringen zu entwickeln und zu etablieren.

Der Stadtlauringer Bürgermeister sieht damit auch eine Vorreiterrolle für weitere Themendörfer in der Region gegeben. Mit Blick auf die touristische Entwicklung zeigt sich Heckenlauer überzeugt, dass das Herausstellen eines Ortes als Themendorf dessen Bekanntheitsgrad erheblich steigert.

Für Oberlaurigen liegt die Besonderheit darin, dass einer der bedeutendsten Dichter und Spachgelehrten des 19. Jahrhunderts hier seine Jugendjahre verbrachte. Rückert, 1788 in Schweinfurt geboren, zog mit seiner Familie 1892 in das Dorf an der Hassbergschwelle, als sein Vater hier die Position eines Amtmannes zugewiesen bekam. Im Jahre 1829 schrieb er in der Rückerinnerung an Oberlauringen den Zyklus „Erinnerungen an die Kinderjahre eines Dorfamtmannssohns“.

Die Schwalbe als Logo
Wer kennt nicht das Lied von Friedrich Rückert „Aus der Jugendzeit“, in dem die Schwalbe „ob das Dorf entlang“ singt?, das mehrmals vertont wurde. Dieser Vogel wurde zusammen mit dem seitlichen Bildnis des Dichterkopfes als Logo gewählt. Unter anderem ziert dieses Logo Briefköpfe.

Weitere Unternehmungen waren die Renovierung des ehemaligen Schlundhauses auf dem Kirchenberg seitens der Gemeinde. Auch die Außenanlagen wurden neu gestaltet. In diesem Gebäude, das nach dem Willen der Ortsbevölkerung die Bezeichnung Kirchenburg erhalten hat, wurden Räume für die Seniorengemeinschaft des Dorfes geschaffen. Ferner wird hier Wanderern auf dem Rückert-Wanderweg eine Übernachtungsmöglichkeit geboten. Für den Umbau des Gebäudes, das von 1500 bis 1970 als Dorfschule genutzt wurde, fielen Kosten in Höhe von rund 377 000 Euro an. 177 000 Euro Zuschuss erhielt der Markt Stadtlauringen vom Amt für Ländliche Entwicklung, die Arbeiten an den Außenanlagen schlugen mit 130 000 Euro für die Gemeindekasse zu Buche. Hierzu betrug der Anteil des Amtes für Ländliche Entwicklung rund die Hälfte.

Seit einigen Tagen künden an den drei Ortseingängen Stelen von Oberlauringen als Rückert-Themendorf. Bis zur 1200-Jahrfeier des Ortes am zweiten Juliwochenende wird noch ein Rückert-Garten von der Gemeinde fertig gestellt sein. Ein Rückert-Rundweg wird an neun Stationen zum Beispiel an der Lauer und am Storchenbrünnle Kunde von Rückerts Jugendjahren im Ort geben.

Die Bürger mit im Boot
Karlheinz Keller hat jetzt viel zu tun. Der Malermeister in Ruhe ist im Ort ein gefragter Mitbürger, wenn es darum geht die Häuserwände mit Rückert-Zitaten zu schmücken. „Nicht der Main war mein Vertrauter, der so breit dort fließt, o du Leinach, du so lauter, sich am Dorf ergießt“, diesen Spruch aus den „Kindheitserinnerungen“ des Dichters malte Keller am Anwesen Hans Schäfer Dr. Burghardt-Straße 8, dessen Mieter er ist, auf. Das war der Start.

Wenige Tage später durfte er bei Hannelore Raab, Ebental 7, ein Zitat aus „Die Weisheit des Brahmanen“ anbringen und nur kurze Zeit später bei Bernd Haas, Judengasse 3, wieder Worte Rückerts, die die Heimat loben in ansprechender Schrift gestalten. Immer sucht Keller zum Spruch und zum bestehenden Hausputz einen passenden Schriftspiegel.

„Das geht ja ganz schnell“, war Bürgermeister Heckenlauer überrascht, dass in so kurzer Zeit die Bürgerinitiative die Idee von Hans Schäfer umsetzt, Dichtersprüche ihres ehemaligen heute berühmten Mitbewohners so rasch für die Öffentlichkeit anzubringen. Keller hat verschiedenen Schriftarten zur Auswahl, die Rückert-Zitate wurden zusammen mit Dr. Rudolf Kreutner, dem Vorsitzenden der Rückert-Gesellschaft Schweinfurt, ausgewählt.

Und am Dorfjubiläum können die Besucher sicher noch weitere Aussprüche des Dichters und Gelehrten in Oberlauringen an den Häuserwänden entdecken.

Auf dem ersten Foto sehen Sie Hannelore Raab, Karlheinz Keller, Hans Schäfer und Fiedel Heckenlauer sie begutachten zufrieden das Rückert-Zitat.
Text und Fotos: Rita Steger-Frühwacht

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