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Wer ist mit wem im Dorf verwandt? Diese Frage kann in Mainberg ganz leicht Bruno May beantworten, der seit zwei Jahrzehnten sich in seiner Freizeit dem Hobby Ahnenforschung widmet.

Zunächst begann er Daten über seine Familiengeschichte zu sammeln. Vorwiegend stammten seine rund 900 ermittelten Vorfahren aus Mainberg sowie den Nachbarorten Üchtelhausen und Hausen. Dass dann fast alle Mainberger Familien mit erfasst wurden, ist verständlich.

Rsf main ahneneinfügung zur Person: Bruno May wurde 1949 als sechstes und jüngstes Kind einer Kaufmannsfamilie in Mainberg geboren. Die Vater und Großvater besaßen im Ort ein Lebensmittelgeschäft. Nach Mainberg kam der Familienname May durch einen Zimmermann, der aus dem Nachbarort Hausen vor 190 Jahren in das Amtsdorf zog.

Bruno May absolvierte nach dem Besuch der Realschule in Schweinfurt ein Ingenieursstudium in der Fachrichtung Elektrotechnik, das er 1972 abschloss. Nach dem sechssemestrigen Lehramtsstudium wurde er Volksschullehrer in Bergrheinfeld. Hier unterrichtet er noch bis Juli diesen Jahres an der Mittelschule.

„Du bist doch vor Ort, forsche doch mal nach in unserer Familiengeschichte“, forderte ihn sein ältester Bruder Matthias, der nach München verzogen ist, vor zwei Jahrzehnten auf. Bruno May hatte das elterliche Anwesen in Mainberg übernommen.

Sehr unterstützt wird er bei seinem Hobby von seiner Frau Sigrid, die das große Latinum besitzt und seit diesem Jahr in Vorruhestand ist. „Sie kann auch die Handschriften sehr gut lesen“, versichert May, denn während ihrer Berufsjahre als Pharmazieassistentin erwarb sie sich große Fähigkeiten im Entziffern von ganz unterschiedlichen Handschriften, da früher ja die Rezepte von Hand geschrieben waren. „Sonst hätte ich es nie geschafft, soviel an Informationen zusammen zu tragen“, so May.

Neben der Ahnenforschung widmet Bruno May dem Tischtennis einen Teil seiner Freizeit als Übungsleiter bei der DKJ Schonungen-Mainberg. Auch in der Schule hatte er gute Erfolgt mit von ihm trainierten Schülermannschaften zu verzeichnen, da er Tischtennis im differenzierten Sport anbot.

Gerne gibt er Privatpersonen Auskunft soweit er Unterlagen über die Familie besitzt, wenn sich jemand an ihn wendet. Den Computer schätzt er sehr, da seither das Erstellen von Übersichten über Familienlinien sehr viel leichter wurde.

Dieses Hilfsmittel hat er auch beim Seniorennachmittag im Pfarrheim dabei, als er hier Mainberger Familienlinien aufzeigt.

„Das können wir sowieso nicht ändern“, „Ob es uns passt oder nicht“ oder „Da muss der deine Bäume umsonst schneiden“- solche überraschte Ausrufe waren aus dem Publikum zu hören, als Bruno May auf Einladung des Katholischen Seniorenkreises seine Ergebnisse der Mainberger Familienforschung präsentierte.

Fotokopien von Mainberger Pfarrmatrikel aus dem Diözesanarchiv in Würzburg stellten den Gästen anschaulich eine für die Familienforschung wichtige Quelle vor. Darauf waren zum Teil auch Namen zu finden, die heute nicht mehr im Ort existieren, wie der Familiennahme Arleth oder Frank. Sütterlinschrift und „kreative Pfarrer“ erschweren oft das Erkennen von Namen, weiß May nur zu gut. So wurde aus Neustadt an der Saale die lateinisierte Form Neostadianus ad Salam oder aus einer Magd schon mal die zweite Ehefrau eines Bauern, um sie rechtmäßig nach katholischem Kirchenrecht beerdigen zu können. Oder der Familienname Kraus wurde mal mit dem Buchstaben G am Anfang geschrieben.

Ab 1876 wurden in Franken nach der Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreichs durch Bismarck die Personenstandsregister in der politischen Gemeinde geführt.

Steuerlisten sind im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine weitere Möglichkeit, um die Familienlinie zurückzuverfolgen. Diese gibt es für das Amt Mainberg zum Beispiel aus dem Jahre 1725, als alle Bewohner aus den zum Amt gehörenden Orten zur Huldigung vor dem Fürstbischof Christoph Franz von Hutten in Mainberg erscheinen mussten. Aus Mainberg waren damals 22 Hausvorstände und zwei Witwen aufgelistet. Als weitere Quellen nennt May die Bildstöcke, die zumeist die Stifterfamilien als wohlhabend ausweisen, oft aber auch von einem schlimmen Unglück in der Familie künden.

Ein Anliegen ist es Bruno May bei seinen Forschungen den Datenschutz zu gewährleisten. Aus diesem Grund enden seine Ahnenlinien im Jahre 1900.

Immer wieder wird an diesem Nachmittag deutlich, wie Familiennamen durch Neuzuzüge in das Dorf kamen. „Viele sind aus dem Rhöner Raum nach dem 30jährigen Krieg hierher gezogen“, kann May belegen. Auch durch Dienste auf dem Schloss sei es als Jäger, Schlossverwalter und durch die Übernahme der örtlichen Lehrerstelle wurden Familienlinien hier eingeführt. „Jeder war einmal in unserem Dorf ein Fremder“, resümiert der Referent.

Auf unterhaltsame Weise vermittelte Bruno May den Senioren neben dem Wissen über viele verwandtschaftliche Beziehungen der alteingesessenen Familien im Ort auch die Volksweisheit „Die Ahnen sind die Wurzeln und der Stamm, ohne die wir wie welke Blätter wären“.

Bilder machen Familiengeschichte erst interessant: Bruno May (in der Mitte stehend) zeigt eine Ahnentafel seiner Familie, die zurück geht bis zu seinem Urgroßelternpaar.
 
Text und Foto: Rita Steger-Frühwacht
 

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