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Am Sonntag, den 05. Juni 2011 bietet Herr Vilmar Herden wieder eine Führung durch Oberlauringen an. Die Führung beginnt um 10.30 Uhr vor der Kirchenburg.

Herr Vilmar Herden übernahm weiter die geschichtliche Aufarbeitung. Im nachfolgenden Text sowie in weiteren Veröffentlichungen werden auszugsweise Berichte aus seiner Chronik zu der 1200jährigen Geschichte des Dorfes Oberlauringen veröffentlicht.

Beabsichtigt ist, die Gesamtarbeit gebunden zu veröffentlichen. Bestellungen können schon heute beim Markt Stadtlauringen aufgegeben werden.

Der 30jährige Krieg und die Schlacht um Stadtlauringen

Detlev H Pleiss und Leo W Hamm stellten in ihrer Schriftenreihe „Der Dreißigjährige Krieg im Königshöfer Land“ fest, dass die schwedische Besatzung der Festung Königshofen, meist aus Finnischen Hakkapeliten (finnischen Haudegen) bestand. Unter ihrem Kommandant, dem Obristen Claus Hastver, klappte die Versorgung der Festung Königshofen sehr gut. Die Organisation, von Gustav Adolf persönlich verfügt, erreichte, dass nach Ablauf des Jahres 1631-32 in Königshofen mehr Getreide gespeichert wurde, als in irgendeinem anderen schwedischen Magazin, inklusive des Hauptmagazins der Schweden in Hanau.

Unter der Besetzung Königshofen durch die Schweden konnten bis auf zwei Familien alle katholisch bleiben. Den Katholiken wurde freigestellt in dieser Zeit ihre Gottesdienste in Ipthausen zu besuchen. Die Stadtpfarrkirche, der Dom des Grabfelds, wie er genannt wird, war selbstverständlich der schwedischen Besatzung als Gotteshaus vorbehalten.

Würzburg wollte sich mit seinen Niederlagen nicht abfinden .Man wollte die Festungsstadt Königshofen wieder zurück erobern. Im Hochstift Würzburg gab es neben der regulären Armee, dem stehenden Heer, noch eine eigene Miliz oder Landsturm, das Landesregiment oder den Landesausschuß. Seine Angehörigen nannte man kurz die Ausschüsser. Man zog zu dieser Truppe die 18 – 20jährigen durch eine ordentliche Musterung ein und verpflichtete sie, falls sie tauglich waren, 6 Jahre zum Dienst. Dieser bestand aus Übungen in den Dörfern und Städten, an den Sonntagen zwischen März und Dezember, die alle 4 Wochen an bestimmten Orten zusammen gezogen und zu einer Kompanie zusammengefasst wurden..

Es war also eine ansehnliche Streitmacht die der Würzburger Fürstbischof aus abgedankten und geworbenen Soldaten gen Königshofen schickte.

Sie nahmen am 3. August 1634 in Stadtlauringen Quartier und gedachten am folgenden Morgen weiter zu ziehen. Aber es sollte anders kommen. Gegen 7 Uhr  vernahm man aus Richtung Königshofen etliche Kanonenschüsse. Sogleich vermutete man die Nähe der Schweden, die auch kurz vorher durch Eilboten gemeldet worden waren. Die Bestätigung dieser Nachricht ließ nicht lange auf sich warten. In hellen Haufen stürmten die schwedischen Reiter auf dem Wege von Oberlauringen herab und umzingelten den Flecken von allen Seiten. Die Hauptmasse der Soldaten machte in einer Entfernung von den Mauern „auf der Statt“ halt. Sogleich schickte der schwedische Oberst Königsmark den einen Trommler vor das Tor und ließ Quartier für seine Mannschaft fordern. Nach längeren Unterhandlungen führte man die Abgesandten des Feindes mit verbundenen Augen zum Schlundhaus (Gemeindewirtshaus) und setzte durch Vereinbarung fest, dass die Kompanie „mit fliegenden Fahnen“ aus dem Städtchen ziehen dürften. Allein Königsmark wollte diesem Übereinkommen nicht anerkennen. Inzwischen rückte die Kompanie auf dem Mühlwege gegen Schweinfurt ab. Die feindlichen Reiter, aber ungedenk des eben abgeschlossenen Vertrages, umringten die abziehenden Soldaten, drängten sie auf einen Acker vom Wege abseits, entrissen ihnen die Fahne, schossen unter sie und töteten bei 30 Mann, die übrigen nahmen sie gefangen. Zwei Bürger, die im Vertrauen besseren Schutzes sich den Ausschüssern angeschlossen hatten, waren unter den Toten. Nach dieser Gewalttaten plünderte die Schweden das Städtchen, nahm Vieh weg, schändete mehrere Frauen und behandelte die Leute mit Schlägen gar übel. Entsetzen und Furcht, Jammer und Herzeleid befielen die Bewohner. Der Oberst nahm sein Quartier in der Kellerei. Bei seinem Abzug am folgenden  Tag ließ er den Amtskeller Johann Oktavian de Fragia und vier angesehene Bürger, wie die beiden Bürgermeister, einen Ratsherrn und einen Becken als Geiseln mit sich schleppen. Der Schaden wurde auf 4816 Gulden geschätzt. Die erschossenen Soldaten fanden nicht weit von der Mordstelle ihr Grab, woran ein steinernes Kreuz erinnert. Es stand halb versunken am Ausgang von Stadtlauringen Richtung Schweinfurt an einem kleinen Hang und wurde nach Straßenbauarbeiten etwas nach oben versetzt.

Der schwedische Festungskommandant von Königshofen war bei dem Kampf schwer verwundet worden. Er wurde noch nach Schweinfurt ins Spital gebracht. Wenig später verstarb er und wurde in der Spitalkirche begraben.

  Am 11. Dezember 1634 gelang es schließlich dem kaiserlichen General  Melchior von Hatzfeld, die  Besatzung von Königshofen zur Übergabe und zum ehrenvollen Geleit zu zwingen und die Festungsstadt wieder für Würzburg zu gewinnen.

Für Oberlauringen wurde dies zum Verhängnis.1646 plünderten die Kaiserlichen Truppen Oberlauringen und schändeten die adeligen Begräbnisse in der Kirche.

Der Krieg zog sich noch bis 1648 hin. Oberlauringen war durch häufige Durchzüge von eigenen und fremden Truppen, sowie durch erpresste Abgaben durch Feind und Freund sehr geschwächt. Die Pest hatte ein Übriges getan.

Im topographische Lexikon von Frankens von J. A. Bundschuh heißt es, dass am Ende des Krieges in Oberlauringen nur noch ein einziges Haus gestanden habe,

  Viele Kriegsteilnehmer aus anderen Ländern blieben jedoch hier und gründen neue Familien. Aus dem Traubuch von Pfarrer Langguth der auch Oberlauringen betreute liest man beispielsweise:

Christoph Borkewitz aus Schlesien mit Ottilie Heinike aus Maßbach

Hans Wilder, ein wrangelscher Reuter aus Stralsund mit Barbara Arnold aus Strahlungen, Erdmann Hahn aus Pommern ein schwedischer Reiter mit Barbara Stühler aus Seubrigshausen, Michael Hauptmann ein wrangelscher Reiter aus Schlesien mit Anna Dorothea aus Maßbach oder Peter Lang ein schwedischer Corporal  mit Barbara Thiem aus Strahlungen.

Der Kommentar des Verfassers: „Der Krieg hatte am Ende viele klüger gemacht, man ging zu dem nächsten Pfarrer den man haben konnte, ohne auf die verschiedene Konfession zu achten. Es gehörten erst wieder manche Friedensjahre dazu um die Gemüter gegeneinander aufs Neue zu entfremden, welche die allgemeine Not verbunden hatte“.

  Viele Orte der Reichsritter im Rhön Werra und Baunachkreis waren auch nach dem Krieg protestantisch geblieben. Dazu gehörte auch der

Nachbarort Leinach.1675 wurde das im Krieg zerstörte Gotteshaus wieder aufgebaut und von Oberlauringen aus mit einem evangelischen Prädikaten versorgt.

Erst nach 110 Jahren wurde Leinach ab 1684 durch Zukauf,( einer Zahlung durch den Würzburger Fürstbischof an die Truchsesse von Wetzhausen auf Schloss Sternberg) wieder katholisch. Es gehört seit dieser Zeit zur Pfarrei Sulzfeld.

  Zunächst blieben alle Truchsesse von Wetzhausen mit ihren Untertanen protestantisch. Da die Gegenreformation mit Gewalt nicht durchzusetzen war, hatte das Bistum Würzburg große Geldsummen angeboten. Verbunden mit der Hochzeit einer Tochter aus dem Geschlecht derer von Schönborn wurden die Truchsesse von Sternberg mit viel Geld gelockt um wieder katholisch zu werden

Wolff Dietrich von Truchseß, Herr auf Sternberg, konnte mit diesem Geld seine im 30.jährigen Krieg von Weimarer Truppen ruinierte Burg von Grund auf neu erbauen lassen. Sie wurde die heutige „Gralsburg des Grabfelds“ wie sie von der Bevölkerung genannt wird. Mit vier Türmen, 12 Toren grüßt und verschönt sie heute das Land, allerdings bewohnt wieder von einer Schweizer Freikirche.

Am 2.8.1676 kaufte der zu Geld gekommene Freiherr Joachim Ernst Truchseß von Wetzhausen zu Sternberg auch das adelige Rittergut in Oberlauringen dem Joachim Ernst von Hutten für 25 220 fl ab.

  Am 19. Juni 1679 belehnt Fürstbischof Peter Phillip von Dernbach Joachim Ernst Truchseß mit Oberlauringen, mit Ausnahme der geistlichen Jurisdiktion, Guldenzoll und den jährlichen Centrügen.

  So wurden die Truchsesse von Wetzhausen von 1679 an bis 1804 die Herren von Oberlauringen und gründeten eine neue Seitenlinie.

  Der „niedrige Adel“, die Truchsesse von Wetzhausen, erscheint erstmals urkundlich im Jahr1217, ihre Anfänge können jedoch schon ab 1176 nachgewiesen werden.

Sie waren, wie die Wildberger, zunächst henneberg´sche Ministerialen. Sie nennen sich ab 1346 erstmals mit dem Beinamen „von Wetzhausen“. Sie standen in Diensten der Fürstbischöfe von Würzburg und wurden mit Ländereien reich belehnt aber sie hatten auch große Gebiete in Preußen in ihrem Besitz. So war von 1477 – 1489 Martin Truchseß von Wetzhausen der oberste Ritter auf der Feste Marienburg in Ostpreußen. Er war der

 „Hochmeister des Deutschen Ordens“.

Die Wetzhäuser Hauptlinie derer von Truchseß teilte sich in 7 Nebenlinien.
 Zu Bettenburg
Zu Brennhausen
Zu Sternberg (bei Sulzdorf an der Lederhecke).
Zu Dachsdorf
Zu Bundorf
zu Oberlauringen
Zu Obereßfeld (bei Sulzdorf an der Lederhecke)

Die in Ritterschulen, wie wir sie noch als Hinweis in Thundorf finden  ausgebildeten Kämpfer waren die Hauptstreitkräfte des Kaisers im Kampf gegen die Türken.

Veit Heinrich von Wetzhausen war General, Feldmarschall, Leutnant und Obrist zu Pferd und befreite Belgrad von den Türken. So steht es über dem Eingangsportal der Kirche in Wetzhausen vermerkt. Aus dem Erlös dieser Tat baute er seine Dorfkirche in Wetzhausen von Grund auf neu.

Heute ist sie mit ihren Epitaphen und Kunstschätzen eines der bedeutendsten Baudenkmale unserer Gegend.

Veit Ulrich Truchseß selbsber wurde königlich schwedischer Rat und Amtmann zu Neustadt, hochfürstlicher sächsischer Hofrichter und Oberhauptmann zu Coburg, Amtmann zu Heldburg und Ritterhauptmann des löblichen Cantons Baunach.

Joachim Ernst von Truchseß von Oberlauringen wird ebenfalls Hauptmann des löbliche Ritterkantons Baunach. Durch Erbschaften gelangen weitere Ländereien und Geldsummen in den Ort.

1687 hatte Oberlauringen bereits wieder 388 Einwohner und es ging vielen Bewohnern besser. Bereits nach 8 Jahren, so erfährt man auf einem Zettel der im Kirchturmknopf hinterlegt wurde, konnte wieder gebaut werden und so liest man:

„Anno domini nostri Jesu Christi (= Im Jahre unseres Herrn Jesu Christi) wurde auf gnädigen Befehl und Anordnung des Reichsfrey Wohlgeborenen Herrn Herrn Joachim Ernst Truchseß von Wetzhausen, Herrn zu Oberlauringen, Altenmünster, Rappershausen, Ober- und Untereßfeld dieser Turm von Neuem gebaut und bedacht. Gott erhalte SN (=seine ) Gnaden und Dero hohen Familie und ganzer hiesigen Gemeinde bei seinem heiligen Wort, steten Frieden und beständigen Wohlstand zu seines Namen Ehre. Amen. –

1705 wurde die Kirche renoviert und verschönt und das Kirchenschiff um 8 Meter verlängert.

Aus dieser Zeit stammt auch das größte Kunstwerk der Kirche die sehr schöne Kanzel von einem unbekannten Meister.

Leider ist sie momentan vom Holzwurm befallen und muss dringen saniert werden, Alle Einnahmen aus meinen geschichtlichen Führungen zum 1200 jährigen Dorfjubiläum werden für die Sanierung der Kanzel verwendet. Weitere Spenden auf das Konto 460626 BLZ 79340101 der Evang. Luth. Kirchengemeinde  Oberlauringen „Spende für Kanzelrenovierung“ werden noch gebraucht.

Text: Vilmar Herden


1200 Jahre Oberlauringen
Teil I
Teil II
Teil III
Teil VI - Friedrich Rückert in Oberlauringen
Teil VII - Friedrich Rückert als Chronist
Teil X - Aufbruch in Oberlauringen
Teil IX - Die Ansiedlung der Juden in Oberlauringen 
1200 Jahre Oberlauringen - Schlosskauf, Umbau und Parkanlage

1200-Jahrfeier Oberlauringen - Glückwunsch und Dank
1200 Jahre Oberlauringen - Oberlauringen im Erdaltertum


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