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Herr Vilmar Herden übernahm die geschichtliche Aufarbeitung. Im nachfolgenden Text sowie in weiteren Veröffentlichungen werden auszugsweise Berichte aus seiner Chronik zu der 1200jährigen Geschichte des Dorfes Oberlauringen veröffentlicht.

Beabsichtigt ist, die Gesamtarbeit gebunden zu veröffentlichen. Bestellungen können schon heute beim Markt Stadtlauringen aufgegeben werden.

Friedrich Rückert als Chronist Teil VII

Wer sich mit der Geschichte von Oberlauringen im 18. und 19. Jahrhundert befassen will findet in seinen 42 Gedichten, die Friedrich Rückerts unter dem Titel:

„Des Dorfamtmannssohns Kinderjahre“ aus dem Jahr 1829“ zusammengefasst hat, umfangreiche Informationen. Ergänzt mit einigen Gedichten aus seiner Würzburger Studentenzeit, und seinem Schwalbenlied „Aus der Jugendzeit“ oder den schönen Sprüchen die sich Oberlauringerbürger kunstvoll an ihren Häusern anbringen ließen entsteht ein sehr lebhaftes Bild dieser Zeit.

Wir erfahren von Freud und Leid, den Muhmen aus der Stadt Schweinfurt (die Schwestern seines Großvaters: die Gevatterin und Taufzeugin seines Schwesterchen Susanna Barbara Schoppachs (Kaiserlichen Reichs-Postverwalters Frau aus Schweinfurt und deren jüngere Schwester Luise, wie sie Oberlauringen besuchten. Und der kleine Friedrich sie mit natürlichen Blumen beschenkte anstatt mit Kunstblumen herumzulaufen, wie sie damals in Mode waren und wie sie Johann Wolfgang von Goethes Frau geb. Vulpius als Mädchen in einer Weimar Kunstblumenfabrik hergestellt hat.

Wir erfahren von vielen Sterbefällen im Amtshaus in Oberlauringen z.B. dass seine kleinen Schwestern Anna Magdalena am Zahnfiber starb und sein liebe Helene an den schwarzen Blattern, einer schlimmen Seuche heute Pocken genannt die zwischen 1793 und 1804 viele Todesfälle forderte, die Schwester Barbara und Bruder German starben am Stickhusten. Viele ältere Leute starben an TBC oder Schlaganfällen so dass 1804 in neuer Friedhof angelegt werden musste..

Als Arzt hatte Oberlauringen nur ein „Bader“ Dieser hatte gegenüber dem Schlosstor einen botanischen Garten in dem er Heilpflanzen anbaute oder auch seine Blutegel für den Freiherrn und dessen Bluthochdruck nachzog.

Friedrich Rückert scheint sich schon in jungen Jahren große botanische Kenntnisse angeeignet zu haben. Er macht sich etwas lustig über den Freiherrn Carl August weil dieser keine Obstbäume um sein Haus am Bergrangen anpflanzte sondern einen englischen Garten bevorzugte und auch in Oberlauringen scheint es damals, ähnlich wie bei seinem Jagdfreund dem Herzog von Hildburghausen im gemeinsamen Jagdrevier in Seidingstadt Speierlingsbäume gegeben zu haben.

Freiherr Carl August lebte wie seine Vorbilder in Weimar lieber in seinem Berghaus als in seinem Schloss, einem Weiherhaus wie Dr. Heusinger annimmt, und das, wie auf alten Plänen sichtbar von einem Wassergraben umgeben war. Friedrich Rückert meint ihnen hätten nur die Stallgerüche gestört.

Friedrich Rückert dichtet darüber:
„Die Bauern und ihr gnädiger Herr“
Wir haben einen gnäd´gen Herrn,
der spielet gerne Karten,
und bauet Kartenhäuser gern,
die auf den Wind nur warten,
um einzufallen, denn sie haben keinen Kern,
vertragen nicht den Stoß den harten.

Er hat gebaut das Hügelhaus
das dort herunter schauet;
er baut es an und baut´s  nicht aus,
denn was er heute bauet fällt morgen ein,
es hat ihm in der Nacht die Maus
das Fundament entzwei gekauet.

Er lässt sein Schloss im Dorfe stehn,
weil es die Höf umschließen,
und hat den Hügel sich ersehn,
die Aussicht zu genießen;
da freut er sich, wo durch die Wand die Winde wehn
und Wasser sickert durch die Fliesen.

Weil er nie selbst getragen Frucht
In seinen Lebenstagen
so hat er Bäume sich gesucht
die auch nicht Früchte tragen,
sie hergepflanzt ums Hügelhaus  in wilder Zucht
das nennt er seine Berganlagen.

Weil ihm kein Söhnlein Anlass gab
Im Tod es zu beweinen,
hat er für einen Hund ein Grab
daselbst erbaut aus Steinen,
der Hund geht um an seiner Gruft, ich selber hab´
ihn wandeln sehn, doch auf drei Beinen
Dann hat er zu gemeinen Nutz
Erbauet Judengassen,
für Juden, die in seinem Schutz
sich wollen niederlassen.

Das Dörflein hat genug gehabt an alten Schmutz,
wie soll es noch den neuen fassen?
Wer Oberlauringen nicht hat
seit  einem Jahr geschauet,
sieht staunend eine Judenstadt
ins Dorf hineingebauet;
sie krimmeln da und wimmeln da, als wie ein Blatt
Blattläuse, dass es einem grauet.

Bekannt ist´s in Jerusalem
und Babylon geworden,
dass es sich wohnen lässt bequem,
an unsres Strömleins Borden,
und alle sammeln hier sich nun, die ehedem
verstreut in alle Welt geworden.

Leicht lässt der Herr die Häuser sein
Und sie nicht stark verkitten,
dass sie nicht, wenn sie fallen ein
die Leute hart verschütten;
und durch das Dach scheint Sonn und Mond damit sie fein
gleich dienen statt der Lauberhütten.

Wenn unser Herr nun spielen will,
lässt er ein Jüdlein rupfen.
Der Pfarr hat sich mit der Postill´
Entschuldigt und den Schnupfen;
Und auch der Amtmann, der geduldig lang hielt still,
am Ende sucht er durchzuschlüpfen.
Wir armen Bauern sind zu schlecht
zu seinen Spielkam´raden;
so blieb nur Abrahams Geschlecht
zum Spielzeug seiner Gnaden.

und wenn der Herr nun auszieht seinen Kammerknecht
kriegts doch der Bauer auszubaden.
Wie unser Bader Firnekranz
mit Salz reibt seine Egel,
so macht das Spiel sie durstig ganz
aufs Blut der Bauernflegel.

Wenn nun sie aus dem Stall dir ziehn den letzten Schwanz,
geh nur und spiel am Sonntag Kegel!
Wie unser Gnäd´ger ihn versteht
versteht kein Mensch den Rummel;
im Spiel mit einem Juden geht
ihm hin wohl sein Geschummel;
sie sehn die Spinn´ und sehn wie sie den Faden dreht.

Ins Netz doch musst du arme Hummel.
Doch dünn nicht wie die Spinn ist er
noch dünn wie Spinnenfresser;
zum guten Spieler nebenher
ist er ein guter Esser;
nur seinen Leuten macht er nicht die Bäuche schwer
Jagdhunde sind ihm um so besser.

Wenn er die Juden ladet ein
Zu einer Freudenschüssel,
so liegt darauf ein wildes Schwein,
sie schaudern vor dem Rüssel;
im Keller hat er auch für sie den koscher Wein
doch ist verlagt der Kellerschlüssel.

Friedrich Rückert war die Ansiedlung wohl suspekt. Er übertreibt, kritisiert und diskriminiert wie damals schon üblich dieses Vorhaben. Mit der weiter verstärkten Ansiedlung der Juden in Oberlauringen durch den Bau der Oberen- und Unteren Judengasse wächst der jüdische Anteil auf fast 20% der Bevölkerung.

Carl August Truchseß von Wetzhausen, Herr auf Oberlauringen der Arbeitgeber des Vaters regierte wie ein  kleiner Sonnenkönig. Friedrich Rückert beklagt das er .„Bälle für Judenmädchen“ veranstaltete und, dass er dazu Musiker aus Schweinfurt oder Meiningen kommen lassen musste,

Die Musikausübung  wurde in strengen Zunftbestimmungen geregelt.

Anstößig ist auch das Carl August Pfänderspiele mit den Dorfmädchen machte und einen Konditor im Dorf ansiedelte durch den die Bauernburschen ihre Mädchen mit süßen Köstlichkeiten verführen konnten. Er frönte wie seine Vorbilder in Weimar der Jagd.

Pfarrer Stepf berichtet über das Leben in Oberlauringen und seinen Herrn. dessen Liebe zu Hunden und der schlechten Bezahlung seiner Angestellten. Ohne die Ersparnisse der Großmutter wäre Amtmann Adam Rückert verhungert, so beschwert sich dieser in Würzburg.


Die französische Revolution von 1789 kostete König Ludwig XVI. von Frankreich Thron und Leben. Ab 1793 drangen die französischen Heere bis nach Russland vor. 1796 erreicht das Heer des General Jourdan Franken.

Die Soldaten waren schlecht ausgerüstet, raubten und plünderten. In Oberlauringen hörte das Abhalten von Viehmärkten auf.

Am 31. Juli und 29. August schreibt Pfarrer Stepf das Mailes von den Franzosen geplündert wurde und am 31. August Oberlauringen dieses Schicksal ereilte. In einem Bericht wird sogar von Franzosengreul gesprochen.

Am 24. August 1796 wird das Heer der Franzosen in der Oberpfalz bei Amberg von den Österreichern unter der Führung von Erzherzog Karl geschlagen.

Das Heer flutet zurück und die Gräuel kannten keine Grenzen.

Amtmann Adam Rückert klagt darüber, dass die armen Einwohner von 1793 an ununterbrochen, bald von Durchmärschen, Einquartierungen von Freundes- und Feindestruppen, bald mit Magazinlieferungen und Extrasteuern heimgesucht worden sind.

Adam Rückert schrieb am 30. Juli 1802:
Dass seid dem Frühjahr 1796 bis zur eingetretenen Ernte die Not und das Elend bei dem größten Teil der Einwohner, auch bei den sonst bemittelten, durch die teuren Früchte auf das höchste gestiegen sei.“

Hungersnot und Teuerung hatten die menschlichen Körper so geschwächt und für Krankheiten anfällig gemacht, dass sie für Seuchen leicht empfänglich waren. Besonders die von den Soldaten eingeschleppten Blattern (Pocken) und andere Krankheiten, wie  Wassersucht, Schlagfluß, Lungen- und Brustkrankheiten, Entkräftungen, Krämpfen, bei Kindern Stickhusten führten bei Kindern oft zum Tod. So verzeichnet das Sterberegister im Februar 1792 sechs Todesfälle, im Jahr 1795 vierundzwanzig. In Rückerts Familie gab es fünf Todesfälle in seiner Zeit in Oberlauringen.

Am  19. Juli 1802 entlässt Carl August Adam Rückert aus dem Dienst, da er ein Jahr lang krank gewesen war. Adam Rückert wendet sich an die neue Regierung in Würzburg und bittet darum weiter im Dienst bleiben zu dürfen. Es half nichts, er wird 1802 entlassen und kehrt nach Schweinfurt zurück. 

Als die Franzosen kamen floh Carl August von Truchseß.  Als letzter und 7.  Regent dieser Familie geht er nach Gochsheim. Er starb bereits im Alter von 49 Jahren in Schweinfurt, wo er gerade zu Besuch war.

Am 6. Januar 1806 hatte er bereits einen Schlaganfall erhalten und war linksseitig gelähmt.

Am 27. August 1811 fand die Beerdigung statt. Die Leiche wurde vom Berghaus in Oberlauringen in seine Gruft getragen, die er sich zu Lebzeiten unterhalb des Berghauses im Keller, bei der sogenannten Burgscheune, hatte bauen lassen.

Die Bestattung erfolgte mit Vokalmusik, Gesang und einem Sermon, einer kurzen Ansprache.

Im nächsten Bericht wird die Auflösung des Amtes Oberlauringen beschrieben.

Text : Vilmar Herden

1200 Jahre Oberlauringen
Teil I
Teil II
Teil III
Teil VI - Friedrich Rückert in Oberlauringen
Teil VII - Friedrich Rückert als Chronist
Teil X - Aufbruch in Oberlauringen
Teil IX - Die Ansiedlung der Juden in Oberlauringen
1200 Jahre Oberlauringen - Schlosskauf, Umbau und Parkanlage

1200-Jahrfeier Oberlauringen - Glückwunsch und Dank
1200 Jahre Oberlauringen - Oberlauringen im Erdaltertum

Das Rückert Dorf
Rückert-Sprüche in Oberlauringen

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