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Am Sonntag, den 03. Juli 2011 bietet Herr Vilmar Herden wieder eine Führung durch Oberlauringen an. Die Führung beginnt um 10.30 Uhr vor der Kirchenburg.

Herr Vilmar Herden übernahm weiter die geschichtliche Aufarbeitung. Im nachfolgenden Text sowie in weiteren Veröffentlichungen werden auszugsweise Berichte aus seiner Chronik zu der 1200jährigen Geschichte des Dorfes Oberlauringen veröffentlicht.
Beabsichtigt ist, die Gesamtarbeit gebunden zu veröffentlichen. Bestellungen können schon heute beim Markt Stadtlauringen aufgegeben werden.

Das Ende der Freiherrschaft und die Auflösung des Amtes Oberlauringen.
Im Jahr 1803 waren in Regensburg auf Anordnung des Reichsdeputationshauptausschusses die ca.1800 unabhängigen Kleinststaaten des Reichsgebiets aufgelöst worden. Auch der Fürstbischof von Würzburg verlor seine weltliche Macht und hatte von nun an nur mehr kirchliche Aufgaben. Für einige Jahre übernahm Max Joseph von der Pfalz die Churfürstliche Landesdirektion Würzburg.

Eine seiner Anordnungen hat für Oberlauringen noch heute Bestand.
Am 20. April 1804, musste auf Weisung seiner Regierungszeit in Würzburg, der alte Friedhof „aufs freie Feld“ verlegt“ werden.
Der Neue Gottesacker wurde am 15. Mai 1804 anlässlich der Beerdigung von Frau Barbara Volkmar am  „Heilig Kreuz durch Pfarrer Johann Christoph Stepf eingeweiht. Vom alten Friedhof ist nur noch eine alte Grabsteinplatte vorhanden die heute in der Südmauer der Kirche zu finden ist.
Die Inschrift lautet:
„Anno 1596, den 26. August ist in Gott verschieden Zimmermann Hannsens Söhnlein. Der Seelen Gott Gnade und hat sein Herrlein (Großvater) Jörg Fuglein ime diesen Stein auffgericht“. Die letzte Zeile soll heißen: „Alles ist gering“ oder „Alles ist vergänglich“.

Am 1. Febr. 1806 ernannte Napoleon seinen Schwager, Ferdinand von Toskana, den er zunächst aus Italien vertrieben hatte, auf Betreiben seiner Schwester zum „Kaiserlich, königlichen Großherzog von Würzburg“.

Als Regent von Würzburg, der seinen neuen Wohnsitz in Veitshöchheim erbauen ließ, hatte er durch seinem Landrichter Jos. Alois Stecher aus Hofheim  vernommen. „dass der großherzogliche Vasall Freiherr Carl August Truchseß von Wetzhausen, Herr auf Oberlauringen in Schweinfurt zum Tod danieder liegen würde und somit alle Lehen aus Oberlauringen wieder an Würzburg fallen würden.

Darauf  erteilte er schleunigst,  schon am 22. August 1811, den Befehl an Notar Georg Joseph Roßhirt und die Zeugen J. Raab und G. Bauer sie mögen sich alsbald nach Oberlauringen begeben. Zu ihren Schutz stellte er zwei Chevauxleger und sechs Infanteristen ab damit niemand anders Besitz ergreife.

Am 25.August 1811 vormittags halb 8 Uhr traf die Todesnachricht ein Unverzüglich begab er sich der Besitzergreifungs-commissär, dem Landrichter Stecher und den beiden Zeugen in den Schlosshof.

Dort verkündete der Commissär den wirklichen Tod des großherzoglichen Vasallen Carl August Freiherr von Truchseß von Oberlauringen.

So dann hieb er aus dem rechten Flügel der Schlosspforte einen Span und erklärte dabei deutlich, dass er von allem was Mannlehen im Schlosse und seiner Umgebung sei, für seine Kaiserlich Königliche Hoheit dem Großherzog Ferdinand zu Würzburg Besitz nehme.

Hierauf begab er sich mit seiner Begleitung in den Schlossgarten, wo er Früchte von den Bäumen nahm, Zweige von den Hecken riss, Gemüsesträucher und Erdschollen zu sich nahm und dabei feierlich erklärte, dass er hierdurch Besitz von allen Würzburgischen Mannlehen im Garten und Feld nahm.

Anschließende begab sich der Bevollmächtigte in das unweit vom Schloss gelegene Amtshaus, wo er den Tod des Freiherrn Carl August von Truchseß dem gegenwärtigen Amtmann Eyring und AmtsSkribenten Fritz, dann den anwesenden Gerichtsbedienteten verkündete und den selben für seine Kaiserlich Königliche Hoheit den Erzherzog Ferdinand Pflichten abnahm und hierbei erklärte, dass er dadurch Besitz von der Jurisdiktion des Ortes Oberlauringen mit der Herrschaft der Flurmarkung, für den allerhöchsten Vollmachtgeber ergreife und ergriffen haben wolle.

Der Commissär nahm noch Besitz von den Sachsen-Hilburghäusischen Lehenshäusern und verpflichtete im Schloss den Jäger K. Hellmuth und den Gärtner K. Beck.

Er verpflichtete auch den vorgeladenen und erschienenen Judenschultheiß Isak Hirsch und den jüdischen Schullehrer Markus Löb auf den neuen Herren.

Diese Informationen sind für die Geschichtsschreibung über Oberlauringen von eminenter Bedeutung. So werden darin die Aufgaben und die Angestellten des  Amtes Oberlauringen benannt.

Der erste namentlich bekannte Rittersecretär war 1649 Johann Geißler.

Im Bericht über die Übernahme nach Würzburg erfährt man dass es neben dem Amtmann noch weitere Gerichtsbedienstete und einen Amtsskribenten gab und Häuser von Hildburghausen weisen auf die enge Verbindung zum heutigen Thüringen hin, während Stadtlauringen anders als Oberlauringen immer zu Würzburg gehörte.

Oberlauringen hatte ein Schloss mit einer Adelsfamilie, ein Amt, einen Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer. Es gab einen eigenen Judenschultheiß und einen Judenlehrer. Es gab neben dem Bader Firnekäs den wir von Friederich Rückert kennen, Ritterboten, Kutscher, Zofen und Konditoren, Jäger und Gärtner und weitere Berufe die er in seinen Gedichten beschreibt.

Durch Ferdinand von der Toskana (im Volksmund „Ferdinand ohne Land“ beginnt in Würzburg und Veitshöchheim eine rege Bautätigkeit. Heute genießen wir besonders den schönen Barockgärten.

Auch Oberlauringen profitiert von der Neuorganisation von Würzburg. Die alte Schule wird renoviert.
Lehrer Heimstätt schreibt dazu: „Zur Kirche gehörte die Schule“.
Das erste Schulhaus von 1579 welches zugleich Mesnerwohnung gewesen war und massiv aus Steinen erbaut war, war baufällig geworden.
Es wurde zwischen 1810 - 1812 an gleicher Stelle völlig neu erbaut und am 2. November 1812 eingeweiht“.

Über den Bau und die Einweihung liegt dieser ausführliche Bericht vor:
„Nachdem die alte Schule – sie war ganz massiv von Steinen erbaut Anno 1579 – hiesigen Orts baufällig geworden war, so wurde von den Ortsvorgestzten 1810 beschlossen eine neue Schule zu erbauen. Landbaumeister Büttner von Königshofen fertigte den Plan nach den Landesgesetzen und den Kostenvoranschlag. Dieser wurde am 16.9.1811 von der Regierung in Würzburg genehmigt.

Die Gemeinde verwilligte dazu zum Besten ihrer Kirche das Holz und dazu ein großes neues Gebäude, das unbenutzt auf dem Kaulhügel stand, dann 667 fl. 42 kr (= 667 Gulden 42 Kreuzer) rheinisch an Geld. Die Kirche gab 200 fl.
Im August 1811 wurde mit dem Niederreißen des alten Schulgebäudes begonnen. Sogleich wurde der Grund zum neuen Haus auf der Stelle des alten angelegt. Die Gemeindeglieder leisteten die vielen beschwerlich Handgriff zur Fron.
Und so geschah es unter Gottes Beistand, dass das neue Schulgebäude im Jahr 1812 vollendet und am 2. November 1812 eingeweiht wurde.

Der Herr Beamte, Pfarrer, Schultheiß und sämtliche Gerichtspersonen gegaben sich aus dem Pfarrhaus früh in die neue Schule, wo sich die Schulkinder, sämtlich an der Zahl 86, in ihrem Putze, die Mädchen mit Kränzen, versammelt hatten. Es wurde ein Gebet gesprochen, dann ein Lied gesungen und in die Kirche gezogen. Hier wurde nach gehaltenem Hochamt und Musik die Einweihungspredigt gehalten. Text: Esra 3 Kap. 11/12 über den Wert der Schulen und dann der Gottesdienst mit dem Lied: Nun danket alle Gott“ geschlossen.

Dann wurde mit Musik zur Schule gezogen, vor der Tür ein Kreis gebildet und der Schultheiß Georg Weisensee, welcher den Schlüssel der Schule vom hiesigen Großherzoglichen Justizbeamten, Herrn Christian Burkhard Eyring empfing und übergab denselben im Namen der Gemeinde der Herrn Schullehrer Johann Adam Hellmuth, worauf dann jedes Kind nach gehaltenem Glückwunsch ein Weck erhielt.

Gott sei gelobt, dass dieses große Werk ohne Unglück ohne Zank und Streit abgegangen ist. Er lasse diese Schule lange stehen zum Segen und Flor unserer Kinder und Nachkommen.“

Anmerkung von Herrn Lehrer Heimstätt:
Der heutige Landjugendraum, einst Schulzimmer, war bis 1812 ein Viehstall für 4 – 5 Kühe.
Der Lehrer war wie damals oft üblich gleichzeitig Bauer. Über die armen Dorfschulmeister singen wir noch heute das Lied „vom armen Dorfschulmeisterlein“.

Die Säkularisation in Bildhausen
Schlimmer ergeht es dem Kloster Bildhausen, durch Napoleon säkularisiert wurde die Kirche geplündert und als Steinbruch benutzt, die 27 Altäre der Klosterkirche werden von umliegenden Dorfkirchen gekauft, die schönen Tore findet man jetzt vor Häusern in Salz oder Herrschfeld. Die immensen  Kunstschätze des Klosters wurden verramscht, geschnitzte Figuren oder Bilder findet man heute in großen Museen auf der ganzen Welt.

Der Wiener Kongress

Auf dem Wiener Kongress zwischen dem 18. September 1814 und dem 9. Juni 1815 beschließen unter der Leitung des österreichischen Außenministers Fürst von Metternich und Vertretern von 200 europäischen Staaten die Neuverteilung Europas. Es wurde ein loser „Deutscher Bund“ beschlossen. Franken kommt zu Bayern und Ferdinand III von der Toskana tauscht sein Großherzogtum gegen andere Besitzungen. So kommt auch Würzburg und das Amt Oberlauringen endgültig zu Bayern.

Zu dieser Zeit hatte Oberlauringen 501 Protestanten, 27 Katholiken und 143 Juden. Von 1811 – 1819 war Christian Eyring der letzte Amtmann Oberlauringens das zum Schluss nur noch als Justizamt fungiere hatte.

Am 9. Januar 1819 transportierte Amtmann Eyring die Amtsregistratur nach Hofheim. Er selber wurde danach als Kreis –und Stadtgerichtsrat nach Schweinfurt versetzt. Alle Unterlagen des Amtes verbrennen im 2. Weltkrieg.
Text:  Vilmar Herden

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