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durch die Familie Grunelius, später geadelte von Grunelius.

Im Jahr 1876 erscheint ein neuer Schlossbesitzer in Oberlauringen. Georg Grunelius ist der Erbe eines Frankfurter Bankhauses. Während sein Bruder das Bankhaus weiter betreibt  kauft er zunächst das Schloss und das Hofgut, in Oberlauringen und dazu die umliegenden größeren Höfe wie den Rothof den Unterhof, den Lindleshof und alle Äcker die er in der Umgebung erweben konnte. Mit genügendem Kapital ausgestattet stockt er das Schloss auf, errichtet das Gästehaus und saniert das Hofgut. Besonders. Seine wichtigste Errungenschaften war und ist noch heute, er lässt den Garten der Freiherren von Truchseß der bereits 1805 in den Chroniken erwähnt wurde in einen englischen Garten umgestalten.

Darüber berichtet der berühmte Frankfurter Gartenarchitekt Heinrich Siesmayer (1817 – 1900) .in dem Buch „Aus meinem Leben“ Frankfurt/Main von1892.

„Der Rittergutsbesitzer Freiherr von Grunelius, Bruder des bekannten Bankiers Grunelius in Frankfurt am Main war der einzige seiner Brüder, die sich nicht dem Finanzwesen, sondern der Landwirtschaft widmete und die

Selbe mit Eifer auf seinen Rittergütern in Bayern, besonders auf Schloß Oberlauringen bei Schweinfurt praktisch übte. Seine Gemahlin Berta, eine geborene von Heyder, Tochter des bekannten Frankfurter Patriziers, die von ganzem Herzen der Landwirtschaft und Gärtnerei zugetan war und einen umfangreichen Schönheitssinn bekundete, trug gleichfalls dazu bei, dass ihr Gemahl durch mich dort einen größeren Park zur Ausführung bringen ließ. Die dazu bestimmten Flächen, mehr als hundert Morgen, welche nicht gerade günstige Terrainverhältnisse boten und durch einen kleinen, unansehnlichen Bach durchschnitten waren, wurden durch zweckmäßig aufgestellte Baummassen mit den geringen, außerhalb liegenden Bergen, Mühlen und kleinen Bauernhäusern zu einem Ganzen umgeschaffen, do dass das Gesamtbild vom Schlosse aus mit den Fernen einen malerischen Anblick bietet. Die Längsseite des Parks war eine eintönige Hügelkette, ohne Abwechslung. Um größere Kosten zu vermeiden, formierte ich dieselbe durch kleiner Einschnitte, spitz- und rundköpfige Baumkontouren, führte ferner einen Reitweg über die verschiedenen Höhen, der durch seine tiefere Lage in den Bergrücken mannigfache Veränderungen schaffte, und gab hierdurch der ganzen Höhe ein pittoreskes Aussehen. Die großen Flächen im Park sollten den Graswuchs der Landwirtschaft abgeben. Die ganze Anlage wurde mit gewöhnlichen Bäumen, wie Eichen, Buchen, Pappeln, Tannen besetzt, die aus den eigenen Forsten des Gutsherrn entnommen waren. Dadurch kam die Parkfläche mit den in der Nähe liegenden Waldungen in harmonische Verbindung: Der Garten umschließt außer dem Schloß große Gemüse –und Obstgärten, Gewächshäuser  und überhaupt alles, was auf dem Lande zum Komfort gehört. Die ganze Arbeit dauerte mehr als 2 Jahre und dürfte über 100 000 Mark in Anspruch genommen haben. Alles wurde auf eigene Regie, zumeist mit dem Hofpersonal, bewerkstelligt, und nur diesem Umstand war die billige Ausführung zuzuschreiben“.

Der Park wurde auf Anordnung des Landratsamtes Hofheim Ufr. Az.32 – 324/12 – III/3 bereits am 13.10.1941 Nr. 260 unter Naturschutz gestellt und ist in das Naturdenkmalbuch eingetragen. 12.Februar 1955  Dr. Krahmer Landrat.

An die Familie von Grunelius erinnert nicht nur der Schlosspark sondern auch das Schloss selber, dass er verschönern und um ein Stockwerk erhöhen ließ.

Georg Grunelius und seine Frau geb. Berta von Heyder stiften mehrmals Gelder 12 000 Mark für eine Kinderbewahranstalt und 8 500 Mark für eine Station für ambulante Krankenpflege im Dorf. Dafür werden sie 1883 zum erblichen Freiherrn geadelt. Die Diakonisse Lina Horn wird als erste Kindergartenleiterin der Kinderbewahranstalt in Oberlauringen eingestellt. eingestellt

Zum Schloss gehörte damals
1. Das Schlossgebäude
2. Das Gästehaus
3. landwirtschaftliche Gebäude
4. Treibhaus
5. Kutscherwohnung
6. Försterhaus
6. Försterwohnung
7. abgebrochenes Bauernhaus
8. Rückertkeller/Pforte
9. Pavillon
10. Burgkeller
11. Schlosstor Eingang
12. früheres Amtshaus
13. abgebrochenes Sommerhaus

Für das leibliche Wohl sorgten zahlreiche Bedienstete:
2 herrschaftliche Kutscher
1 Diener
1 Köchin
1 Kammerzofe
1 Hausmädchen
1 Gärtner
1 Förster

Herr Hauptlehrer Heimstädt schreibt über das Leben im Schloss:

„Wenn im Schloss ein Empfang gegeben wurde, fuhren die befreundeten  Gäste in herrschaftlichen Chaisen durch das Einfahrtsportal in den Park und stiegen vor der Freitreppe des Schlosses ab. Es war alles aufs Beste vorbereitet, dafür sorgte das Personal und besonders die tüchtige Köchin. Ein winziger kleiner Fürstenhof  wie zu Beginn des 19 Jahrhunderts., im 1. Quartal des 20, Jahrhundert. Vom 4 km entfernten Schloss Craheim das im Stil von Solitude 1908 gerade fertig geworden war oder vom Schloss in Aschach“.

Da seine Frau Berta von Heyder schon mit 39 Jahren starb, verzog er nach Freiburg. Er vererbt  Schloss und Landgut an seinen Sohn Moritz der mit Gisela von Pöllnitz zu Frankenberg verheiratet war..

In der Weltwirtschaftskrise muss dieser alles, Rothof, Lindleshof, Unterhof und Guttenberger Wald und auch das Oberlauringer Schloss an die bayerische Siedlungsbank in München abgeben.

Sein Sohn Moritz von Grunelius und seine Frau Gisella geb. von Poellnitz verzog nach Frankenberg. Sie ruhen dort  in der Grabstätte von Schloss Frankenberg.

Das Schlosstor, bereits 1750 im Kunstführer von Franken erwähnt, wurde mit neuen Wappenschildern versehen und deuten auf die Familie von Grunelius hin. Die einst originalen Wappen sind auf den Torsäulen beim Aufgang zur Kirchenburg zu sehen. Das linke Wappen am Schlosstor zeigt das Wappen der geadelten Familie von Grunelius das rechte ist das seiner Frau, die eine geborene von Heyder war.

Die schöne schmiedeeiserne Arbeit des Schlosstores wurde von dem Oberlauringer Schlossermeister Feldhäuser (1856 -1896) in seiner winzigen Werkstatt gestaltet und gebaut. Wir finden es fast identisch am Schlosstor von Craheim das erst 1908 errichtet wurde.

Der 1. Weltkrieg war eine Katastrophe für Oberlauringen.
Im alten Rathaus hängt eine Erinnerungstafel an die in Oberlauringer Gefallenen. Wo sie überall kämpfen mussten, zeigt der Hinweis auf einen Gefallen, auf dem U-Boot Adria.

Jüdische Mitbürger versuchten durch ihren besonders starken Einsatz für Deutschland ihre Zugehörigkeit als Deutsche Staatsbürger zu beweisen.

1915 liest man in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 8. April 1915 „Oberlauringen 23. März 1915 Wegen bewiesener großer Tapferkeit und Aufopferung wurde dem Infanteristen Albert Sterzelbach aus Oberlauringen in Unterfranken das Eiserne Kreuz verliehen. Derselbe hatte im schwersten Kugelregen Verwundete verbunden und in Sicherheit gebracht.“

Auf dem Judenhügel bei Kleinbardorf steht noch heute ein Denkmal für die gefallen Juden des ersten Weltkriegs. Darauf befinden sich die 3 Söhne der jüdischen Familie Steinhäuser aus Oberlauringen.

Die Landwirte von Oberlauringen lebten Anfang des 20 Jahrhunderts hauptsächlich von der Aufzucht von Schlachtvieh. Seit dem 18 Jahrhundert gab es in Oberlauringen 8 große Viehmärkte im Jahr, Haupteinnahme war dabei der Handel für die Großstädte besonders mit der Hauptstadt Berlin.

Der jüdische Viehgroßhändler Louis Strauss aus Berlin sammelte binnen 14 Tagen bis zu 120 Rinder von den Landwirten der Umgebung ein, die ihm weitere 5 jüdischen Partnerviehhändler aus Oberlauringen eingehandelt hatten Bauernburschen versorgten die Tiere in den Stallungen der Händler und konnten sich dadurch Bargeld erwerben oder ihre im Laufe der Zeit eingehandelten Schulden abarbeiten.

Der Viehhändler Herr Strauss war ein bescheidener Mann. Wenn er lt. Aussage von Herrn Schad alle 14 Tage aus Berlin kam hatte er immer den gleichen Mantel an, wohnte bei seien Nachbarn, prüfte die Tiere wenn sie vor der Fahrt nach Berlin auf der Gemeindewaage gewogen wurden und dann am Montagmorgen unter der Leitung des Oberlauringer Landwirts Balthasar Raab an Maria Bildhausen vorbei bis zum Bahnhof nach Bad Neustadt getrieben wurden. Von hier aus ging die Fahrt direkt nach Berlin, manchmal auch von Stadtlauringen aus oder sie wurden sogar direkt  bis nach Schweinfurt getrieben. Mehrer Tage lang mussten die Tiere in den Zügen versorgt, gefüttert und gemolken werden. Zurück brachte man die gleiche Menge Pferde aus Ostpreußen. Sie wurden über die jüdischen Pferdehändler aus Meiningen weiter verkauft.

Wie gut der  Handel funktionierte und wie informiert ihre Händler waren erzählte mir wieder „Herr August Schad aus Mailes“, einer der noch wenigen lebenden Zeitzeugen aus eigener Erfahrung. Als seine Eltern eine Kuh kaufen wollten, die zusammen mit einem Pferd vor dem Pflug gehen können musste , wandten sie sich an ihren jüdischen Nachbarn. Dieser riet dem Vater nur: „Gehe nach Meiningen in den Stall Nr. 20, dort findest Du genau das Tier was du brauchst“ und so war es und man war dafür sehr dankbar.

Durch den Viehhandel waren am Sonntag Nachmittag waren beide Gastwirtschaften übervoll, jeder meinte gute Geschäfte gemacht zu haben, der Handel blühte und es konnte so richtig gefeiert werden.

Die Ausbildung in Handelsberufen erfolgte in den Familien und in der jüdischen Schule. Eine besondere schulische Errungenschaft in Unterfranken bildete dabei die jüdische Wirtschaftsschule mit Internat für Mädchen in Bad Neustadt.

Wie ausgezeichnet die jüdische Ausbildung in den Handelsberufen in Unterfranken gewesen sein muss sieht man auch an den Erfolgen der aus Unterfranken nach Amerika ausgewanderten jüdischen Händlergeneration.

Bekannte Gründer großer „Bankhäusern“ wie Lehmann& Brother aus Rimpar bei Würzburg, Goldmann aus Trappstadt oder Sachs aus Rödelmaier Landkreis Rhön Grabfeld haben Weltbedeutung erlangt. Wie ungeschickt es auch gewesen war Juden handwerklichen Berufe nicht zu erlauben zeigten später berühmte Erfinder wie der Jude Simson aus dem kleinen Dörfchen Mühlfeld bei Mellrichstadt, dem Gründer der Simsonwerke in Suhl. Auch das sollte einmal erwähnt werden.

Der verhängnisvolle Neid über das Handelsgeschick der jüdischen Viehhändler war auch die Ursache dafür, dass die Bahnstrecke von Schweinfurt kommend in Stadtlauringen endete. Der deutsche Schulleiter im Ort hatte der Oberlauringer Bevölkerung geraten, den Juden den Handel dadurch zu erschweren, dass sie ihre Tiere möglichst weit treiben müssten. Sicher war das ein verhängnisvoller Irrtum. So wurde die Bahnlinie nur bis nach Stadtlauringen gebaut und nicht weiter über Oberlauringen nach Bad Königshofen gebaut und der Ort in seiner Entwicklung abgehängt.

Wie gut das Einvernehmen mit der Bevölkerung war, lässt sich an Trauermeldungen ablesen.
So liest man, war die Trauer groß als Friedrich Schloss, der allzeit  geachtete jüdische Bürgermeister von Oberlauringen, starb
Aus dem Viehhandel der Juden heraus entwickelte sich ein weitere Chance die neue Berufsmöglichkeit des Landmaschinenhandels.
Der Jude Jakob Fink hatte das Anwesen vom Viehhändler Schloss gekauft und zu einem Landmaschinenhandel einweitert. Dazu wurden die Maschinen in den Fabriken gekauft und in Einzelteilen fabrikmäßig verpackt mit der Bahn nach Stadtlauringen befördert. Ein Oberlauringer Landwirt hatte das Monopol mit seinem Fuhrwerk die Teile in die Werkstatt nach Oberlauringen zu bringen. Hier wurden sie dann von Ernst Müller der in Hofheim ausgebildet worden war und von Kaspar Steigmeier für den Gebrauch fachmännisch zusammen gebaut und gewartet. 

Ungewöhnlich aber auch bezeichnend für Oberlauringen ist, dass Moritz und Max Seegen jüdische Landwirte waren und Äcker und Vieh besaßen.

Besonders die Lehrer waren im Dorf hoch geachtet. Der Tod des Hauptlehrers Simon Goldstein am 12. Mai 1927 und seine Verdienste wurden auch in der überregionalen Presse gewürdigt. Er hatte 40 Jahre dem bayerischen Lehrerverband und dem Bezirkslehrerverband Stadtlauringen angehört und hatte viel für die Gemeinde getan.

Bezeichnend ist auch das soziale Engagement der jüdischen Einwohner. Sie hatten eine eigene Beerdigungsbrüderschaft,(Chewra Kaddischa)  und einen Verein junger Männer,(Chewrat Hanorim) weiter verfügten sie über eine Lehrerfondkasse und eine Wohltätigkeitskasse.

Josef Grünfeld hatte in seiner Matzenbäckerei für die nähere Umgebung den Matzen in Tag und Nachtschicht gebacken und am Sonntag morgen fanden die deutschen Bürger frische Brötchen an ihren Haustüren. Umgekehrt versorgten deutsche Hausmädchen jüdische Familien am Sabbat, schürten die Öfen an oder pflegten Kranke

Herr Vilmar Herden übernahm die geschichtliche Aufarbeitung. Im nachfolgenden Text sowie in weiteren Veröffentlichungen werden auszugsweise Berichte aus seiner Chronik zu der 1200jährigen Geschichte des Dorfes Oberlauringen veröffentlicht.
Beabsichtigt ist, die Gesamtarbeit gebunden zu veröffentlichen. Bestellungen können beim Markt Stadtlauringen aufgegeben werden.

Text: Vilmar Herden

1200 Jahre Oberlauringen
Teil I
Teil II
Teil III
Teil VI - Friedrich Rückert in Oberlauringen
Teil VII - Friedrich Rückert als Chronist
Teil X - Aufbruch in Oberlauringen
Teil IX - Die Ansiedlung der Juden in Oberlauringen 
1200 Jahre Oberlauringen - Schlosskauf, Umbau und Parkanlage

1200-Jahrfeier Oberlauringen - Glückwunsch und Dank
1200 Jahre Oberlauringen - Oberlauringen im Erdaltertum


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