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Active ImageVor 7500 Jahren im Oberland bei Wettringen

Zu den ersten bäuerlichen Besiedlungen im nordbayrischen Raum zählte neben Schwanfeld auch Wettringen. Das zeigen ihre Hinterlassenschaften. Hunderte von diesen aus der Zeit der älteren Linienbandkeramik umfasst die Sammlung von Ernst Lauerbach aus Hofheim, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege.


Von diesen zeigte er bei einer Exkursion den Mitgliedern des Freundeskreises für Frühgeschichte, Tongefäße mit Rillen verziert, Steinwerkzeuge und Pfeilspitzen. Wettringen zählte, ähnlich wie Schwanfeld, zu den ersten von Menschen durch Rodungen im Waldmeer entstandenen Siedlungen. Doch war diese Siedlung in späteren Zeitabschnitten auch wieder unbewohnt, sodass wilde Tiere ihren Lebensraum zurückgewinnen konnten. Die hohe Zahl an Funden zeige, wie die Menschen den hier angewehten dunklen Löß zum Anbau zunächst von Emmer und Einkorn und für die Haltung von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen nutzten. An Hand weiterer Funde, zeigte Ernst Lauerbach, dass vor Beginn der Rodungen durch die neolithischen Siedler um 5500 v.Ch. schon die Jäger- und Sammlerbevölkerung eine nicht unbedeutende Rolle einnahm.

Nach dieser Führung referierte Hans Koppelt aus Gerolzhofen, der sich neben der Steinkreuzforschung u.a. auch mit der Erforschung von Steinmetz zeichen in Unterfranken befasst.

In Wettringen blieb von der alten Burg noch ein Turm erhalten. Mit Jahreszahl und Wappenstein versehen, ist seine Entstehungszeit leicht ablesbar. So sind neben dem Wappen des Geschlechtes der Stein zum Altenstein, die Wappen der Fürstbischöfe Konrad III von Thüngen und Lorenz von Bibra eingemauert.
Ein weiterer Reliefstein am Turm verwirre aber den kunsthistorischen Betrachter und sorge für die Bildung neuer Sagen, so Koppelt. An der Ostseite zeigt sich auf einem senkrecht stehenden Block das Relief eines Mannes mit zwei Gegenständen, deren Deutung ihm verschiedene Berufe zuweisen. Von Ortsbewohnern habe er erfahren, dass es sich um einen Dachdecker handeln soll, der beim Turmbau tödlich verunglückte. Hierfür gibt es aber keine Anhaltspunkte.

Im Kunstdenkmälerband Heft V von Hofheim ist die Figur als Steinmetz mit Schlägel und Richtscheid(?) beschrieben. Die nachfolgenden Betrachter und Beschreiber lassen dann das Fragezeichen noch außer acht. So erhebt z.B. Kurt Gerstenberg den Mann zum ruhmreichen Urahn des Steinmetzwerkmeisters und datiert ihn unbegründet um ca. 400 Jahre älter als den Turm. Diesen Angaben könne er nicht folgen erklärte Hans Koppelt, allein schon weil das als Schlegel angesehene Attribut vielmehr ein Tuthorn darstelle. Eine, die Schallöffnung andeutende Auskehlung sowie die Krümmung des Horns, sind am Objekt noch gut feststellbar. So wird der Dargestellte wohl ein Hirte oder Wächter sein und kein Steinmetz, sondern eher einer Steinmetzlaune entsprungen sein.

Dr. Erich Meidel bedankte sich am Ende der Exkursion für die Führungen und hervor, dass der Entwicklung der Natur und der Menschheit zwischen Eiszeit und Ausbreitung der Landwirtschaft eine viel größere Bedeutung zukomme, als bisher angenommen. Wegen der vielen unheilbaren Schäden die wir unserer Mutter Erde zufügen gelte es, stärker auf die einstige biologische Vielfalt der Arten zu achten und unsere Wälder möglichst naturnah zu bewirtschaften. Ein Vorbild sei der einstige Urwald vor der Ausbreitung der Landwirtschaft. Für natürliche Prozesse sei die Naturlandschaft das Bezugssystem und je näher der Wald dem Zustand eines Urwalds komme, um so vitaler sei er, schloss Dr. Meidel, der die Exkursion organisiert hatte, seinen eindringlichen Appell.

Text und Foto: Günter Berthel

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