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Dorferneuerung soll neue Impulse für Reichmannshausen bringen

Zunächst musste Bürgermeister Kilian Hartmann Überzeugungsarbeit leisten, denn nicht alle der etwa 150 Reichmannshäuser in der Bürgerversammlung zeigten sich hundertprozentig einverstanden mit der Dorferneuerung, ging es doch im Hinblick auf mögliche Straßenausbaubeiträge auch um den eigenen Geldbeutel. „Wo sieht sich Reichmannshausen in den kommenden Jahrzehnten!“, fragt Hartmann in die Versammlung. Mit Milliarden schweren Zuschussprogrammen versucht der Staat das Aussterben auf dem flachen Land und Abwanderung in die Metropolregionen zu verhindern. Zuschüsse, die es auch vom Amt für ländliche Entwicklung gibt, wie ihr Abteilungsleiter Peter Kraus am Abend der Bürgerversammlung schildert.

Wie geht es weiter in Schonungens nördlichsten Ortsteil. Fakt ist, dass es schon heute ernsthafte Probleme mit der demografischen Entwicklung gibt. Die ärztliche Versorgung ist nicht mehr sicher gestellt von Einzelhandel ganz zu schweigen, der Kindergarten banget um seine Zukunft, Vereine finden keinen Vorstand mehr, Gaststätten schließen und Häuser stehen leer. Als Instrument um gegen den Negativtrend entgegenzuwirken könnte die umfassende Dorferneuerung angewandt werden. Kraus erläuterte die Vorgehensweise: Das Amt könne organisatorische, planerische und finanzielle Hilfestellung geben. Wie der Rathauschef erklärt beschäftigen sich mehrere Anrainergemeinden des Ellertshäuser See’s derzeit mit der Dorferneuerung. Im Zusammenhang mit der Machbarkeitsstudie „Seestern“ könnten diese zusammengefasst, Synnergieeffekte genutzt und alle in Dorferneuerung befindlichen Ortsteile gemeinsam abgehandelt werden. Ein unterfrankenweit einmaliges Projekt, wie Kraus bestätigt.

160 Ortschaften befinden sich im Bezirk derzeit in der Dorferneuerung, Kraus versprach das Projekt Seestern trotz der Fülle von Anträgen voranzutreiben. Darin inbegriffen: Ebertshausen, Fuchsstadt, Altenmünster, Löffelsterz und schließlich Reichmannshausen. Trotz der Vielzahl an Ortschaften die dem Seesternprojekt angehören, gibt es nur eine Teilnehmergemeinschaft: „Rationalisierungseffekte kommen dem Projekt zugute und beschleunigen die Dorferneuerung!“, betont Kraus. Gleichzeitig erfordere es aber Vertrauen von allen Bürgerinnen und Bürger: „Wir müssen ergebnisoffen an die Sache herangehen!“, rief Kraus den Kritikern zu. Sie fürchten, das erhebliche Kosten von Straßenausbaubeiträgen bei den Anwohnern kleben bleiben. „Kein Betrieb würde überleben, wenn er nicht in die Zukunft investiert!“, argumentiert Kraus für die umfassende Dorferneuerung. Doch es traten noch ganz andere Probleme in den Fordergrund: „Wir wohnen im Tal der Ahnungslosen: Wann wird Mobilfunk sichergestellt, wann bekommen wir endlich DSL!“, schallt es in Richtung des Bürgermeisters. 600.000 Euro würde die Anbindung mit einer Glasfaserleitung kosten, nur 100.000 Euro Zuschuss könne die Gemeinde davon in Abzug bringen. „Das gibt der Gemeindehaushalt nicht her!“, bedauerte Hartmann und verweist auf die Bundespolitik. Doch gerade junge Familien, Neubürger oder Gewerbetreibende stellt dies nicht zufrieden: „Die Dorferneuerung alleine wird die Leute nicht bei uns halten, wenn sich die Infrastruktur nicht verbessert!“, heißt es in der Versammlung. „Schöne Pflastersteine bringen uns keinen einzigen Neubürger, wenn die Breitbandanbindung aus der Steinzeit ist!“, wird die Zuschusspolitik kritisiert.

Trotzdem schien der Vortrag von Peter Kraus die Menschen zu überzeugen, denn ohne Dorferneuerung würde Reichmannshausen im Dornröschenschlaf weiter verharren: Mit Hilfe einer Diashow präsentierte er die verschiedenen Möglichkeiten einer Dorferneuerung, angefangen von der Straßengestaltung, Grundstückneuordnung über private Baumaßnahmen, bis hin zur Einrichtung von Bürgerhäusern. Dabei könne das Amt für ländliche Entwicklung derzeit bis zu 60% Fördermittel für Maßnahmen beisteuern. Doch ob die Fördersätze auch in Zukunft auf diesem Level bestehen bleiben, wagt Kraus zu bezweifeln. Hartmann regte an, um für Reichmannshausen bedarfsgerechte Ideen und Überlegungen zu entwickeln und in die Teilnehmergemeinschaft mit einfließen zu lassen, verschiedene Arbeitskreise im Ort zu bilden, beispielsweise für Innerörtliche Bausubstanz, Landwirtschaft oder Soziales. Das Verfahren soll transparent gehalten und die Bürger mitgenommen werden, versprach der Rathauschef. Am Ende stellte der Vorsitzende des Sportvereins, Hermann Grabinger in der Versammlung den Antrag auf Dorferneuerung, den insgesamt 81 Anwesende unterstützten, nur 7 waren dagegen oder enthielten sich ihrer Stimme. Damit ist der Weg frei für die Dorferneuerung. Nun wurden drei Vertreter bestimmt, die ein vorbereitendes Seminar in Klosterlangheim besuchen werden, darunter Sportvereinsvorsitzender Hermann Grabinger, Burkard Schmitt und eine weitere Person, die durch die Jagdgenossenschaft bestimmt werden soll. 

Text: Stefan Rottmann

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