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Mit dem Rettungsboot durch eine Geisterstadt

Es war ein Katastropheneinsatz, den die Wasserretter der DLRG aus Schonungen wohl nicht so schnell vergessen werden. Sie waren zusammen mit Kollegen der DLRG Würzburg/Werneck die einzigen bayerischen Rettungskräfte die ins sächsischen Hochwassergebiet gereist sind um zu helfen. Heftige Regenfälle sorgten binnen Stunden für einen enormen Anstieg der Neiße. Daramatisch wurde die Situation, als in Polen ein Damm brach und den Fluß auf einen Pegel von 7,20m hochgetrieben hat, der Höchste seit 1912. Sofort wurde der Katastrophenalarm in und um Görlitz ausgerufen und Rettungskräfte herbeigezogen, schließlich mussten mehr als 1.400 Menschen im Dreiländereck evakuiert werden. Die Opferzahlen sprechen eine deutliche Sprache: 10 Menschen haben im Hochwassergebiet ihr Leben verloren. "Es sind die schlimmsten Überschwemmungen die Görlitz seit über 100 Jahren heimgesucht haben!", vermutet Oberbürgermeister Joachim Paulick in einem Interveiw.

Die Wasserretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG gehörten zu rund 1.700 Hilfskräften, die im Überflutungsgebiet der Neiße bei Görlitz zum Einsatz kamen. Eigentlich machte sich der unterfränkische Hilfstrupp auf den Weg nach Tschechien um die Menschen dort vor den drohenden Fluten zu retten. Doch der Konvoi bestehend aus einem Hochwasserboot, dem Mannschaftstransporter aus Schonungen und dem Zugführerfahrzeug aus Würzburg stoppte unfreiwillig in der Ortschaft Ostritz, etwa zehn Kilometer südlich von Görlitz - bereits dort war die Hilfe der Unterfranken unerlässlich. Wie der stellvertretende technische Einsatzleiter Andreas Voß berichtet, habe man bereits dort das Rettungsboot zu Wasser gelassen und die Menschen aus den überschwemmten Häusern befreit. "Es war wie eine Geisterstadt: Wir fuhren mit unserem Boot auf mehrspurigen Straßen vorbei an parkenden Autos!", beschreibt Voß seine Erlebnisse. Während ihres knapp 24-stündigen Einsatzes konnten die Wasserretter insgesamt 16 Menschen aus ihren eingeschlossenen Häusern bergen. Viele Flutopfer sind bereits in die Obergeschosse ihrer Wohnhäuser geflüchtet um sich vor den drohenden Wassermassen in Sicherheit zu bringen.

Es herrschten chaotische Zustände, zumal auch das Stromnetzt für ca. 5.000 Görlitzer zusammengebrochen ist, betroffen hiervon war auch die Wasserversorgung. Wie hoch der Schaden des Hochwassers tatsächlich ist, kann noch nicht gesagt werden, da man abwarten muss bis das Hochwasser sich gesenkt hat. Seit dem späten Samstag Nachmittag, sind Polizei, Feuerwehr, DLRG und der THW im Dauereinsatz, um größere Schäden zu verhindern sowie den Bürgern in den betroffenen Gebieten zu helfen. Inzwischen bewältigen einheimische Kräfte im Raum Görlitz die Hochwasserhilfe alleine. Falls sich die Lage nicht entspannt, stellen sich die DLRG-Retter aus Schonungen und Würzburg darauf ein, noch einmal in die Hochwassergebiete zu fahren. Bereits am Sonntag Abend trafen die Rettungskräfte aus Unterfranken wieder in ihrer Heimat ein und berichteten von Ihren Erlebnissen.
Text: Stefan Rottmann
Foto: DLRG

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