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1200 Jahre Oberlauringen Führung Oberlauringen
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Mittwoch, 22. Juni 2011 |
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Am Sonntag, den 03. Juli 2011 bietet Herr Vilmar Herden wieder eine
Führung durch Oberlauringen an. Die Führung beginnt um 10.30 Uhr vor der
Kirchenburg.
Herr Vilmar Herden übernahm weiter die geschichtliche Aufarbeitung. Im
nachfolgenden Text sowie in weiteren Veröffentlichungen werden
auszugsweise Berichte aus seiner Chronik zu der 1200jährigen Geschichte
des Dorfes Oberlauringen veröffentlicht.
Beabsichtigt ist, die Gesamtarbeit gebunden zu veröffentlichen.
Bestellungen können schon heute beim Markt Stadtlauringen aufgegeben
werden.
Das Ende der Freiherrschaft und die Auflösung des Amtes Oberlauringen.
Im Jahr 1803 waren in Regensburg auf Anordnung des
Reichsdeputationshauptausschusses die ca.1800 unabhängigen
Kleinststaaten des Reichsgebiets aufgelöst worden. Auch der Fürstbischof
von Würzburg verlor seine weltliche Macht und hatte von nun an nur mehr
kirchliche Aufgaben. Für einige Jahre übernahm Max Joseph von der Pfalz
die Churfürstliche Landesdirektion Würzburg.
Eine seiner Anordnungen hat für Oberlauringen noch heute Bestand.
Am 20. April 1804, musste auf Weisung seiner Regierungszeit in Würzburg, der alte Friedhof „aufs freie Feld“ verlegt“ werden.
Der Neue Gottesacker wurde am 15. Mai 1804 anlässlich der Beerdigung von
Frau Barbara Volkmar am „Heilig Kreuz durch Pfarrer Johann Christoph
Stepf eingeweiht. Vom alten Friedhof ist nur noch eine alte Grabsteinplatte vorhanden die heute in der Südmauer der Kirche zu finden ist.
Die Inschrift lautet:
„Anno 1596, den 26. August ist in Gott verschieden Zimmermann Hannsens Söhnlein.
Der Seelen Gott Gnade und hat sein Herrlein (Großvater) Jörg Fuglein ime
diesen Stein auffgericht“. Die letzte Zeile soll heißen: „Alles ist
gering“ oder „Alles ist vergänglich“.
Am 1. Febr. 1806 ernannte Napoleon seinen Schwager, Ferdinand von
Toskana, den er zunächst aus Italien vertrieben hatte, auf Betreiben
seiner Schwester zum „Kaiserlich, königlichen Großherzog von Würzburg“.
Als Regent von Würzburg, der seinen neuen Wohnsitz in Veitshöchheim
erbauen ließ, hatte er durch seinem Landrichter Jos. Alois Stecher aus
Hofheim vernommen. „dass der großherzogliche Vasall Freiherr Carl
August Truchseß von Wetzhausen, Herr auf Oberlauringen in Schweinfurt
zum Tod danieder liegen würde und somit alle Lehen aus Oberlauringen
wieder an Würzburg fallen würden.
Darauf erteilte er schleunigst, schon am 22. August 1811, den Befehl
an Notar Georg Joseph Roßhirt und die Zeugen J. Raab und G. Bauer sie
mögen sich alsbald nach Oberlauringen begeben. Zu ihren Schutz stellte
er zwei Chevauxleger und sechs Infanteristen ab damit niemand anders
Besitz ergreife.
Am 25.August 1811 vormittags halb 8 Uhr traf die Todesnachricht ein
Unverzüglich begab er sich der Besitzergreifungs-commissär, dem
Landrichter Stecher und den beiden Zeugen in den Schlosshof.
Dort verkündete der Commissär den wirklichen Tod des großherzoglichen
Vasallen Carl August Freiherr von Truchseß von Oberlauringen.
So dann hieb er aus dem rechten Flügel der Schlosspforte einen Span und
erklärte dabei deutlich, dass er von allem was Mannlehen im Schlosse und
seiner Umgebung sei, für seine Kaiserlich Königliche Hoheit dem
Großherzog Ferdinand zu Würzburg Besitz nehme.
Hierauf begab er sich mit seiner Begleitung in den Schlossgarten, wo er
Früchte von den Bäumen nahm, Zweige von den Hecken riss, Gemüsesträucher
und Erdschollen zu sich nahm und dabei feierlich erklärte, dass er
hierdurch Besitz von allen Würzburgischen Mannlehen im Garten und Feld
nahm.
Anschließende begab sich der Bevollmächtigte in das unweit vom Schloss
gelegene Amtshaus, wo er den Tod des Freiherrn Carl August von Truchseß
dem gegenwärtigen Amtmann Eyring und AmtsSkribenten Fritz, dann den
anwesenden Gerichtsbedienteten verkündete und den selben für seine
Kaiserlich Königliche Hoheit den Erzherzog Ferdinand Pflichten abnahm
und hierbei erklärte, dass er dadurch Besitz von der Jurisdiktion des
Ortes Oberlauringen mit der Herrschaft der Flurmarkung, für den
allerhöchsten Vollmachtgeber ergreife und ergriffen haben wolle.
Der Commissär nahm noch Besitz von den Sachsen-Hilburghäusischen
Lehenshäusern und verpflichtete im Schloss den Jäger K. Hellmuth und den
Gärtner K. Beck.
Er verpflichtete auch den vorgeladenen und erschienenen Judenschultheiß
Isak Hirsch und den jüdischen Schullehrer Markus Löb auf den neuen
Herren.
Diese Informationen sind für die Geschichtsschreibung über Oberlauringen
von eminenter Bedeutung. So werden darin die Aufgaben und die
Angestellten des Amtes Oberlauringen benannt.
Der erste namentlich bekannte Rittersecretär war 1649 Johann Geißler.
Im Bericht über die Übernahme nach Würzburg erfährt man dass es neben
dem Amtmann noch weitere Gerichtsbedienstete und einen Amtsskribenten
gab und Häuser von Hildburghausen weisen auf die enge Verbindung zum
heutigen Thüringen hin, während Stadtlauringen anders als Oberlauringen
immer zu Würzburg gehörte.
Oberlauringen hatte ein Schloss mit einer Adelsfamilie, ein Amt, einen
Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer. Es gab einen eigenen Judenschultheiß
und einen Judenlehrer. Es gab neben dem Bader Firnekäs den wir von
Friederich Rückert kennen, Ritterboten, Kutscher, Zofen und Konditoren,
Jäger und Gärtner und weitere Berufe die er in seinen Gedichten
beschreibt.
Durch Ferdinand von der Toskana (im Volksmund „Ferdinand ohne Land“
beginnt in Würzburg und Veitshöchheim eine rege Bautätigkeit. Heute
genießen wir besonders den schönen Barockgärten.
Auch Oberlauringen profitiert von der Neuorganisation von Würzburg. Die alte Schule wird renoviert.
Lehrer Heimstätt schreibt dazu: „Zur Kirche gehörte die Schule“.
Das erste Schulhaus von 1579 welches zugleich Mesnerwohnung gewesen war
und massiv aus Steinen erbaut war, war baufällig geworden.
Es wurde zwischen 1810 - 1812 an gleicher Stelle völlig neu erbaut und am 2. November 1812 eingeweiht“.
Über den Bau und die Einweihung liegt dieser ausführliche Bericht vor:
„Nachdem die alte Schule – sie war ganz massiv von Steinen erbaut Anno
1579 – hiesigen Orts baufällig geworden war, so wurde von den
Ortsvorgestzten 1810 beschlossen eine neue Schule zu erbauen.
Landbaumeister Büttner von Königshofen fertigte den Plan nach den
Landesgesetzen und den Kostenvoranschlag. Dieser wurde am 16.9.1811 von
der Regierung in Würzburg genehmigt.
Die Gemeinde verwilligte dazu zum Besten ihrer Kirche das Holz und dazu
ein großes neues Gebäude, das unbenutzt auf dem Kaulhügel stand, dann
667 fl. 42 kr (= 667 Gulden 42 Kreuzer) rheinisch an Geld. Die Kirche
gab 200 fl.
Im August 1811 wurde mit dem Niederreißen des alten Schulgebäudes
begonnen. Sogleich wurde der Grund zum neuen Haus auf der Stelle des
alten angelegt. Die Gemeindeglieder leisteten die vielen beschwerlich
Handgriff zur Fron.
Und so geschah es unter Gottes Beistand, dass das neue Schulgebäude im
Jahr 1812 vollendet und am 2. November 1812 eingeweiht wurde.
Der Herr Beamte, Pfarrer, Schultheiß und sämtliche Gerichtspersonen
gegaben sich aus dem Pfarrhaus früh in die neue Schule, wo sich die
Schulkinder, sämtlich an der Zahl 86, in ihrem Putze, die Mädchen mit
Kränzen, versammelt hatten. Es wurde ein Gebet gesprochen, dann ein Lied
gesungen und in die Kirche gezogen. Hier wurde nach gehaltenem Hochamt
und Musik die Einweihungspredigt gehalten. Text: Esra 3 Kap. 11/12 über
den Wert der Schulen und dann der Gottesdienst mit dem Lied: Nun danket
alle Gott“ geschlossen.
Dann wurde mit Musik zur Schule gezogen, vor der Tür ein Kreis gebildet
und der Schultheiß Georg Weisensee, welcher den Schlüssel der Schule vom
hiesigen Großherzoglichen Justizbeamten, Herrn Christian Burkhard
Eyring empfing und übergab denselben im Namen der Gemeinde der Herrn
Schullehrer Johann Adam Hellmuth, worauf dann jedes Kind nach gehaltenem
Glückwunsch ein Weck erhielt.
Gott sei gelobt, dass dieses große Werk ohne Unglück ohne Zank und
Streit abgegangen ist. Er lasse diese Schule lange stehen zum Segen und
Flor unserer Kinder und Nachkommen.“
Anmerkung von Herrn Lehrer Heimstätt:
Der heutige Landjugendraum, einst Schulzimmer, war bis 1812 ein Viehstall für 4 – 5 Kühe.
Der Lehrer war wie damals oft üblich gleichzeitig Bauer. Über die armen
Dorfschulmeister singen wir noch heute das Lied „vom armen
Dorfschulmeisterlein“.
Die Säkularisation in Bildhausen
Schlimmer ergeht es dem Kloster Bildhausen, durch Napoleon säkularisiert
wurde die Kirche geplündert und als Steinbruch benutzt, die 27 Altäre
der Klosterkirche werden von umliegenden Dorfkirchen gekauft, die
schönen Tore findet man jetzt vor Häusern in Salz oder Herrschfeld. Die
immensen Kunstschätze des Klosters wurden verramscht, geschnitzte
Figuren oder Bilder findet man heute in großen Museen auf der ganzen
Welt.
Der Wiener Kongress
Auf dem Wiener Kongress zwischen dem 18. September 1814 und dem 9. Juni
1815 beschließen unter der Leitung des österreichischen Außenministers
Fürst von Metternich und Vertretern von 200 europäischen Staaten die
Neuverteilung Europas. Es wurde ein loser „Deutscher Bund“ beschlossen.
Franken kommt zu Bayern und Ferdinand III von der Toskana tauscht sein
Großherzogtum gegen andere Besitzungen. So kommt auch Würzburg und das
Amt Oberlauringen endgültig zu Bayern.
Zu dieser Zeit hatte Oberlauringen 501 Protestanten, 27 Katholiken und
143 Juden. Von 1811 – 1819 war Christian Eyring der letzte Amtmann
Oberlauringens das zum Schluss nur noch als Justizamt fungiere hatte.
Am 9. Januar 1819 transportierte Amtmann Eyring die Amtsregistratur nach
Hofheim. Er selber wurde danach als Kreis –und Stadtgerichtsrat nach
Schweinfurt versetzt. Alle Unterlagen des Amtes verbrennen im 2.
Weltkrieg.
Text: Vilmar Herden
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