Leben und Arbeiten unter den Truchsessen von Wetzhausen.
Die Herren von reichsunmittelbaren Territorien nannten sich „Freiherren“ unterstanden nur dem Kaiser, und wurden im 17. und 18. Jahrhundert mit der Anrede „Wohlgeboren“ oder Hochwohlgeboren oder ortsüblich als Baron angesprochen. Neben der Organisation und Versorgung ihrer Bevölkerung waren sie mit dem Eintreiben der „Charitativ Subsidien“, im Volksmund „Kriegssteuer“ für den Kaiser beauftragt.
Mit der Geburt des Reichsfreiherrn Carl August Truchseß von Wetzhausen,
Herr auf Oberlauringen, Altenmünster, Obereßfeld, Schweikershausen p.
Herzoglich Sachsen Hildburghausen, Hofrat und Cammer – Kunker ,geboren
am 9. Oktober 1761 zu Oberlauringen kommt es zum letzten großen
Höhepunkt dieses Geschlechts.
Der Eintrag im Taufregister zeigt die Bedeutung und lautet:
„Den 9. 8. tr. (= 9. 10.1761 abends um 6 Uhr hat der gütige Gott unserer
Gnädigen Herrschaft ? hochwohlgeborenen Herrn Christian Lebrecht
Freyherrn Truchseß von Wetzhausen derer Frau Gemahlin Gnädiger Frau
Auguste Henriette geborene von Roeder abermahl mit einem jungen Herrn
gesegnet, welcher den 11ten darauf, war 21te Sonntag nach Trinitatis,
nach der Vormittagspredigt und gehaltenen kurzen Taufrede dem
Gnadenbunde Gottes einverleibt und mit dem Namen Carl August in das Buch
des Lebens eingeschrieben worden. Gevatter waren gegenwärtig:
1. Herr Christian Gottlob, Freyherr Truchseß von und zu Wetzhausen
2. Frau Wilhelmine verwitwete Truchseß von Wetzhausen zu Bundorf, geborene von Schaumberg ?
3. Ihre Durchlaucht Herzog Ernst Friedrich Carl zu Hildburghausen
4. Herr Geheimer Rath von Fischberg
5. Herr General von Bruchling
6. Herr General von Phul
7. Herr Oberstallmeister von Roeder
8. Herr von Mauderd ?
Es waren bedeutende Persönlichkeiten die sich bei dieser
Taufgesellschaft trafen. So erinnerte die Hochzeit des bayrischen Königs
Ludwig I. mit des Herzog von Hildburghausen Tochter Therese noch 200
Jahre später, 2010 mit der Jubiläumswiese des Oktoberfestes in München
an dieses Ereignis.
In Hildburghausen zog der Herzog Einnahmen aus der Webkunst der Hugenotten. Ihre Kirche finden wir noch heute in der Stadtbild.
In Oberlauringen siedelte Carl August dagegen Juden an und vermehrter
aus ihrem Handel mit optischen Geräten sein Geld. das war wesentlich
ertragreicher als seine Einkünfte aus Landwirtschaft, Weinbau und seinen
Steinbrüchen.
Heute könnte man Carl August Truchseß von Wetzhausen, Herr auf
Oberlauringen, als Pionier der Industrieansiedlung ansehen. Er erbaute
für die angeworbenen Juden ein eigenes Dorfviertel mit zwei Straßenzügen
die heute noch bestehenden Judengassen aber auch die Straße die heute
Friedrich Rückert Straße heißt und vom Gasthof Schwarzen Adler bis zum
Gasthof Brändlein führt. In ihr der befanden sich die wichtigen Häuser
wie die Judenschule, die Matzenbäckerei, die koschere Metzgerei, mehrer
Geschäfte die Synagoge und das Rabbinerhaus.
Carl August lebte als aufgeklärte Regent, wie seine Vorbilder in
Hildburghausen oder Weimar. Er wohnte, wie diese, lieber in seinem
Gartenhaus auf dem Burgrangen, statt im Schloss das von Bauernhäusern
und Ställen umgeben war. Er legte einen englischen Garten an und anstatt
Obstbäume zu pflanzen suchte er nach ausländischen Bäumen.
Carl August Truchseß von Wetzhausen, Herr auf Oberlauringen der
Arbeitgeber des Vaters regierte wie ein kleiner Sonnenkönig. Friedrich
Rückert beklagt das er .„Bälle für Judenmädchen“ veranstaltete und, dass
er dazu Musiker aus Schweinfurt oder Meiningen kommen lassen musste.
Die Musikausübung wurde in strengen Zunftbestimmungen geregelt.
Anstößig ist auch das Carl August Pfänderspiele mit den Dorfmädchen
machte und einen Konditor im Dorf ansiedelte durch den die
Bauernburschen ihre Mädchen mit süßen Köstlichkeiten verführen konnten.
Er war dick und ließ sich vom Bader mit Blutegeln behandeln und frönte
wie seine Vorbilder in Weimar der Jagd.
Pfarrer Stepf berichtet über das Leben in Oberlauringen und seinen
Herrn. dessen Liebe zu Hunden und der schlechten Bezahlung seiner
Angestellten.
Ohne die Ersparnisse der Großmutter wäre Amtmann Adam Rückert verhungert, so beschwert sich dieser in Würzburg.
Im topographischen Lexikon von Franken von 1805 heißt es dazu:
Schönes Schloss mit englischen Garten und weiter zur Landschaft: “ Bei
der Bettenburg geht der eigentliche Haßberg an. Er ist auch mit Laub-
und Nadelholz bewachsen und geht fast in gleicher Höhe bis nach
Oberlauringen fort, von wo aus sich der Bergrücken wieder senkt, und so,
wie es sich dem Grabfeld hinauswendet, der kleine Haßberg genannt wird.
Auch in dieser Gegend ist der Fuß des Berges mit Weinreben und
Obstbäumen bepflanzt, vornehmlich trifft man an demselbigen bey Nassach
die schönsten Weichselberge an, deren Ertrag ansehnlich ist. Alle diese
Berge, von der Hawanne (Hohe Wanne) bey Zeil an bis nach Oberlauringen,
Oberlauringen war also ein typisches Häckerdorf und lebte lange Zeit vom
Weinbau, wie es die Keller an der Hüll heute noch zeigen, der letzte
Wein wurde 1900 verkauft , man lebte von der Landwirtschaft, vom
Viehhandel und vom Obstanbau. Jährlich wurden 8 Viehmärkte abgehalten.
Ein weiterer Erwerbszweig war der Abbau und die Weiterverarbeitung von
Steinen und Sanden, ob als grobes Baumaterial zum Bau der Häuser oder
als feinen Sand der als Wasch und Reinigungsmittel verwendet wurde..
Eine alte Inschrift am Sandsteinbruch in Oberlauringen zeigt, dass
mehrere Orte aus der Umgebung ihre Sandsteine am Tieftalsee gebrochen
haben, wie Stadtlauringen, Mailes oder Theinfeld.
Gips wurde noch bis 1950 in der Däublesmühle Oberlauringen gemahlen und
als Dünger verkauft, um die Wasserhaltigkeit des Bodens zu verbessern.
Über die Kombination von Stein und Wein in Unterfranken dichtet Friedrich Rückert als Student in Würzburg.
Er schrieb ein kleines Gedicht an die Wand der Juliusspitalgaststätten,
einem Lokal das er als Student gerne aufsuchte folgenden Zeilen und das
von einem späteren Studenten Dr. Hermann Leupold Bavariae Erlangen
festgehalten wurde.
„Wein ist“
Der Glättsein des Trübsinns,
der Wetzstein des Stumpfsinns,
der Brettstein des Siegers im Schach.
Ja, Wein ist der Meister
Der Menschen und Geister,
der Feige macht dreister
und stärker, was schwach.
Der Krankes gesund macht,
Blaßwangiges bunt macht,
Verborgenes kund macht
Und Morgen aus Nacht.
Das Schloss selber war mit seinen Herren und Bediensteten, Kutschern,
Jägern, Gärtnern und Zofen der bedeutendste Wirtschaftsfaktor. Von der
Herrschaft lebte der Bader als Gesundheitshelfer mit seinem
Kräutergarten,die Schuhmacher, Schneider, Wagner, Schmiede und Musiker.
Neben der Organisation und Versorgung ihrer Bevölkerung waren die
Freiherren mit dem Eintreiben der „Charitativ Subsidien“, im Volksmund
„Kriegssteuer“ für den Kaiser beauftragt. Da der Ort an der
Schnittstelle dreier Kantone lag war Carl August von Truchseß,
vielleicht auch weil der Vater noch Ritterhauptmann war und so
Oberlauringen verpflichtet war diese Aufgabe wahrzunehmen bzw. durch
seinen Amtmann Adam Rückert durchzusetzen zu lassen.
Für Oberlauringen beschreibt Friedrich Rückert, Sohn des Amtmannes diese
Aufgabe und dichtet über die anstrengende Arbeit des Ritterboten
Steigmeier.:
„Der Ritterbote Steigemeier
Hat auch am Feiertag nicht Feier
Stets hat er umzusteigen
In drei verschiedenen Cantonen,
wo die verschiednen Ritter wohnen,
abwechselnd sich zu zeigen,
in dem Cantone Steigerwald,
in dem von Rhön und Werre
und Baunach heißt der dritte.
Bald ist er hüben, drüben bald;
Weil unser gnäd´ger Herre
Hier wohnet recht in aller dreien Mitte.
Wer weiß, was ewig zu beschicken
Die Ritter haben, und zu flicken
Am heil´gen röm´schen Reiche,
von dem sie sind ein Abenteuer;
wir zahlen unsre Rittersteuer
und dulden unsre Streiche.
In´s Land als der Franzose kam,
wir dachten, unser Ritter,
die Feinde würd er spießen ;
Wir sahen , wie er Reißaus nahm
Und ließ ein Ungewitter
Sich über Schulzen und Gemeind´ ergießen.
Doch Ritterbot Steigmeier stöhnet:
Ans Steigen bin ich wohl gewöhnet,
doch mürb macht’s auf die Dauer.
Ich möchte wohl die Kunst gewinnen,
von meinen beiden Nachbarinnen,
wies ihnen wird nicht sauer,
zu reisen in der Walpurgisnacht,
bis auf des Blockbergs Schanze, soweit ich nie gewesen:
und morgens, eh wir aufgewacht,
sind sie zurück vom Tanze,
und werfen mir vor meine Tür die Besen.
Aber auch die Arbeit in der Landwirtschaft war in dieser trockenen
Gegend (Jahresdurchschnitt Niederschlag nur 560 Liter pro qm.) nicht
einfach.
Aus einem Aufsatz über die Landwirtschaft in Oberlauringen zitiere ich:
Die Bauern waren „Fränkische Bauern“ d. h. sie bauten in ihrem Hof und
auf dem Feld alles an, der eine mehr, der andere weniger. Sie hatten
Pferde, Rindvieh (Kühe, Ochsen, Kälber), Schweine, Ziegen, Schafe,
soweit sie das alte Recht der Schafhaltens besaßen. Hühner, Gänse,
Enten, Tauben und vielfach auch Bienen. Auf ihren Feldern bauten sie
Wintergerste, Korn = Roggen, Weizen, Gemang = ein Gemisch von Korn und
Weizen, Wintergerste, Sommergetreide: Gerste, Hafer, dann Futter wie
Monatsklee = Luzerne, Doldenklee = Rotklee, manchmal aus Esparsette =
gutes Pferdefutter, dann Kartoffeln, Futterrüben, Gemüse, Erbsen, Linsen
und den Hopfen in kleinen Mengen zum Bierbrauen.
Die Felder, Wiesen und Wälder der Flurgemarkung breiteten sich rings um
das Dorf aus. . Sie grenzen im Süden an die Flur Stadtlauringen, im
Osten an die Flur von Mailes und Birnfeld, im Norden an den Rothof und
im Westen an die Flur von Theinfeld. Die Flur war in vier Teile geteilt.
Im nördlichen Teil und dem obere Tieftal wurden anders angebaut wie in
Westen, Süden und Osten. Die Reihenfolge des Anbaus war folgte der
Dreifelderwirtschaft.:
1. Gewann: Süden 2. Gewann: Osten 3: Gewann Westen
1.Jahr Brache Wintergetreide Sommergetreide
2.Jahr Wintergetreide Sommergetreide Brache