|
Auszüge aus der Chronik von Vilmar Herden zu der 1200jährigen Geschichte des Dorfes Oberlauringen.
Reformation, Bauernkrieg, Gegenreformation in Oberlauringen.
Ausgelöst vom Gedankengut des Humanismus gärte es in der gesamten Bevölkerung. Die Gläubigen zwischen den Haßbergen und der Werra versuchten durch Wallfahrten nach Vierzehnheiligen und Grimmenthal besondere Gnadenmittel und Ablass von ihren Sünden zu erhalten.
Es bildeten sich eigene „Laienbruderschaften“ heraus die bald ein Eigenleben führten.
Viele Ritterfamilien sympathisierten mit der neuen Lehre Luthers. Sie
traten, teils aus Überzeugung, teils in der Hoffnung vom Fürstbischof in
Würzburg unabhängiger zu werden, der Reformation bei.
Die Reformation begann in Oberlauringen früh. Verwandtschaftliche
Beziehungen zur Familie Martin Luthers im nahen Bad Neustadt, waren
wahrscheinlich in der Bevölkerung bekannt, denn Luthers Mutter Margarete
Lindemann und seine Brüder stammten aus diesem Ort.
Der Bauernaufstand.
In der ersten Aprilwoche des Jahres 1525 wurde, das fränkische Oberland
wie diese Gegend zwischen Main und Thüringerwald genannt wurde, von
Bauernunruhen erfasst. Besonders gegen Adelige und Klöster wurde
opponiert .
„Am 9. April 1525 saßen“, so heißt es nach einem Bericht des
Münnerstädter Amtskellers Georg Ringer an den Bischof von Würzburg:
„etliche Bauern beim Wein zusammen“. Dabei wurde der Beschluss gefasst
das „Kloster Bildhausen zu überfallen“ und „das unterst zu oberst zu
wenden“.
Die Münnerstädter Rebellen erhielten schnell Zulauf. Sie besetzten das
Augustinerkloster, das Deutschordenshaus und den Bildhäuserhof in
Münnerstadt und machten sich auf den Weg nach Bildhausen.
In der Zwischenzeit hatte man von Neustadt aus versucht das Kloster zu
warnen. „Man solle auf keinen Fall das Tor öffnen“ riet man ihnen, doch
die Boten kamen zu spät. 150 Soldaten, die der Graf von der Wildburg zum
Schutz des Klosters losgeschickt hatte, waren in der Zwischenzeit dort
eingetroffen wussten aber offensichtlich nicht warum und so hatten sie
den Bauernhaufen durch die geöffneten Tore einmarschieren lassen. Danach
machten die Münnerstädter Bauern und die Wildberger Soldaten gemeinsame
Sache. Der Abt des Klosters von Bildhausen und ein Großteil seines
Konvents flohen am gleichen Tag nach Königshofen.
Der Bildhäuser Bauernhaufen erhielt großen Zulauf aus den Dörfern des Umlandes und auch besonders aus Oberlauringen.
Angesichts dieser schwierigen Lage rief man in Neustadt erneut einen
Rat zusammen, der am Karfreitag dem 14. 4 .1525 mit den oberländischen
Städten zu dem je zwei Vertreter aus Münnerstadt, Königshofen,
Mellrichstadt, Fladungen und Bischofsheim gebeten worden waren, eine
Lösung finden sollte. Das Ergebnis war „man wolle auf eine Entscheidung
aus Würzburg warten“.
Neustadt fühlte sich jedoch vom Bauernlager „merklich bedroht“. Am
Samstag nach Ostern 22.4.1525 versammelten sich daher in Neustadt
weitere Vertreter der Städte Meiningen, Königshofen, Mellrichstadt,
Haßfurt, Stadtlauringen, Kissingen, der Ämter Ebenhausen und Trimberg,
sowie des Bauernlagers Bildhausen. Sie sollten am angesetzten Tag in
Neustadt eine Lösung dieser schwierigen Lage treffen und wollten die
gemeinsame Haltung beraten.
Der Ochsenfurter Bauernhaufe forderte die Versammelten auf, sich mit
ihnen in den Dienst der gemeinsamen Sache zu stellen. Es fiel immer noch
keine Entscheidung.
Der Fürstbischof spielte auf Zeit. Er gab sich verhandlungsbereit und
rief einen Landtag ein. Bis zum Landtag war eine Art Waffenstillstand
vereinbart worden. In der Zwischenzeit hatte sich der Bauernhaufe zu
Bildhausen außerhalb des Klosters organisiert – mit Hauptleuten,
Fähnrichen, Feldwebeln und auch einen Pfarrverweser eingesetzt.
Schließlich nahmen die Bauern sogar Adlige, wie z.B. die „Voite von der
Salzburg“ in ihre Gemeinschaft auf.
In den folgenden Tagen überwältigten die Bildhäuser die hennebergischen
Bauern von Mainberg, Forst, Gädheim und Schonungen, diese hatten weiter
zu ihrer Herrschaft gehalten. Sie nahmen 104 Männer von ihnen gefangen
und zerstörten das Schloss Mainberg.
Danach zogen sie den Main hinauf in die Haßberge. Sie zerstörten die
Burgen Zabelstein, die Walburg bei Eltmann, Schloss Rentweinsdorf, das
Wasserschloss der Truchsesse von Wetzhausen, die verhasste Wildburg und
die Hutburg, den Stammsitz der verhassten Henneberger. Man hatte sie
dort freiwillig in die Burg herein gelassen, um mit ihnen um den Frieden
zu verhandeln, doch als sie in der Burg waren „änderte der Haufe seine
Meinung und zerstörte die Burg“.
Am 15.5.1525 erreichte den Bildhäuser Haufen die Nachricht von der
Niederlage des thüringischen Bauernhaufens bei „Frankenhausen“ durch
Landgraf Philipp von Hessen und Graf Wilhelm von Henneberg der Linie der
Henneberger die damals schon in Schleusingen wohnte. Die Meldung traf
den Bildhäuserhaufen wie ein Schock und veranlasste ihn, zunächst zum
Schutze des Oberlandes, schnell nach Königshofen und Mellrichstadt
aufzubrechen.
Am 3. Juni brach der mehrere tausend Mann starke Bauernhaufen von
Mellrichstadt nach Meiningen. Schon bei Dreißigacker gerieten sie unter
heftigen Artilleriebeschuss, der mit sächsischen Kräften verstärkten
Kampftruppen des Grafen Wilhelm von Henneberg. Die Bauern mussten
fliehen und zerstreuten sich. Der Bauernkrieg war verloren und es folgte
ein schreckliches Ende.
Die Blutige Rache des Bischofs.
Mit 500 Reitern und sieben Scharfrichtern begann wenig später
Fürstbischof Konrad von Thüngen seinen Rachezug durch das Hochstift und
hielt blutiges Gericht.
In Neustadt fielen 14 Häupter, darunter der Bürgermeister und seine
Ratsherren. ( Wer einmal Gelegenheit hat den Segelflugplatz in Bad
Neustadt aufzusuchen findet hier ein schönes Denkmal an der Stelle wo
einst der Galgen stand. In Münnerstadt und Lauringen hatte bereits Graf
Wilhelm von Henneberg 25 Mann hingerichtet und der Würzburger
Fürstbischof verurteilte nochmals 12 weitere zum Tode.
Der Bischof und der Landadel handelten nach der Niederwerfung des
Bauernaufstandes eine Vereinbarung aus, wie für den angerichteten
Schaden Ersatz zu leisten sei.
Jeder Hausbesitzer ob arm oder reich, Mann oder Frau, musste für seine
Person 8 ½ fl auf drei Ziele (Raten) bezahlen, davon 3 fl dem
Domkapitel, 2 fl der Ritterschaft und 2 fl für die Landschaft.
Zusätzlich verlangte er von jeder Stadt und jedem Flecken eine
Aufruhrsteuer die auf Güter drei Jahre lang zu entrichten war. Ein
kleiner Ritter aus Königshofen, schildert einem Verwandten in einem
späteren Bericht, „wie die dummen Bauern“, ihn jetzt zu einem schönen
neuen Besitz geholfen haben“.
Luthers Verurteilung der Bauernaufstände verunsicherte die gesamte Bevölkerung.
Die Klosterchronik von Bildhausen beklagte die Zeit der Jahre 1542 – 44
als eine „unglückliche Zeit“. In zahlreichen Pfarreien gab es keine
Priester mehr. Im Karmeliterkloster in Neustadt gab es nur noch einen
einzigen Mönch.
Viele Freie Reichs Städte und Ritterbezirke hatten die Reformation
angenommen. Schweinfurt führte 1542 die Reformation ein, Henneberg
folgte 1543.
„Oberlauringen hatte schon von 1549 bis 1574 einen, der „Augsburgschen
Konfession“ verwandter Prediger „der dort selbst bis zu seinem Tod
gewesen“ sei heißt es in einem Bericht.
Der Vogt des Amtes Wildberg, Johann Boxberger, der dort den Fürstbischof
von Würzburg vertrat, bestätigt aus dem Amt, das nun am Fuß des Berges
in einem Schloss am Lindleshof stand, die Einführung der Reformation in
Oberlauringen. Die Bezahlung des evangelischen Praedikanten erfolgte
durch die Frauen derer von Hutten zu Birkenfeld aus Oberlauringen, die
Bezahlung der Schule und deren Lehrer wurden durch die Herren von Hutten
gewährleistet.
Ein Chronist berichtet:
„Trotz des unermüdlichen Kampfes gegen die neue Lehre war dem Hochstift
Würzburg, unter Fürstbischof Konrad von Thüngen, kein rechter Erfolg
beschieden. Manche vermuteten gar er liebäugelte selber mit der neuen
Lehre. Er verschob jedenfalls die von ihm geforderte Gelübde für das
geistige Amt immer wieder und starb ohne sie abgelegt zu haben.
Die Gegenreformation.
Ab Herbst 1586 setzt Fürstbischof Julius Echter mit Gewalt die
Gegenreformation durch. Als Landesherr kann er nun die Religion
bestimmen. Wer nicht zur katholischen Lehre zurückkehrte, musste
innerhalb einer bestimmten Frist Stadt und Land verlassen, sein Vermögen
verkaufen und vom Erlös 2 % Steuern vom hinweggeführten Vermögenswert,
an die Staatskasse bezahlen.
Aus dem Grabfeld zogen viele Familien in die nahen protestantischen
Orte, nach Meiningen, nach Ostheim, nach Hildburghausen und Schweinfurt.
Aus Neustadt wurden von 450 Personen 90 ausgewiesen, in Lebenhan
wurden von 38 Familien, alle 38 darunter zwei Adelsfamilien ausgewiesen.
Auch Münnerstadt verlor 400 seiner Bürger und selbst der Bürgermeister
wanderte nach Schweinfurt aus.
Die gewaltsame Rekatholisierung von Oberlauringen.
Oberlauringen war protestantisch und wollte es bleiben. Es wurde
zunächst wieder mit Gewalt katholisch gemacht. Hierüber berichtet eine
Chronik der Stadt Schweinfurt von 1817 auf Seite 378 und folgenden,
dort heißt es:
„Zu Oberlauringen, damals dem Herrn v. Hutten zugehörig, wurde am
Sonntag Exaudi (Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten) durch den
Keller (=bischöflicher Vogt) von Stadtlauringen Friedrich Dümmler mit
300 Mann Ausschuss ein katholischer Pfarrer eingesetzt und die Leute mit
Gefängnis und anderen Zwangsmitteln zum Abfall vom protestantischen
Glauben genötigt. Als neuer Pfarrer wurde Laurentinus Stützing
eingesetzt.“
Nach Würzburg wird gemeldet, dass die Unkatholischen zum Gehorsam in
Religion und geistlichen Sachen angehalten wurden. Am 31.12.1631 meldet
Amtskeller Dümmler von Stadtlauringen, dass die Unkatholischen in
Oberlauringen und Altenmünster wieder katholisch seien.
Das Eingreifen Gustav Adolfs Armee und seine Folgen!
6 Monate später musste der katholische Pfarrer Kunckel aus Oberlauringen vor den Schweden wieder fliehen.
Gustav Adolf hatte am 1.9.1631 bei Leipzig General Tilly geschlagen und
„Letzterer hatte eine große Niederlage erlitten“. Die Schweden rückten
daraufhin in schnellen Schritten nach Franken vor. Am 29 September 1631
hatten sie die Festungsstadt Königshofen erreicht und belagerten sie.
Bereits am 30.9 ergab sich Königshofen mit Accord.
„Die Merkershäuser wagten es, sich gegen die Schweden zu wehren; sie
wurden jedoch übermannt, viele niedergehauen und ihr Dorf ging in
Flammen auf“.
Auf dem Zug von Königshofen nach Madenhausen-Schweinfurt hat damals
Gustav Adolf sicher auch Oberlauringen passiert. Die alte Straße führte
die schwedische Armee durchs Tannig abwärts, an der Kirche vorbei,
durchs Lauertal nach Stadtlauringen.
Von einem Widerstand der Oberlauringer wurde nichts berichtet. Daraus
ist zu schließen, dass der kath. Pfarrer hier nicht ernst genommen
wurde. Man fühlte sich auf der Seite der Schweden. Zum Schutz der
Bevölkerung von Oberlauringen vor Feinden wurden drei schwedische
Soldaten von der Festung Königshofen abgestellt.
Die Freie Reichsstadt Schweinfurt blieb evangelisch und sollte, nach Gustav Adolf Plänen, die neue deutsche Hauptstadt werden.
Bestellungen können beim Markt Stadtlauringen aufgegeben
werden.
|