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Dorfbrunnen in Üchtelhausen
Eine große Rolle spielen für mich die Dorfbrunnen, und ich lege die Kopie des offenbar einzig existierenden Bildes vom „Mittleren Brunnen“ in Üchtelhausen, aufgenommen von meinem Vater Edmund Neugebauer.
Das Bild zeigt, wie gesagt, den größten Brunnen Üchtelhausens, den sog. „Mittleren Brunnen“, der leider im Zuge der „Modernisierung“ verschwunden ist, und auf dem Platz in der Mitte des Dorfes eine große Leere hinterlassen hat. Der Brunnen war so etwas wie der Mittelpunkt des Dorfes, um einiges höher gelegen als der unterhalb vorbeiführende Weg zum Rathaus (auf dem Bild im Hintergrund zu sehen), und bildete mit den ihn im weiten Oval umgebenden Gebäuden eine harmonische Einheit. Er dürfte für die meisten Bauern des Dorfes als Viehtränke gedient haben, und morgens und abends, wenn die Kühe von allen Seiten zum Trinken auf den Brunnen zuströmten und die Pferde zum Tränken geführt wurden, herrschte um den Brunnen herum reges dörfliches Leben, das an den Sonntagen auch Ausflügler aus der Stadt in seinen Bann zog. Es gab noch zwei weitere Dorfbrunnen, und auch deren Standorte empfand ich als ausgesprochen harmonisch, um nicht zu sagen „idyllisch“.
Der „Obere Brunnen“, an dem mich täglich mein Schulweg
vorbeiführte, befand sich in der Nähe der Kirche. Die kleine, z.T. noch
mittelalterliche Kirche stand auf einem freien Platz, der links von
einem Garten und dem dahinter stehenden „Alten Schulhaus“ und rechts
von einer niedrigen Mauer begrenzt war. Und davor, und zwar direkt vor
dem kleinen Dorfladen, „Kaufmann“ genannt, im Schatten eines mächtigen
Baumes, befand sich der Brunnen. Und wenn man den steilen Weg vom
Rathaus aus hoch kam und gerade die Pferde der „Börchern“ am Brunnen
standen und man gleichzeitig den Garten der „Brunon“ und das grünüber -
wucherte alte Gemeinde-Fachwerkhäuschen im Blick hatte, war das ein
Bild wie aus einem Bilderbuch.
Ebenso harmonisch
fügte sich auch der „Untere Brunnen“ in seine Umgebung ein. Auch er
stand auf einem weiten Platz neben der „Wäit“ genannten Pferdeschwemme
direkt vor einer Reihe hoher Pappeln, die in dem kleinen fränkischen
Dorf völlig ungewöhnlich, schon beinahe exotisch, wirkten. Ich denke,
ich empfand die Brunnen in ihrer Umgebung deshalb als so harmonisch,
weil es eine gewachsene Einheit war, und sich alles im „richtigen“
Verhältnis zueinander befand.
Die Brunnen waren ja
absolut lebensnotwendig für das Dorf und aus rein praktischen Gründen
an bestimmten Stellen errichtet worden, und hatten trotzdem wesentlich
zur Verschönerung des Dorfbildes beigetragen, - was wieder einmal die
alte These bestätigt, daß das, was wirklich praktisch ist, auch schön
ist. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Leben auf
dem Dorf war kein Idyll! - Allein schon die tägliche
Wasserschlepperei....! Aber trotzdem.......!
Text und Foto: Erika Holtmann, geb. Neugebauer
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