Herr Vilmar Herden übernahm die geschichtliche Aufarbeitung. Im
nachfolgenden Text sowie in weiteren Veröffentlichungen werden
auszugsweise Berichte aus seiner Chronik zu der 1200jährigen Geschichte
des Dorfes Oberlauringen veröffentlicht.
Beabsichtigt ist, die Gesamtarbeit gebunden zu veröffentlichen.
Bestellungen können schon heute beim Markt Stadtlauringen aufgegeben
werden.
Leicht lässt der Herr die Häuser sein
Und sie nicht stark verkitten,
dass sie nicht, wenn sie fallen ein
die Leute hart verschütten;
und durch das Dach scheint Sonn und Mond damit sie fein
gleich dienen statt der Lauberhütten.
Wenn unser Herr nun spielen will,
lässt er ein Jüdlein rupfen.
Der Pfarr hat sich mit der Postill´
Entschuldigt und den Schnupfen;
Und auch der Amtmann, der geduldig lang hielt still,
am Ende sucht er durchzuschlüpfen.
Wir armen Bauern sind zu schlecht
zu seinen Spielkam´raden;
so blieb nur Abrahams Geschlecht
zum Spielzeug seiner Gnaden.
und wenn der Herr nun auszieht seinen Kammerknecht
kriegts doch der Bauer auszubaden.
Wie unser Bader Firnekranz
mit Salz reibt seine Egel,
so macht das Spiel sie durstig ganz
aufs Blut der Bauernflegel.
Wenn nun sie aus dem Stall dir ziehn den letzten Schwanz,
geh nur und spiel am Sonntag Kegel!
Wie unser Gnäd´ger ihn versteht
versteht kein Mensch den Rummel;
im Spiel mit einem Juden geht
ihm hin wohl sein Geschummel;
sie sehn die Spinn´ und sehn wie sie den Faden dreht.
Ins Netz doch musst du arme Hummel.
Doch dünn nicht wie die Spinn ist er
noch dünn wie Spinnenfresser;
zum guten Spieler nebenher
ist er ein guter Esser;
nur seinen Leuten macht er nicht die Bäuche schwer
Jagdhunde sind ihm um so besser.
Wenn er die Juden ladet ein
Zu einer Freudenschüssel,
so liegt darauf ein wildes Schwein,
sie schaudern vor dem Rüssel;
im Keller hat er auch für sie den koscher Wein
doch ist verlagt der Kellerschlüssel.
Friedrich Rückert war die Ansiedlung wohl suspekt. Er übertreibt,
kritisiert und diskriminiert wie damals schon üblich dieses Vorhaben.
Mit der weiter verstärkten Ansiedlung der Juden in Oberlauringen durch
den Bau der Oberen- und Unteren Judengasse wächst der jüdische Anteil
auf fast 20% der Bevölkerung.
Carl August Truchseß von Wetzhausen, Herr auf Oberlauringen der
Arbeitgeber des Vaters regierte wie ein kleiner Sonnenkönig. Friedrich
Rückert beklagt das er .„Bälle für Judenmädchen“ veranstaltete und, dass
er dazu Musiker aus Schweinfurt oder Meiningen kommen lassen musste,
Die Musikausübung wurde in strengen Zunftbestimmungen geregelt.
Anstößig ist auch das Carl August Pfänderspiele mit den Dorfmädchen
machte und einen Konditor im Dorf ansiedelte durch den die
Bauernburschen ihre Mädchen mit süßen Köstlichkeiten verführen konnten.
Er frönte wie seine Vorbilder in Weimar der Jagd.
Pfarrer Stepf berichtet über das Leben in Oberlauringen und seinen
Herrn. dessen Liebe zu Hunden und der schlechten Bezahlung seiner
Angestellten. Ohne die Ersparnisse der Großmutter wäre Amtmann Adam
Rückert verhungert, so beschwert sich dieser in Würzburg.
Die französische Revolution von 1789 kostete König Ludwig XVI. von
Frankreich Thron und Leben. Ab 1793 drangen die französischen Heere bis
nach Russland vor. 1796 erreicht das Heer des General Jourdan Franken.
Die Soldaten waren schlecht ausgerüstet, raubten und plünderten. In Oberlauringen hörte das Abhalten von Viehmärkten auf.
Am 31. Juli und 29. August schreibt Pfarrer Stepf das Mailes von den
Franzosen geplündert wurde und am 31. August Oberlauringen dieses
Schicksal ereilte. In einem Bericht wird sogar von Franzosengreul
gesprochen.
Am 24. August 1796 wird das Heer der Franzosen in der Oberpfalz bei
Amberg von den Österreichern unter der Führung von Erzherzog Karl
geschlagen.
Das Heer flutet zurück und die Gräuel kannten keine Grenzen.
Amtmann Adam Rückert klagt darüber, dass die armen Einwohner von 1793 an
ununterbrochen, bald von Durchmärschen, Einquartierungen von Freundes-
und Feindestruppen, bald mit Magazinlieferungen und Extrasteuern
heimgesucht worden sind.
Adam Rückert schrieb am 30. Juli 1802:
Dass seid dem Frühjahr 1796 bis zur eingetretenen Ernte die Not und das
Elend bei dem größten Teil der Einwohner, auch bei den sonst
bemittelten, durch die teuren Früchte auf das höchste gestiegen sei.“
Hungersnot und Teuerung hatten die menschlichen Körper so geschwächt und
für Krankheiten anfällig gemacht, dass sie für Seuchen leicht
empfänglich waren. Besonders die von den Soldaten eingeschleppten
Blattern (Pocken) und andere Krankheiten, wie Wassersucht, Schlagfluß,
Lungen- und Brustkrankheiten, Entkräftungen, Krämpfen, bei Kindern
Stickhusten führten bei Kindern oft zum Tod. So verzeichnet das
Sterberegister im Februar 1792 sechs Todesfälle, im Jahr 1795
vierundzwanzig. In Rückerts Familie gab es fünf Todesfälle in seiner
Zeit in Oberlauringen.
Am 19. Juli 1802 entlässt Carl August Adam Rückert aus dem Dienst, da
er ein Jahr lang krank gewesen war. Adam Rückert wendet sich an die neue
Regierung in Würzburg und bittet darum weiter im Dienst bleiben zu
dürfen. Es half nichts, er wird 1802 entlassen und kehrt nach
Schweinfurt zurück.
Als die Franzosen kamen floh Carl August von Truchseß. Als letzter und
7. Regent dieser Familie geht er nach Gochsheim. Er starb bereits im
Alter von 49 Jahren in Schweinfurt, wo er gerade zu Besuch war.
Am 6. Januar 1806 hatte er bereits einen Schlaganfall erhalten und war linksseitig gelähmt.
Am 27. August 1811 fand die Beerdigung statt. Die Leiche wurde vom
Berghaus in Oberlauringen in seine Gruft getragen, die er sich zu
Lebzeiten unterhalb des Berghauses im Keller, bei der sogenannten
Burgscheune, hatte bauen lassen.
Die Bestattung erfolgte mit Vokalmusik, Gesang und einem Sermon, einer kurzen Ansprache.
Im nächsten Bericht wird die Auflösung des Amtes Oberlauringen beschrieben.
Text : Vilmar Herden
1200 Jahre Oberlauringen
Teil I
Teil II
Teil III
Teil VI - Friedrich Rückert in Oberlauringen
Teil VII - Friedrich Rückert als Chronist
Teil X - Aufbruch in Oberlauringen
Teil IX - Die Ansiedlung der Juden in Oberlauringen
1200 Jahre Oberlauringen - Schlosskauf, Umbau und Parkanlage
1200-Jahrfeier Oberlauringen - Glückwunsch und Dank
1200 Jahre Oberlauringen - Oberlauringen im Erdaltertum
Das Rückert Dorf
Rückert-Sprüche in Oberlauringen