Schonunger Wasserretter im sächsischen Hochwassergebiet
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Donnerstag, 12. August 2010 |
 Mit dem Rettungsboot durch eine Geisterstadt
Es war ein Katastropheneinsatz, den die Wasserretter der DLRG aus Schonungen wohl nicht so schnell vergessen werden. Sie waren zusammen mit Kollegen der DLRG Würzburg/Werneck die einzigen bayerischen Rettungskräfte die ins sächsischen Hochwassergebiet gereist sind um zu helfen. Heftige Regenfälle sorgten binnen Stunden für einen enormen Anstieg der Neiße. Daramatisch wurde die Situation, als in Polen ein Damm brach und den Fluß auf einen Pegel von 7,20m hochgetrieben hat, der Höchste seit 1912. Sofort wurde der Katastrophenalarm in und um Görlitz ausgerufen und Rettungskräfte herbeigezogen, schließlich mussten mehr als 1.400 Menschen im Dreiländereck evakuiert werden. Die Opferzahlen sprechen eine deutliche Sprache: 10 Menschen haben im Hochwassergebiet ihr Leben verloren. "Es sind die schlimmsten Überschwemmungen die Görlitz seit über 100 Jahren heimgesucht haben!", vermutet Oberbürgermeister Joachim Paulick in einem Interveiw.
Die Wasserretter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG
gehörten zu rund 1.700 Hilfskräften, die im Überflutungsgebiet der Neiße
bei Görlitz zum Einsatz kamen. Eigentlich machte sich der
unterfränkische Hilfstrupp auf den Weg nach Tschechien um die Menschen
dort vor den drohenden Fluten zu retten. Doch der Konvoi bestehend aus
einem Hochwasserboot, dem Mannschaftstransporter aus Schonungen und dem
Zugführerfahrzeug aus Würzburg stoppte unfreiwillig in der Ortschaft
Ostritz, etwa zehn Kilometer südlich von Görlitz - bereits dort war die
Hilfe der Unterfranken unerlässlich. Wie der stellvertretende technische
Einsatzleiter Andreas Voß berichtet, habe man bereits dort das
Rettungsboot zu Wasser gelassen und die Menschen aus den überschwemmten
Häusern befreit. "Es war wie eine Geisterstadt: Wir fuhren mit unserem
Boot auf mehrspurigen Straßen vorbei an parkenden Autos!", beschreibt
Voß seine Erlebnisse. Während ihres knapp 24-stündigen Einsatzes konnten
die Wasserretter insgesamt 16 Menschen aus ihren eingeschlossenen
Häusern bergen. Viele Flutopfer sind bereits in die Obergeschosse ihrer
Wohnhäuser geflüchtet um sich vor den drohenden Wassermassen in
Sicherheit zu bringen.
Es herrschten chaotische Zustände, zumal auch das Stromnetzt für ca.
5.000 Görlitzer zusammengebrochen ist, betroffen hiervon war auch die
Wasserversorgung. Wie hoch der Schaden des Hochwassers tatsächlich ist,
kann noch nicht gesagt werden, da man abwarten muss bis das Hochwasser
sich gesenkt hat. Seit dem späten Samstag Nachmittag, sind Polizei,
Feuerwehr, DLRG und der THW im Dauereinsatz, um größere Schäden zu
verhindern sowie den Bürgern in den betroffenen Gebieten zu helfen.
Inzwischen bewältigen einheimische Kräfte im Raum Görlitz die
Hochwasserhilfe alleine. Falls sich die Lage nicht entspannt, stellen
sich die DLRG-Retter aus Schonungen und Würzburg darauf ein, noch einmal
in die Hochwassergebiete zu fahren. Bereits am Sonntag Abend trafen die
Rettungskräfte aus Unterfranken wieder in ihrer Heimat ein und
berichteten von Ihren Erlebnissen.
Text: Stefan Rottmann
Foto: DLRG
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