In dem Ort, in dem der kleine Friedrich Rückert als Junge gewohnt hat, wohnt und wirkt Gerhard Stich. Und seine Wirkung bezieht sich hauptsächlich auf den Vorsitz des Stadtlauringer Kulturvereins. Selbstverständlich ist er in der Gruppe „Kunst & Kultur“ der kommunalen Allianz Schweinfurter OberLand. aktiv. Aber der pensionierte Lehrer fällt auch auf, indem er selbst künstlerisch aktiv wird.
Vor 20 Jahren fing er schon an, in der Radiergruppe der Volkshochschule
die Technik der Radierung zu erlernen. Und vor etwa vier Jahren begann
er – ebenfalls an der Volkshochschule – die Ikonenmalerei. Damals war
er zwar der einzige Teilnehmer eines Kurses, den ein ungarischer
Meister gab, doch das war offenbar nützlich weil intensiv. Beide
Techniken, sowohl die Radierung als auch die Ikonenmalerei sind alte
Kunst techniken, die Ausdauer und Selbstdisziplin erfordern. Ein
schneller Erfolg ist nicht erreichbar.

Und es gibt Beschränkungen. Bei der Radierung beispielsweise
hinsichtlich der Farbe und des aufwändigen Druck vorganges, bei der
Ikonenmalerei aufgrund der Sujets. Das allerdings hat auch Vorteile
sagt Stich, denn da man bei der dargestellten Person nichts verändern
kann, konzentriert man sich aufs Tun, ein quasi medidativer Akt. Kann
man bei einer herkömmlichen Ikone kaum erkennen, ob sie ein Jahr oder
hundert Jahre alt ist, sieht man den neueren Entwürfen schon ihre
„Jugend“ an.
Für die Jugend hat Gerhard Stich auch fünf Büchlein von Friedrich Rückert mit seinen Enwürfen gedruckt.
Zu den Strophen Rückerts der Fünf Märlein zum Einschläfern für mein
Schwesterlein (1813) schuf Stich Radierungen im kindlich naiven Duktus.
Und auf meine Frage, wie er den Unterschied von Laienkunst und Kunst
als Beruf sieht, meint Gerhard Stich, dass der Künstler es wagen kann,
beispielsweise Nichtgegenständliches zu schaffen. Dass die Technik zwar
gleich sei, nicht aber die Qualität – es sei eben eine andere Stufe.
Er selbst halte sich ans Gegenständliche, male, zeichne und bastle
gerne. Und wenn man die Ergebnisse sieht, die bei ihm an den Wänden
hängen oder eben als kleine Büchlein vorliegen, kommt man nicht umhin
festzustellen: ein Hobby, das man empfehlen kann, das man auch im Alter
ausüben und das auch aus dem stillen Kämmerlein herauswirken kann.