
„Die Gemeinde hat ein überraschend großes Potential an Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich der Malerei widmen." – So eine Aussage des Kulturkreises Alte Kirche Schonungen zu ihrer Ausstellung im vorletzten Jahr. Da auch heuer (im Juli) wieder eine Ausstellung in der Alten Kirche stattfinden wird, wollte ich im Vorfeld schon mal einen Teilnehmer aus dem Malerpotential vorstellen.

Der Hobbymaler Erwin Gutermuth möchte sich distanzieren von der
Kunsttheorie. Die Frage, ob Kunst der Kommunikation oder der
Provokation dient, ist für ihn nicht von Belang. Statt theoretischer
Bücher bevorzugt er das Buch der Natur; Landschaftsbilder interessieren
ihn am meisten. Somit ist seine Malerei individualistisch zum Wechsel
der Jahreszeiten, zu Motiven von Urlaubsreisen, zu heimatlichen
Kostbarkeiten wie Fachwerkhäusern oder fränkischen Landschaften.
Dementsprechend sind seine Bilder nicht mit Titeln überfrachtet. Er ist
der Meinung: Malt man Landschaften, Ansichten von Dingen, müsse man
diesen gegenständlichen Aquarellen keine Erklärungen oder Titel geben.
Das bedeutet freilich nicht, sagt Erwin Gutermuth, dass er andere
Malweisen, etwa die abstrakte, ablehne. Nur für ihn selbst, für seine
Malerei, sei seine Entscheidung klar. Ich frage, seit wann er denn
eigentlich mit dem Pinsel kreativ ist, nachdem ich einige Werke gesehen
habe. Gerade einmal 14 Jahre – nachdem er Aquarellkurse beim dänischen
Maler Professor Johan H. Bentin in der Toskana und in Schweden besucht
hatte. Nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit konnte er sich
intensiver der Aquarellmalerei widmen und belegte weitere Kurse bei
Professor W. Broghammer in der Fränkischen Schweiz. Erfahrungsgemäß
braucht man Muße, Spaß und – mit Blick auf seine Frau, die ihm schon
mal „Aufträge“ gibt, etwa für eine Geburtstagskarte – Lust dazu, etwas
zu malen. Und das geht oft nicht auf Bestellung.
Nachdem ich die Treppe hinab in den Hobbyraum mit Panoramablick über
das Maintal geleitet werde, wird klar, wie man in so kurzer Zeit solche
Aquarelle zustande bringt. Denn an den Wänden und im Depot sieht man
die Ergebnisse fleißiger Arbeit. Und Erwin Gutermuth sagt auch, die
Kurse waren lediglich die Initialzündung.

Danach heißt es: immer weiter üben und ausprobieren. Durch seine
frühere Tätigkeit in einem Architekturbüro ist er an genaues Arbeiten
gewöhnt, was für seine Aquarellmalerei ein Nachteil sei, meint er. Und
man sieht den Bildern auch an, dass das architektonische Auge
mitgestaltet hat. Was nicht unbedingt ein Nachteil ist, finde ich. Und
das Zitat, auf das Erwin Gutermuth hinweist, trifft im Zusammenhang mit
seinem sympathischen Auftreten zu: „Ob ein Kunstwerk gut ist, hat
nichts damit zu tun, wie es aussieht. Das Entscheidende ist, was es
beim Betrachter bewirkt.“
Text und Fotos: Werner Enke