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Thomas Dülk (1958 – 2007)
Dieses Lebenist wie eine
Thema-Verfehlung
Kein anderer Witz
ist so bestechend
Außerdem fällt mir
kein anderer ein
Aber zum Lachen
ist der auch
nicht
Er sei nie in diese Welt gekommen, meinte er. Er wollte es und
versuchte das mit Fotografie, mit Schreiben, Malen und Zeichnen sowie
mit einem ihm eigenen Humor.
Schon als Kind stand er mit seiner Krankheit abseits, war schwach und
„behindert“, was er freilich nicht sein wollte. Und er träumte von
großformatigen Werken.
Aus seinen Gedichten spricht die Lust auf das Leben und seine Einschränkungen kommen ebenso oft zur Sprache:
sag ich einen fuß vor den anderen setzen
sag ich erklär mir fuß
denn ich bewege mich anders
zuweilen am sternenhimmel
unter dem beifall der wolken
   Er hinterließ ein umfangreiches Werk, Aquarelle, Skizzen und
Zeichnungen – eine Vielzahl davon am Grafiktableau mit Hilfe eines
Computers entstanden. Seit 2001 war er nicht mehr in der Lage, den
Stift oder Pinsel zu halten. Seine fortgeschrittene Muskeldystrophie
verhinderte das freie Zeichnen oder andere größere Bewegungen. Dies
konnte jedoch seinen Schaffensdrang nicht stoppen.
Mit Hilfe von Softwaretechnologie, Rechner und zwei Bildschirmen drückte er seine bildnerischen Fähigkeiten bis zuletzt aus.
Dabei fiel ihm das Atmen schwer, er konnte nicht lange liegen und
manchmal entstanden so an einem Tag zehn Blätter an manchen Tagen
jedoch keines.
4000 Computerzeichungen schuf er so und das selbständige Gestal ten war
für ihn offenbar lebensverlängernd. Nach jeder Ausstellung, die zumeist
im Förderzentrum Grobesmühle, Schonungen stattfanden, sorgte sich
Thomas Dülk stets, ob es seine letzte wäre.
Die großformatigen Werke, die er selbst nicht ausführen konnte, wurden
nach seinen Enwürfen dennoch realisiert. Und zwar am Mühlengebäude und
Gymnastikhalle, die sicher mancher kennt.
Den Künstler selber eher nicht, denn offenbar verhinderte seine
Krankheit, dass er sich durchsetzen konnte und ernst genommen wurde.
 Er selbst zeichnete und schrieb sicher sehr ernsthaft, wie die
Ergebnisse zeigen, wenn er auch eine Vielzahl von grafischen Humoresken
schuf mit manchmal skurrilen Titeln.
Jeden vorbeiziehenden Satz fischen aus Angst
ohne Beute nach Hause zu kommen
mein bleibender Hunger ist groß
jegliche Felder sind bis zur
Neige bejagt
Auch seine Gedichte zeigen den Könner, der nie eine Akademie besucht
oder literarische Ausbildung hatte. Sicher las er viel und kannte Kunst
aus Büchern (Vorbild: Alberto Giacometti, 1901–1966. Aber seine schulische Ausbildung
ging lediglich bis zum Quali. Außer zwei VHS-Kursen eignete er sich seine künstlerischen Fähigkeiten weitgehend selbst an.
Stiller Nachmittag
zum Versuch der Erkenntis
hat er sich hunderte Blätter
zurechtgelegt.
Eine Fliege läuft darauf
seltsame Kreise, bis
sie zum Fenster fliegt.
Noch liegt kein Blatt
am Papierkorb, welcher
gähnend wartet.
 Im Jahr 2007 ist Thomas Dülk gestorben. Zu sehen ist seine Kunst zum
einen an den Wänden des Förderzentrums zum Beispiel der Gymnastikhalle
und am Mühlengebäude sowie bei Herrn Rauschmann (Schweinfurt, Am
Friedhof 24, Tel.16867)
Thomas Dülk verdient es – wenn auch posthum – mehr Anerkennung zu
finden. Bis jetzt ist kein Galerist oder Kulturreferent auf ihn
aufmerksam geworden.
Fänger
An der Uhr klebt die Zeit
in langen Fäden, streckt
Finger nach dir aus.
versteck dich nicht.
Text und Fotos: Werner Enke
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