
Vielfach unbekannt ist heutzutage die Elsbeere, die 2011 zum Baum des Jahres gewählt wurde. In mannigfacher Weise wird in Beiträgen der Medien daher jetzt in besonderer Weise der hohe Wert dieser Baumart in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht herausgestellt.
Botanisch zählt die Elsbeere zu den Rosengewächsen, wie der häufig in
der Natur belassenen Landschaft vorkommende Vogelbeerbaum. Aufgrund des
ins Rötliche gehenden Farbtons ihres Holzes trägt der Baum auch die
Bezeichnung „Schweizer Birne“. Sie entwickelt sich gut auf warmen,
sonnigen Standorten. Da in den letzten Jahrzehnten immer wieder eine
enorme Sommertrockenheit in unseren Breiten auftrat und die Elsbeere mit
ihrer Pfahlwurzel gut auf kalkhaltigen zerklüfteten Boden wächst, wird
sie in den Forstbetrieben der Fränkischen Platten gerne in kleinen
Beständen ausgebracht. Ferner zeichnen sie Standfestigkeit gegen
Windbruch und eine gute Frostverträglichkeit aus.

Im Gemeindewald von Stadtlauringen in der Gemarkung Ballingshausen,
Waldabteilung Lindach wurden auf einer Fläche von rund 100 Hektar in
diesem Jahr 2500 Setzlinge in Gruppen von rund zehn Stück gepflanzt,
erklärt Harald Spiegel. Der Forstoberamtsrat ist seitens des Amtes für
Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt zuständig für die Betreuung des
Stadtlauringer Gemeindewalds. Nicht geeignet ist die Elsbeere für eine
großflächige Bestückung der Waldparzellen. Vielmehr fühlt sie sich im
Halbschatten von rascher wachsenden Buchenschösslingen wohl. „Dass der
Wald für nachfolgende Generationen sehr Ertrag bringend wird“, so sieht
Bürgermeister Friedel Heckenlauer diese Pflanzung. Edellaubhölzer werden
oft mit ausgebracht, da in vielen Gemeindewäldern des Landkreises wie
in Stadtlauringen zurzeit die Umbauphase von Mittel- zu Hochwald und von
Nadel- zu Laubwald auf großen Flächen ansteht.
Wie alle Edellaubarten, so zum Beispiel Kirsche, Bergahorn, Ulme, Esche
oder Speierling erfordern auch Elsbeeren immer wieder besondere
Pflegemaßnahmen, weiß Spiegel. Gepflanzt werden sich zum Schutz vor
Wildverbiss entweder in gezäunten Flächen oder mit einer Schutzhülle
umgeben. Auch Mäuse nagen gerne die bodennahe Rinde am Stamm ab, sodass
der Schössling eingeht.
War in früherer Zeit das Holz der Elsbeere nur als Brennholz geschätzt,
wurde es in den letzten Jahren immer mehr ein gut bezahltes und von der
Holzindustrie gesuchtes Funier- und Drechslerholz. Die samtige
Oberfläche dieses Holzes ist bei daraus hergestellten Möbeln gut
erspürbar. Häufig war deshalb die „Braut“, der teuerste Stamm bei einer
Holzsubmission, eine Elsbeere.
Als hiebreif gelten die Bäume mit einem Alter von rund 150 Jahren und
mit einem Stammdurchmesser von rund 40 Zentimetern in Brusthöhe
gemessen. Wo Elsbeeren standörtlich wachsen, können sie ein Lebensalter
von 200 bis 300 Jahren und eine Wuchshöhe von rund 30 Metern erreichen.
Ab einem Alter von rund 25 Jahren trägt der Baum die ersten Früchte, die
im September reifen und einen Durchmesser von rund zwei Zentimeter
besitzen. Sie sind sehr reich an Vitamin C und schmecken säuerlich-süß.
Verwendet werden sie für Marmelade und Kompott oder zur
Schnapsgewinnung. Allerdings ist die Ernte sehr mühselig, da die Früchte
nicht abfallen, sondern aus den Baumkronen gepflückt werden müssen.
Die Elsbeerbäume eigenen sich auch hervorragend als Solitärbäume in den
Gärten und Parkanlagen. Anläßlich der Wahl zum Jahr des Baumes haben
Schonunger Bürger für die Baumallee in den Mainwiesen in diesem Jahr
eine Elsbeere gestiftet. Im Frühjahr duften den weißen Blüten angenehm
und im Herbst weist der Baum eine interessante Laubfärbung auf, die von
Rot über Orange ins Gelbe führt. Blüten und Früchte bieten vielen
Insekten und Vögeln reiche Nahrung, sodass der Baum für Mensch und Tier
eine hohe ökologische Bedeutung besitzt.
Auf dem Bild sehen Sie Forstoberamtsrat Harald Spiegel (von rechts) und Bürgermeister
Friedel Heckenlauer pflanzen den ersten Elsbeerensetzling im
Gemeindewald Stadtlauringen in diesem Jahr. Mit im Bild Forstwirt Timo
Winheim.
Noch nicht ganz hiebreif: Forstoberamtsrat Harald Spiegel misst mit der
Kluppe zufrieden den Stammdurchmesser einer stattlichen rund 100jährigen
Elsbeere.
Text und Foto: Rita Steger-Frühwacht