Er gehört zu den weniger bekannten Wildkräutern und ist doch ein hervorragendes Frühlingsgemüse. Besonders die frischen Blätter ergeben einen sehr guten Spinat oder eine vitalisierende Suppe.
Am bekanntesten ist der Giersch allen Gärtnern, in deren Gärten er ungewollt anwesend ist. Wo er sich in einen Garten eingenistet hat, da wird es schwer, ihn wieder los zu werden. Gerade den lockeren, gut bearbeiteten Gartenboden liebt und durchdringt er kraftvoll und flächendeckend. Drei Quadratmeter kann er pro Jahr besiedeln. Er eignet sich nicht als Zeigerpflanze, er liebt Stickstoff wie die Brennnessel, er kommt jedoch auch ohne ihn aus. Er liebt wie fast alle Dolden blütler die Feuchtigkeit, aber Trockenheit und Dürre übersteht er auch. Mit Jäten ist er hervorragend zu vermehren. Jedes kleinste Würzelchen, welches in der Erde verbleibt, schlägt neu aus.
Jürgen Dahl ein kreativer Naturgärtner rät, den Boden
mit schwarzer Folie abzudecken und diese mindestens ein Jahr liegen zu
lassen. Im Internet las ich von Gärtnern, die die befallene Erde
abstechen und kompostieren, um sie dann gesiebt wieder auszubringen!!
Wer nicht länger gegen den Giersch ankämpfen will, der kann versuchen,
ihn zum Fressen gern zu haben. Esst ihn einfach auf! Er ist ein
schmackhaftes Gemüse und eine angenehme Salatbeigabe. Sein Geschmack
erinnert ein bisschen an Petersilie. In Russland legte man den Giersch
wie Sauerkraut ein und A.K. Koschtschejew lobt den Geißfuß als
wichtigen Lieferanten von Vitaminen und Spurenelementen. Die grünen
Blätter enthalten viel Vitamin C und Karotin.
Man kann den Giersch auch getrocknet und gepulvert als Gewürz
verwenden. Auf jeden Fall gehört er in die Gründonnerstagssuppe. In
England heißt er auch Bishopswort (Bischofswurz) oder Goutweed
(Gichtkraut), was auf seine Bedeutung als Heiler der Gicht hinweißt.
Der heilige Gerard wurde im Mittelalter als der Gichtheilige angerufen.
Auch der lateinische Name Podagraria bedeutet die Podagra (Gicht)
heilend.
Angewendet wird der Geißfuß innerlich als Tee und natürlich als Gemüse, äußerlich als frische Auflage.
Johann Künzle, der bekannte Schweizer Kräuterpfarrer, lobte den Giersch
als eine herrliche Medizin. Er verschrieb den Absud gedörrter
Gierschwurzeln als Badezusatz bei Rheuma, Gicht und Krampfadern.
Nicolas Culpeper gab dem Geißfußsamen den exotischen Namen äthiopischer
Kümmel und teilte die Meinung der Ärzte des 17. Jahrhunderts, dass der
Samen, wenn getrunken und äußerlich appliziert, der Haut die Farbe
nimmt und blass macht. Damals war, im Gegensatz zu heute, die vornehme
Blässe ja gefragt. Bei mir wandert er hauptsächlich in eine gute
Kräutersuppe.
Rezept für eine Frühlingskräutersuppe
Zutaten:
2 - 4 Hände voll gewaschene
Frühlingskräuter (z. B. Giersch,
Gänseblümchen, Brennnessel,
Bärlauch, Schafgarbe, Löwenzahn)
¾ Liter Gemüsebrühe
Messerspitze Natron
375 ml Milch
2 Esslöffel Butter
2 Esslöffel Mehl
1 kleine Zwiebel
1 Eigelb
Salz, Pfeffer, Muskatnuss, saure oder süße Sahne
Zubereitung:
Die verlesenen und gewaschenen Frühlingskräuter in
der Gemüsebrühe mit dem Natron etwa 10 Minuten kochen lassen, abseihen
und fein hacken oder pürieren. Die Gemüsebrühe beiseite stellen. Die
kleingehackte Zwiebel in der Butter mild andünsten und mit dem Mehl
eine helle Mehlschwitze bereiten und mit der kalten Milch aufgießen und
glattrühren. Dazu nehme ich die Mehlschwitze von der Herdplatte. Den
Gemüsesud hinzufügen und 10 Minuten köcheln lassen, dann die gehackten
oder pürierten Kräuter dazugeben. Wieder kurz aufkochen lassen. Mit
Salz und Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Das Eigelb mit etwas Milch
oder süßer Sahne glattrühren und in die nicht mehr kochende Suppe
geben. Auch bei Verwendung von saurer Sahne darf die Suppe nicht mehr
kochen.
Guten Appetit
Text: Gudrun Zimmermann