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on England über Amerika hat die Tradition, in der Weihnachtszeit Mistelzweige aufzuhängen, ihren Weg gefunden. Traf ein junger Mann ein Mädchen unter dem Mistelzweig an, so durfte er sie küssen. Die Mistel war in alter Zeit ein Symbol für Fruchtbarkeit und das dürfte sich auf die Entstehung dieses Brauches ausgewirkt haben. Solche Bräuche sind romantisch und beliebt.
Auf unseren Weihnachtmärkten wird sie uns mit Sicherheit wieder begegnen
und bei uns Zuhause wird auch wieder ein Zweig hängen. Wobei ich den
Ehrgeiz habe, unseren Zweig selbst zu schneiden, was meistens nicht
einfach ist. Die Mistel wächst gerne hoch oben auf verschiedenen Bäumen, vorwiegend
Laubbäumen. Sie ist ein Halbschmarotzer und entzieht ihrer Wirtspflanze
Wasser und Mineralien.
Im Oberland finden wir sie oft auf Pappeln und Apfelbäumen, sie nistet
aber auch gerne auf Linden, Ahorn und Eichen, seltener auf Nadelbäumen.
Ich lese immer wieder, die Mistel sei eine geschützte Pflanze. Doch bei
meinen Recherchen konnte ich nur die Tannen-Mistel (Viscum album ssp
abietis) als auf der roten Liste stehend finden. Ich habe noch nie eine
Mistel auf einem Nadelbaum gesehen. Vielleicht, weil sie dort recht
versteckt wachsen können.

Wer kennt nicht die Geschichten von Asterix und Obelix und ihrem Druiden
Miraculix, mit seiner goldenen Sichel. Mit genau dieser goldenen Sichel
musste die Mistel geschnitten werden und sie durfte nicht zu Boden
fallen, sonst würde sie ihre magischen Kräfte verlieren. Sie war ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Bestandteil des
gallischen Zaubertrankes (weil Hummer und Erdbeeren nur den Geschmack
verfeinern sollten).
In der Medizin der Kelten war die Mistel eine Allheilpflanze. Heute ist
sie eines der in Deutschland am häufigsten, in der alternativen oder
begleitenden Krebstherapie, eingesetzten Mittel, um das Immunsystem zu
stärken und anzuregen. Sie ist jedoch wie viele der alternativen Mittel
nicht unumstritten.
In vielen Kräuterbüchern wird der Mistel eine gute Wirkung auf
Bluthochdruck zugeschrieben und entsprechend wird sie auch in der
Homöopathie eingesetzt. Pfarrer Kneipp benutzte sie zum Stillen von
inneren Blutungen und lobte ihre harmonisierende Wirkung auf den
Blutdruck und die daraus entstehenden Beschwerden.
Sie ist eine recht unnahbare Pflanze, nicht nur auf Grund ihres
Lebensraumes, hoch oben in den Bäumen, sondern auch in der Anwendung.Sie gilt oft als giftig, was sich jedoch nur auf die Beeren bezieht. Es
gibt keinerlei nachweisbare Vergiftungen durch Teezubereitungen.
Vorzugsweise sollte ein Kaltwasserauszug verwendet werden. Nach Pfarrer
Kneipp ist dieser dreimal stärker als der Aufguss und siebenmal stärker
als die Abkochung. Nach Apotheker M. Pahlow ist der Tee ein gutes Mittel
bei leichten nervösen Herzstörungen und zusammen mit dem Weißdorn
stärkt er müde Herzen.
Ich freue mich schon auf unseren weihnachtlichen Mistelzweig und wer weiß vielleicht werde ich ja auch geküsst.
Text und Fotos: Gudrun Zimmermann