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Ein Naturjuwel im Schweinfurter
OberlandIm Jahre 1953 erschien in einer Schweinfurter Zeitung ein Artikel mit der obigen Überschrift. Zugegeben, das war vergleichsweise – denkt man an Mecklenburg oder Masuren – eine ziemliche journalistische Übertreibung für eine Gewässeransammlung, welche hierzulande unter dem Namen »Schonunger Bucht« bekannt ist. Es dürfte von allgemeinem Interesse sein,die Geschichte dieses Binnengewässers rückblickend zusammenzufassen.
Vorweg zunächst folgende Bemerkung: Die in östlicher Richtung
angeordneten – in ihrer Größe unterschiedlichen – sieben Wasserflächen
stellen im klassischen Sinne keine Seen dar. Denn ihre Becken sind
nicht von Natur aus geschlossen, sondern stehen – durch Uferdurchbrüche
– mit dem Main in Verbindung.
Erstaunlich ist allerdings, und das wird so manchen wundern, dass sie
zusammengenommen eine um ca. 15% größere Wasserfläche aufweisen als der
Ellertshäuser See! Dieser ist bekanntlich in den Jahren 1957/58 durch
Aufstauung entstanden. Mit einer Wasserfläche von 33 ha gilt der in
einer Höhe von 324 m über NN gelegene See als der größte in
Unterfranken.
Eine völlig andere Entstehungsgeschichte hat die Schonunger Bucht. Sie
ist zwar ebenso ein Werk von Menschenhand, aber durch Ausbaggerungen
entstanden. Die heute insgesamt sieben Baggerseen liegen im Gebiet
einer verlandeten Talaue (in 210 m über NN) des Altmaines, d. h. in
einem fast ausschließlich aus Sand bestehenden Schwemmland.
Die Sandausbeutung begann offi ziell bereits im Jahre 1887. Denn ab da
wurden im Gewerbeverzeich nis der Gemeinde Schonungen »Sandschöpfer«
aufgeführt. Das waren Schonunger Bürger, welche den Mainsand von Hand
ausgruben und diesen per Kahn herüber trans - portierten. Herüber
bedeutet aus Schonunger Sicht, dass die Bucht jenseits des Maines, also
in dessem linken Uferbereich liegt.
In den 30iger Jahren des vorigen Jahrhunderts begann dann die
maschinelle Ausbaggerung des Geländes. Auslöser dafür war die Tatsache,
dass der Fluß nicht mehr in der Lage war, die von der Stadt Schweinfurt
für ihre Bau vorhaben benötigten Sandmengen herzugeben.
 Bei den Sandgewinnungsarbeiten wurde im Jahr 1938 ein alter tümliches
Boot, ein sogennanter »Einbaum«, von 7m Länge aus gegraben. Es wurde
durch Aushöhlung eines Baumstammes, einer Eiche wie Untersuchungen
ergaben, um ca. 80 Jahre n.Chr. hergestellt. Dieses Boot ist dann
vermutlich in den Jahren 80 bis 120 n.Chr. von germanischen Fischern
auf dem Main benutzt worden, bevor es allmählich in der Schonunger
Bucht einsedimentiert wurde. Dem Fund wurde überregionale Bedeutung
beigemessen. Der Einbaum war nämlich das erste sichere Zeugnis für die
Anwesenheit von Germanen in dieser Gegend.
Nach der Einstellung der Sandausbeute vor 40 Jahren, wurde das Gelände
um die Seen zunächst als Erholungsgebiet mit ca. 230 Parzellen für
Wohnwagen und Zelte genutzt. Aus hygienischen Gründen musste das Gebiet
jedoch 1987 aufgelassen werden. Zwischenzeitlich ist daraus ein
Naturparadies entstanden. Die abseitige Lage und das Fehlen einer
Direktverbindung von Schonungen zum Ortsteil Reichelshof haben diese
Entwicklung begünstigt.
Text: Heribert M. Reusch
Foto: Norbert Steiche
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