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Unsere Bäche - vitale Lebensadern oder monotone Abflussrinnen?

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Freitag, 1. Juni 2007

Active Image So wie im Schweinfurter Oberland wurden allein in den 60er und 70er Jahren ca. 25.000 km Fließgewässer begradigt. Als Beispiel für den Landkreis sei die Wern genannt, bereits in den 30er Jahren durch den Reichsarbeitsdienst kanalartig ausgebaut.
Bäche blieben als letztes Stück Wildnis nur in Wäldern oder in schlecht bewirtschafteten Tälern unberührt. Die Begradigung der Fließgewässer hatte fatale Folgen: Die Hochwasserprobleme sind enorm gewachsen, da das Wasser über die begradigten Bäche fast überall rasant abgeleitet wird und so die Pegel der Flüsse bei starkem Regen schnell ansteigen. Immense Kosten zur Beseitigung der Hochwasserschäden müssen vom Steuerzahler getragen werden.
 
Active Image Viele Pflanzen und Tiere sind selten geworden und auf der „Roten Liste“ gelandet. Die Landschaft mit begradigten Bachläufen ist vielfach verarmt und unattraktiv für die Erholungsnutzung geworden.

Die biologische Selbstreinigungskraft der Bäche und so die Gewässergüte nahm stark ab. Nachdem von Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz und Politik auf allen Ebenen erheblicher Handlungsbedarf erkannt wurde, konnten inzwischen einige Renaturierungsprojekte durchgeführt werden.
Im Landkreis Schweinfurt wurden seit ca. 15 Jahren kurze Bachabschnitte bis zu Strecken von fast 10 km (Renaturierung der Wern und des Pfersbaches bei Hain, Pfersdorf, Holzhausen als Ausgleich für den Bau der A71) zu neuem Leben erweckt.

Dabei entstanden aus geradlinigen Gräben wieder schlängelnde, abwechslungsreiche Lebensadern mit vielfältigen Ufern und Strömungsverhältnissen. Tiere wie Wasser amsel, Eisvogel, Libellen, Frösche und Fische sowie auf Feuchtlebensräume angewiesene Pflanzen, z.B. Blutweiderich, Mädesüß, Sumpfdotterblume, Schwarzerle und Traubenkirsche können sich wieder aus breiten. Renaturierte Bäche bereichern und gliedern wieder die Landschaft, ermöglichen Naturerlebnisse und laden ein zum Spazierengehen, Wandern, Radfahren, Verweilen und Spielen.

Gleichzeitig sind als Wiese nutzbare Pufferstreifen auf öffentlichem Grund zwischen neuem Bach und Acker entstanden, die dem Landwirt den Gewässerschutz erheblich erleichtern. Und es wurde ein wichtiger Beitrag zum vorbeugenden Hochwasserschutz geleistet, da das Wasser im breiteren, schlängelnden Bachbett nun langsamer abfließt.
Auch im Schweinfurter Oberland wurden inzwischen Teilstrecken verschiedener Bäche renaturiert, z.B. des Waldsachsener Grund baches, des Sauerquellenbaches bei Ebertshausen und der Leinach östlich Oberlauringen.

Die systematische Aufwertung unserer Bäche zu landschaftsprägenden, pulsierenden Lebensadern würde unsere Heimat zweifellos ein Stück liebens- und lebenswerter machen und stellt aufgrund ihrer vielfältigen positiven Wirkungen eine wichtige Zukunftsaufgabe im Schweinfurter Oberland dar. Dies ist auch das Ziel der EU-Wasser -
rahmenrichtlinie, nach der bis 2015 ein naturnaher Zustand der Fließ - gewässer erreicht werden soll.

Anknüpfend an die realisierten meist kleinen Projekte bestehen bei einer von vorausschauendem Handeln geprägten Bereitschaft zu sinnvollen und wichtigen Investitionen in unsere Zukunft gute Chancen, dass lebendige Bäche Zug um Zug wieder ein Markenzeichen des Schweinfurter Oberlandes werden.

Text und Fotos: Gerhard Weniger

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