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Wenn es um die Geschichte des Fahrrades geht, muss wohl beim großherzoglich-badischen Forstmeister Freiherr Carl Drais von Sauerbronn begonnen werden. Er erfand um 1817 seine Draisine. Diese war eine hölzerne lenkbare Laufmaschine. Alle anderen in Frankreich aufgetauchten Laufmaschinen hatten keine Lenkung und werden hier deshalb nicht berücksichtigt. Die Idee des Laufrades fand bald überall seine Anhänger und verbreitete sich schnell. Bereits um 1853 taucht der Name Schweinfurt in den Geschichtsbüchern des Fahrrades auf. Dann nämlich baute der Oberndorfer Instrumentenbauer Philipp Moritz Fischer Tretkurbeln an das Vorderrad einer Draisine. Somit wurde aus dem Laufrad ein „Tretrad“ mit Kurbeln, wie die heutigen Fahrräder.
 
Ab 1861 stellte der Franzose Pierre Michaux mit seinem Sohn Ernest die Tretkurbelräder aus Stahl her. Die von ihnen errichtete Fabrik fertigte zur damaligen Zeit schon bis zu 200 Fahrzeuge pro Tag. Um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen, wurden die angetriebenen Vorderräder schon größer ausgelegt als die Hinterräder. Von etwa 1870 bis 1890 beherrschten die Hochräder das Straßenbild in den Städten. Mit dieser aus England stammenden Konstruktion konnten schon beachtliche Geschwindigkeiten erreicht werden. Allerdings gehörte dazu eine gewisse Portion Mut. Denn bei einem Vorderraddurchmesser von bis zu 1,60 m gingen die Stürze oftmals nicht gerade glimpflich aus. Da der Fahrer genau über dem Vorderrad saß, reichte eine kleine Unebenheit, um das Fahrrad samt Fahrer nach vorne kippen zu lassen. Dies alles zu einer Zeit, als die Straßen noch nicht geteert waren.
 
Um ca.1885 tauchten die ersten Niederräder auf. Diese auch Safeties genannten Fahrräder glichen den heutigen Fahrrädern schon sehr. Beide Räder hatten den gleichen Durchmesser und der Antrieb auf das Hinterrad erfolgte über eine Antriebskette. Eine wichtige Verbesserung in Sachen Komfort und Sicherheit brachte die Erfindung des englischen Tierarztes Dr. John Boyd Dunlop. Seine Luftreifen brachten eine gewisse Federung, was bei den Straßenverhältnissen ein großer Vorteil war.
 
Diese Niederräder wurden bald als Damen- und Herrenausführung hergestellt. Die Damenräder wurden mit einem niedrigen Durchstieg gebaut, um der damaligen Kleiderordnung (lange Röcke) gerecht zu werden. Die Herrenrahmen wurden schon als Diamantrahmen, wie wir ihn heute kennen, gebaut. Diese Rahmen sind durch die Rautenform sehr stabil.
 
Das Bergabfahren mit diesen Rädern hatte aber noch einen großen Nachteil. Je schneller das Fahrzeug wurde, desto schneller drehtensich auch die Kurbeln mit. Dieses Problem löste der Schweinfurter Ernst Sachs 1904. Er erfand die Freilaufnabe. Somit konnte man bei einer Fahrt den Berg hinunter die Füße bequem auf den Pedalen stehen lassen. Kurze Zeit später koppelte er seine Torpedo-Freilaufnabe mit einer Rücktrittbremse.
 
Um etwa 1920 wurde die elektrische Fahrradbeleuchtung populär. Nach dem zweiten Weltkrieg leisteten diese „Drahtesel“ beim Aufbau des zerstörten Landes gute Dienste und wurden teilweise mit Hilfsmotoren ausgestattet.Die weitere Entwicklung des Fahrrades bis zum heutigen High Tech Produkt befasste sich hauptsächlich mit der Schaltung und mit den verarbeiteten Materialien. Besonders der sportliche Einsatz des Fahrrades hat großen Einfluss auf die Weiterentwicklung. Das Fahrrad ist heute wieder sehr populär. Ob der großherzoglich-badische Forstmeister Freiherr Carl Drais von Sauerbronn sich dies jemals hat träumen lassen?
 
Andreas Wolz
Zweiradmechanikermeister aus Madenhausen

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