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Active ImageGisbert Niklaus ist freischaffender Künstler.
Ein sehr vielseitiger und gut beschäftigter Mann: Er bemalt Garagentore und öde Betonfassaden, entwirft Airbrush-Bilder für ganze Lastzüge und T-Shirt-Drucke, kreiert Reliefs aus verschiedensten Materialien, gestaltet Innenräume, baut Tipis und schnitzt. Viele kennen den Totempfahl in seinem Garten am Ortsrand von Üchtelhausen; der an der Gutermannpromenade in Schweinfurt hat noch weitere Kreise gezogen.
Sogar in der Schweiz steht einer seiner mächtigen Pfähle, die er als Symbol für die Verfolgung und Vernichtung der Eingeborenen geschaffen hat.
Der knapp fünf Meter hohe Totem am Main war eine Spende an amnesty international (ai), die mit dieser Kunstaktion gegen den weltweiten Völkermord protestierten.
Niklaus, ein Greenpeace-Mitglied der ersten Stunde, unterstützte die Schweinfurter Gruppe ai gerne, schließlich fühlt er sich in der Indianerkultur schon von Kindheit an
zuhause. Gefragt, wie er zur Kunst kam, antwortete er: „Ich war der einzige Junge nach vier Mädchen. Während wir zusammen am Tisch saßen und meine größeren Schwestern ganz mit sich beschäftigt waren, nahm ich meine Indianer und träumte mich in meine ruhige Welt hinein. Diese brachte ich dann auch ausdauernd zu Papier, geduldig war ich schon immer. Die guten Schulnoten in Kunst bestätigten mich auf meinem Weg.“
Dieser Weg führte Niklaus nach abgebrochenem Studium Anfang der neunziger Jahre wieder dahin zurück, „was ich wirklich gern tat und konnte“. Nach der Ausbildung zum Maschinenschlosser holte Niklaus auf dem zweiten Bildungsweg mittlere Reife und Abitur nach, um Maschinenbau und Physik zu studieren. Beides befriedigte ihn nicht, vor allem die Physik wurde ihm zu abstrakt.

In Niklaus’ Werken scheinen sich Ähnlichkeiten zum Surrealismus und seinen Vertretern (wie Salvador Dalí) zu finden. Den Unterschied zu diesen sieht der Autodidakt in der Motivation: Ausgangspunkt der Surrealisten ist das Unterbewusstsein, sie holen sich Anregungen oft aus ihren Träumen. Niklaus dagegen malt das, was er sieht, denkt oder fühlt, sehr genau, bleibt dabei in der Wirklichkeit, die er jedoch verfremdet.
Manchmal grotesk, manchmal pathetisch, zuweilen in einen unlogischen Kontext gebettet, über den er jedoch gerne mit einem aussagekräftigen Titel aufklärt. Dadurch öffnet sich dem Betrachter eine neue Welt, eine phantastische Welt – nämlich die des phantastischen Realismus.
Zentrales Thema von Niklaus’ Werken ist die fremd gewordene Beziehung des Einzelnen zu seiner Umwelt, der schonungslose Umgang des Menschen mit der Natur in der sogenannten zivilisierten Welt. Deshalb spiegeln viele seiner Bilder auch Weltuntergangsstimmungen wider. Mit der Naturzerstörung geht für Niklaus die Entfremdung des Menschen von sich selbst einher.
Er möchte, dass der Mensch wieder zu sich findet. Ihm selbst hilft dabei neben der indianischen Kultur der ZEN-Buddhismus. Beide stehen sich in ihrer Naturanschauung und dem pazifistischen Gedankengut sehr nahe.

Inspiration holt sich Niklaus auch auf den Reisen, die er gemeinsam mit seiner Frau unternimmt. Begeistert haben ihn nicht nur Vietnam, sondern vor allem die unendlich grünen Nationalparks Tasmaniens. Nächstes großes Reiseziel ist Patagonien. Ein Stück weit unberührte Natur sieht man auch im Garten der Familie Niklaus um das selbstgebaute Tipi wachsen. Sollte dies eines Tages nicht mehr ausreichen, können sich Niklaus und seine Frau gut vorstellen, auszuwandern – zum Besipiel nach Tasmanien.

Text und Foto: Sarah Ledermann

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