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Der Weißdorn

Der Weißdorn ist mir mit den Jahren an’s Herz gewachsen und vielleicht hilft er meinem Herzen ja auch eines Tages, wenn es nicht mehr die volle Lebenskraft zum Schlagen hat. Denn er ist in der Naturheilkunde ein ganz wichtiges Stärkungsmittel für das Herz. Er wächst sehr häufig bei uns und erfreut uns schon im Frühling mit seiner üppigen Blütenpracht.

Der „Duft“ der Blüten ist für meine Nase allerdings nicht unbedingt ein Duft. Sein Geruch ist etwas streng und im Mai kann ich schon von Weitem riechen – da ist ein Weißdorn am Blühen. Im Herbst erfreut er unsere Augen mit seinen roten Früchten, mancherorts als Mehlfässchen bezeichnet.

Die Engländer haben eine besondere Beziehung zum Weißdorn. Dort nimmt er im Mai eine ähnliche Rolle ein, wie die Birke bei uns. Heinrich VIII. hat, auf Grund einer Legende, den Weißdorn in sein Wappen aufgenommen. Es wird erzählt, als König Richard gefallen war, wuchs aus seinem Helm ein Weißdorn, an welchem später eine Krone gefunden wurde.

Seine Wirksamkeit bei Herzproblemen ist wissenschaftlich belegt. Er verbessert die Durchblutung der Herzkranzgefäße, steigert die Kraft des Herzmuskels und wirkt stabilisierend auf den Herzrhythmus. Ebenso wirkt er bei hohem Blutdruck in Verbindung mit Arterienverkalkung. Der große Vorteil von Weißdornpräparaten ist, sie können und sollen langfristig eingenommen werden und bleiben dabei nebenwirkungsfrei.

Verwendet werden die Blüten und Blätter; sie sollten im Mai gesammelt werden, und die Früchte im September/Oktober. Sowohl mit Blüten und Blättern, wie auch mit den Beeren kann ein Herzwein angesetzt werden. Er findet Verwendung bei Stress, Herzrhythmusstörungen und leichteren Herzbeschwerden, zum Ausgleichen des Blutdrucks und des Kreislaufs 1–2 mal täglich nach dem Essen ein Likörglas trinken.

Zutaten:
Frische Weißdornbeeren oder im Frühling Weißdornblüten und -blätter, roten Süßwein, z.B. Malaga

Zubereitung:
Zwei Handvoll frische Weißdornbeeren leicht zerdrücken, damit sie aufplatzen, in eine weithalsige Flasche füllen und mit einem halben Liter Malaga oder anderem Süßwein übergießen. Im Frühling entsprechend Blüten und Blätter mit dem Wein übergießen.
4–6 Wochen stehen lassen – muss nicht in der Sonne sein, gelegentlich schütteln. Abfiltern und in eine schöne Flasche füllen.

Zum Wohl!
Text: Gudrun Zimmermann


Weiteres Wissenswertes
Beide Sträucher, die Schlehe (Schwarzdorn) und der Weißdorn blühen weiß. Die Namensgebung nimmt hier Bezug auf die Farbe der Rinde, welche beim Weißdorn deutlich heller ist. Wie die Hainbuche eignet er sich vorzüglich als Heckenpflanze, was ihm in Anlehnung an das althochdeutsche Wort „hag“ im Sinne einer Einfriedung und Begrenzung den weiteren Namen „Hagedorn“ eingebracht hat.
Wegen ihrer Dichtigkeit sind Weißdornhecken äußerst wertvolle Vogelschutzgehölze, die außerdem vielen anderen Kleintieren Nahrung und Deckung geben.

Die Früchte des Weißdorns sind essbar und schmecken säuerlich-süß, sind aber sehr mehlig. Man kann Kompott oder Gelee daraus machen und mit anderem Obst mischen, da sie gut gelieren. Auch zu einem vitaminreichen Saft oder Sirup lassen sie sich zusammen mit anderen Früchten verarbeiten. Früher wurden in Notzeiten die Früchte als Mus gegessen und das getrocknete Fruchtfleisch als Mehlzusatz beim Brotbacken verwendet. Die Kerne dienten auch als Kaffee-Ersatz.

Das Holz ist sehr hart und fest. Es wird seltener für Schnitz- und Drechslerarbeiten verwendet. Aber für Werkzeugstiele (z. B. in der Schmiede) oder für Dreschflegel und Spazierstöcke wird es noch gebraucht. Im alten Zauberglauben diente der Strauch der weißen Magie.
Als Gegenspieler zum „bösen“ Schwarzdorn besaß er demnach die Kraft, gegen allerlei Dämonen zu schützen, insbesondere gegen den Zauber „hagazissa“ (heute Hexe), dem Hagweib, das in Hecken und Gebüschen ihr Unwesen trieb.

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