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Wacholderbeere (Juniperus communis L.)

In der Herbst- und Winterküche taucht sie unvermeidlich auf, die Wacholderbeere. Jetzt ist die Zeit von Blau-und Sauerkraut, von Wildgerichten und Sauerbraten und dem, auf das üppige Schlemmen gewünschten, Verdauungsschnaps.

Nun ist ja langsam aber sicher bekannt, dass ein Schnaps nach üppigem Essen nicht wirklich die Verdauung fördert, sondern eher der Steigerung des Genusses dient. Greift man jedoch zu einem Doornkaat, Steinhäger oder Gin/Genever, so können die verdauungsfördernden Eigenschaften des Wacholders zum Zuge kommen.

Die Wacholderbeere besitzt diese Kräfte, weshalb sie ja auch neben dem guten Geschmack in den Speisen verwendet wird. Sie stärkt und unterstützt den Magen in seiner Verdauungsarbeit. Pfarrer Kneipp empfahl „Solchen die an schwachem Magen leiden“ eine Wacholderkur. Dafür sollten sie am ersten Tagmit 4 Beeren beginnen und bis zwölf Tage mit 15 Beeren steigern. Dann wieder bis auf fünf Beeren zurück gehen. Die Beeren einfach zerkauen, sie schmecken leicht bittersüß. Die meisten Menschen lesen die Beeren aus dem Essen heraus und sammeln sie am Tellerrand, das ist schade, sie sollten die Beeren ruhig mitessen, sie sind sehr wertvoll.

Es gibt den Spruch: „Vor dem Holunder soll man den Hut abnehmen, vor eitlem Wacholder aber muss man in die Knie gehen.“

Das zeigt die Wertschätzung welche der Wacholder über die Jahrhunderte erfahren hat.

Die moderne Wissenschaft konnte vieles bestätigen, was dem Wacholder an Heilkraft nachgesagt wurde.
Seine starke Wirkung auf die Nieren wurde lange kontrovers diskutiert, es konnte jedoch keine nachteilige Wirkung bestätigt werden. Heute wird die entwässernde Wirkung des Wacholders medizinisch genutzt. Jedoch sollten nur Menschen mit gesunden Nieren auf den Wacholder zurückgreifen und auch nur eine gewisse Zeit, da er sehr starke Wirkkräfte besitzt. Schwangere sollten ihn ebenfalls meiden. Was nicht heißt, dass sie 3 Beeren im Blaukraut nicht mitessen dürfen. Hier geht es um die medizinische Nutzung. Die ätherischen Öle des Wacholders besitzen ebenfalls starke keimtötende und abwehrsteigernde Kräfte.

Das sollte man sich besonders in Grippezeiten zu Nutzen machen und einfach ab und an ein paar Beeren kauen.
Der Wacholderstrauch ist heute geschützt, da die Veränderungen in der modernen landwirtschaftlichen Nutzung ihn ziemlich dezimiert haben. Der Rückgang der Schafbeweidung trug ebenso zu seinem Rückgang bei, wie seine intensive Nutzung zum Räuchern von Fleisch und Fisch. Die Beeren dürfen jedoch gepflückt werden. Sie benötigen 2–3 Jahre bis zur Reife und sollten im Oktober gesammelt werden.
Der Wacholder liebt sonnige, freie Flächen und stellt keine großen Ansprüche an den Boden. Winterzeit ist Teezeit. Wie wäre es mit Wacholdersirup in den Tee? Gudrun Zimmermann

Hier ein Rezept
250g Wacholderbeeren,
1 Liter Wasser
Die Beeren zerquetschen und mit kochendem Wasser übergießen. Zudecken und über Nacht stehen lassen. Langsam erhitzen und kurz aufkochen lassen. Durch ein Sieb passieren und nochmals aufkochen. Zucker oder Honig zugeben und kühl und gut verschlossen aufbewahren.
Empfohlene Tagesdosis:
3 bis  4 Teelöffel für Erwachsene, 2 Teelöffel für Kinder

Weiteres Interessantes
Der Wacholder gehört zur Familie der Zypressengewächse. In Nordamerika gibt es Wacholderarten (dort Zedern genannt), die zu 30 m hohen Bäumen werden.
Der Wacholder wächst sehr langsam.
Baumförmige Exemplare erreichen in 10 Jahren meist nur eine Höhe von einen Meter. Mit 500–2000 Jahren kann er aber sehr alt werden und wird dabei in Europa nur noch von der Eibe übertroffen.
Sein Verbreitungsgebiet reicht in Europa im Norden von der Küste des Eismeeres bis in den Süden nach Zentralspanien, Sizilien, dem Peloponnes und zu den nordafrikanischen Gebirgen. Außerdem kommt der Wacholder in Süd grönland und in Nordamerika vor.

Juniperus communis ist von der Ebene bis in die Hochalpen verbreitet. Dort kann man ihn häufiger bis in Höhen von 1500–1600 m antreffen, als absolutes Maximum der Höhenverbreitung in den Alpen gelten 3570 m, womit er das am höchsten steigende Gehölz Europas ist.

Text: Gudrun Zimmermann

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