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Die Brennnessel (Urtica dioica/die Brennende/....)

Zu viel Vertrautheit führt zu Geringschätzung, ein englisches Sprichwort, das sehr viel Wahrheit enthält und gerade für Wildpflanzen wie die Brennnessel gut passt. Sie wird meist als lästige Pflanze empfunden, und steht für Unordnung und Vernachlässigung im Garten. Wollen wir sie beseitigen, dann wehrt sie sich auch noch und brennt uns.

Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle meint allerdings, dass die Brennnessel wohl schon längst ausgerottet wäre, wenn sie keine Stacheln hätte und er steht mit seiner hohen Meinung von der Brennnessel nicht alleine da. Maria Treben, die bekannte Kräuterfrau, lobt die Brennnessel genauso wie auch Pfarrer Kneipp und Wolf-Dieter Storl, ein bekannter Ethnobotaniker unserer Zeit.

Die Brennnessel ist keine Unbekannte und keine Seltenheit. Sie ist eher unscheinbar und vor allen Dingen unberührbar, denn sie besitzt einen Mantel aus glasartigen Brennhaaren, die bei der leichtesten Berührung unangenehme Reaktionen auf unserer Haut erzeugen. Genau aus diesem Grunde kennt sie auch fast Jeder. Nur wer unverzagt mit ihr umgeht wird nicht so schnell gebrannt und die vordersten Blattspitzen brennen gar nicht, die kann man sogar roh essen, wenn man sich traut.

Sie protzt nicht mit Blütenpracht, denn die Blüten sind winzig und unscheinbar. Will man sie genau betrachten, dann braucht es schon eine Lupe. Die Brennnessel wächst üppig, vor allem an Plätzen an denen der Mensch in die Natur eingegriffen hat. Als Stickstoffsammlerin wirkt sie ausgleichend auf den Bodenhaushalt und wir können uns dies zu Nutzen machen, in dem sie uns beim Düngen hilft. Zum Beispiel in dem wir beim Pflanzen von Tomaten ein Brennnesseldepot mit in die Erde geben oder später mit Brennnesseljauche düngen. Ein Kaltwasserauszug aus Brennnesseln kann auch bei Blattlausbefall hilfreich sein.

Sie ist ein wunderbares Wildgemüse, gerade jetzt im zeitigen Frühjahr und es macht keine große Mühe sie zu sammeln, sofern man gute Gartenhandschuhe benutzt. Wir können die zarten Triebspitzen für Gemüse und Suppen oder auch kleingeschnitten mit anderen Kräutern im Quark oder im Salat und in der Kräuterbutter verwenden. Protzt sie nicht mit Schönheit und Blütenpracht, so kann sie dies ohne weiteres mit ihren Kräften. Die Brennnessel gehört zur klassischen Frühjahrskur. Sie wirkt entwässernd und reinigend auf den menschlichen Organismus. Sie ist reich an Eisen, Vitamin A und C und, wie Wolf-Dieter Storl schreibt „ihrer tierischen Natur entsprechend“, reich an Eiweiß.

In unserer Familie gibt es im Frühling fast ausschließlich Brennnesselspinat, er ist viel zarter als herkömmlicher Spinat und hat eine schöne grüne Frühlingsfarbe. Mein Lieblingsrezept ist allerdings eine edle Brennnesselsuppe.


Rezept Brennnesselsuppe

Zutaten für 4 Personen:
4 Doppelhände Brennnesseltriebe
3/4 Liter Gemüsebrühe oder Salzwasser
1 Messerspitze Natron
3/8 Liter Milch
2 Esslöffel Butter
2 Esslöffel Mehl
1 kleine Zwiebel
1 Eigelb
Salz
Pfeffer
Muskatnuss
Creme Fraiche

Zubereitung:
Brennnesseln waschen, abtropfen und in der heißen Suppe o. dem Salzwasser mit einer winzigen Messerspitze Natron 10 Minuten kochen lassen. Abseihen und den Sud aufheben.
Die Brennnesseln pürieren. Die Zwiebel kleinhacken und in der Butter andünsten, das Mehl hinzufügen und eine helle Einbrenne herstellen.
Topf vom Herd nehmen und mit der kalten Milch aufgießen, glatt rühren. Wieder auf den Herd geben und aufkochen lassen, den Brennnesselsud zugeben und 15 Minuten kochen lassen.
Die pürierten Brennnesseln zugeben und nochmals kurz aufkochen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Das Eigelb wird mit wenig Milch verquirlt. Die Suppe vom Herd nehmen und mit dem Eigelb legieren.
1 bis 2 Esslöffel Creme Fraiche unterrühren. Nicht mehr kochen!


Was es noch alles über diese wunderbare Pflanze zu berichten gibt, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, deshalb lediglich noch ein paar interessante Fakten:

Die reifen Samen der Brennnessel enthalten Phytohormone (Östrogene) und diese wirken stimulierend auf die Sexualität, deshalb war Brennnesselsamen im Mittelalter in den Klöstern verboten.

Pferdehändler gaben den Pferden vor dem Verkauf Brennnesselsamen zu fressen, weil das ihr Fell zum Glänzen brachte.

Die Brennnessel ist eine wichtige Futterpflanze für unsere Schmetterlinge: den kleinen Fuchs, das Tagpfauenauge, den Admiral und für das kleine Landkärtchen.

Buchtipp: Wolf-Dieter Storl „ Heilkräuter und Zauberpflanzen“

Text: Gudrun Zimmermann

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