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Die Farn- und Blütenpflanzen im Norden von Schweinfurt

Konrad Roth, bald 73 Jahre alt, hat im November 2010 ein bemerkenswertes Buch herausgebracht. Es heißt »Die Farn- und Blütenpflanzen im Norden von Schweinfurt.«1

Was sich so unschuldig anhört, ist ein wissenschaftliches Werk von siebenhundert Seiten.

Dabei beschäftigt er sich erst seit etwa 1995 intensiv mit der Botanik, nachdem er vorher ausdauernd die Artenschutzkartierung betrieb. Er untersuchte Verbreitungsgebiete von Vögeln, Libellen, Fledermäusen, Tagfaltern, Heuschrecken und Kleinsäugern. Nach Auskunft des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, hat er 6614 Artnachweise für die Artenschutzkartierung in Unterfranken erbracht.

Und Konrad Roth ist kein Wissenschaftler, sondern Laie. Doch "Laie" oder "Amateur" bezeichnet hier lediglich die Tatsache, dass die Arbeit unbezahlt geschieht, ansonsten ist er freilich absoluter Spezialist.

Das muss man hier aber vielleicht wieder vorsichtiger formulieren; denn ein Artenbearbeiter gilt als Generalist ­ er muss im Prinzip alles kennen, was bei uns wächst. Gibt es Bestimmungsprobleme, überprüfen das Gattungsspezialisten, also Forscher, die sich auf gewisse Pflanzen (etwa Löwenzahn) spezialisiert haben.

Und Konrad Roth ist bayernweit als wichtiger Artenbearbeiter anerkannt. Wie dieses Sichten und Sammeln bewerkstelligt wird, ist ein aufwändiges Geschäft. Roth erklärt es so eine topographische Karte wird aufgeteilt in 64 Quadrate und diese Einzelfläche (ca. 205 ha) wird systematisch abgearbeitet.

Auf einer solchen Fläche sammelt und kartiert er beispielsweise 557 Pflanzensippen. Das muss man sich einmal vorstellen! Über 500 Namen und die gleiche Anzahl wissenschaftlich-lateinische Bezeichungen. Wenn man im April/Mai hinausgeht, um das Gebiet “abzugrasen", muss das im September/Oktober wiederholt werden. Fünf Stunden sind die Regel, die in weiteren vier Stunden Schreibtischarbeit enden. Roth sagt: Ich bin seit frühester Jugend harte Arbeit gewohnt und dies ist gut für Kondition und Geist, darin liegt meine Gesundheit.

Eine weitere Besonderheit des jetzt vorgestellten Buches verrät schon der Untertitel: »... und altehrwürdige Bäume aus der näheren und weiteren Umgebung«.2

Bei seinen Kartierungsarbeiten fielen ihm solche Baumexemplare auf. "Das ist ein schöner Baum", dachte er sich dann. Doch es blieb nicht beim Gedanken. Nach drei, vier Jahren fanden sich in seiner Liste über vierhundert bemerkenswerte Bäume, die er freilich auch über unsere Region hinausgehend sammelte. Etwa eine Sommerlinde bei Bad Hersfeld in der hessischen Rhön mit 17 Meter Umfang.

Dass man Zeit haben muss ­ Roth ist Rentner ­ ist nur eine Voraussetzung für diese Arbeit. Ebenso darf man auch über lange Strecken ermüdende Arbeit nicht scheuen. Wind und Wetter können so einem sowieso nicht abschrecken.

Worauf aber Roth ebenso hinweist: “Die Frau muss auch mit-spielen." Eine Episode aus früherer Zeit stellt das schön dar. In den siebziger Jahren beschäftigte sich Roth mit dem Filmen. Er hatte einen Dachsbau im Visier und bekanntermaßen zeigt sich Meister Isegrimm nur im Zwielicht oder bei Dunkelheit. Man braucht also Lampenausrüstung mit entsprechendem Technikaufwand, ein Zelt und viel Geduld.

Die Frau war dabei am Hochsitz und als nach 18 stündigem Warten die Dachsens, Vater, Mutter und Kinder Dachs auf der gut ausgeleuchteten Bühne erschienen und Herr Roth mit seinem “Super 8-Gewehr" in Aktion treten konnte, war bereits ein Röckchen für die Tochter von Frau Roth fertig gehäkelt.

Das Buch “Die Farn- und Blütenpflanzen im Norden von Schweinfurt. Und altehrwürdige Bäume aus der näheren und weiteren Heimat", herausgegeben von Konrad Roth ist direkt beim Autor zu haben: Konrad Roth, Hirtenweg 7, Maibach, 97490 Poppenhausen Tel. 09725 9875


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1.) Dieses einmalige Nachschlagwerk für Pflanzenliebhaber wird noch vielen Generationen Freude bereiten, so wie es die “Flora von Schweinfurt" aus dem Jahr 1852 heute noch tut.

2.) Hier zeigt der Autor eine Facette des Waldes, die nicht nur den normalen Waldbesucher, sondern auch Waldbesitzer und Förster sehr emotional anspricht. Im “normalen" Wirtschaftswald gelten unsere heimischen Baumarten zu einem Zeitpunkt als erntereif, der grob gesagt der Hälfte ihres natürlichen Lebensalters entspricht. Die “altehrwürdigen" Bäume zeigen uns, welches Alter und welche Dimension unsere heimischen Bäume erreichen können. Ihrem Erhalt aber auch entsprechendem “Nachwuchs" sollte auch künftig unser Augenmerk gelten. (Forstdirektor Thierfelder)
 
Text: Werner Enke
Pressefotos 

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