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Active Image... ja wo steht er denn?

...steht draußen am Balkon... hollari, hollari, hollaro! ... Und wenn ein Bösewicht was Ungezognes spricht, dann hol ich meinen Kaktus und der sticht, sticht, sticht...

An dieses bekannte Lied der Comedian Harmonists, das auch Max Raabe erfolgreich interpretiert, musste ich spontan denken, als ich mich mit dem Thema Kakteen befasste. Auf dem Balkon der Familie Lutz aus Üchtelhausen fand ich sie zwar nicht, die Kakteen, doch dafür bot sich in ihrem Gewächshaus eine wirklich ungeahnte Vielfalt dieser interessanten Überlebenskünstler. Sie zeigen unterschiedlichste Formen und Größen, unzählige Arten und Gattungen, sind schnell oder langsam wachsend, können bis zu 200 Jahre alt werden - und enorme Mengen an Wasser speichern, von dem sie in trockenen Zeiten zehren. Kakteen besiedeln die verschiedensten Lebensräume, von Tiefebenen bis zu Hoch gebirgen, von Tropischen Regenwäldern über Steppen bis zu Trockenwüsten. Allen Lebensräumen ist gemein, dass das zum Überleben notwendige Wasser nicht regelmäßig, sondern nur saisonal zur Verfügung steht.

Seit fast einem halben Jahrhundert begleitet Heinz Lutz die Leidenschaft „Kakteen“. Besonders die Farbenpracht der Blüten und die außer - gewöhnliche Bedornung und Behaarung haben diese Pflanzen zu seinem Hobby werden lassen. Begonnen hat alles mit einem Geschenk, das eine Freundin seiner Mutter mitbrachte, als sie die Familie Lutz besuchte: dem Christusdorn.

Der junge Sohn, schon immer sehr naturverbunden, war fasziniert von dem üppig rosa blühenden Wolfsmilchgewächs - das seinen Namen erhielt, weil seine dornigen Zweige an die biblische Dornenkrone Jesu erinnerten. Der Name Kaktus stammt von dem griechischen Wort kaio ab, was soviel bedeutet wie »Ich brenne« her. Wenn man nämlich die Dornen eines Kaktus berührt, diese Erfahrung werden schon viele gemacht haben, können die kleinen Bläschen auf der Haut ziemlich jucken oder brennen. Sehr interessant fand ich die Info von Herrn Lutz zur Unterscheidung von Stachel und Dorn, die teilweise dem allgemeinen Sprachgebrauch widerspreche. Stacheln säßen nur oben, das heißt außen auf einer Pflanze auf, wie bei Himbeeren oder Rosen, und können relativ leicht von der Pflanze abgestreift werden. Dornen dagegen wachsen wie bei Kakteen von innen aus dem Pflanzenkörper heraus und stellen umgebildete Organe (z.B. Blätter) dar. Demzufolge müsste Dornröschen botanisch gesehen eigentlich Stachel röschen heißen!

Active Image Seit 1962 haben Heinz Lutz und seine Frau gemeinsam etwa 5000 Kakteen und andere Sukkulente, das heißt wasserspeichernde, Pflanzen gezüchtet und zusammengetragen. Zu Beginn der Ehe wenig begeistert, fand auch Thekla Lutz Stück für Stück Gefallen am Hobby ihres Mannes und vertiefte im Lauf der Zeit ihr Interesse für andere Sukkulenten. Seither tauschen sie sich nicht nur untereinander aus, sondern auch in den monatlichen Treffen ihres Kakteenvereins.Als Gründungsmitglied ist Heinz Lutz heute noch im Vorstand und Ehrenvorsitzender. Gemeinsam mit seiner Frau besucht er deutschlandweit Ausstellungen, Schausammlungen, Kakteenbörsen und -gärtnereien und öffnet gerne auch seine Türen für Interessenten. Dass seine Kakteen jedoch nicht jeden Bösewicht stechen, das zeigte eine Erfahrung, die er mit einem Kakteenverein machte, der zur Besichtigung seines Gewächshauses mit dem Omnibus anreiste - und einfach zwei seiner seltenen Kakteengewächse mitgehen ließ... Die Antwort darauf verpackte Heinz Lutz sehr elegant in Versform: Der Kaktus scheint ein böser Wicht, wie er dich in den Finger sticht. Drum liebe Kinder, Frau und Mann, greift bitte nicht den Kaktus an. Noch weniger sollt ihr dran denken, im Hosensack ihn zu versenken, um ihn auf diese unbequeme, doch leichte Art nach Haus zu nehmen. Glaubt, dass dem Sammler jedes Stück bedeutet oft das größte Glück. Freut euch mit ihm und denkt daran - fangt lieber selbst zu sammeln an.

Kontakt: Die Ortsgruppe Schweinfurt der Deutschen Kakteengesellschaft trifft sich jeden zweiten Freitag im Monat um 20 Uhr in der TG 48, um Erfahrungen und Pflanzen auszu - tauschen und Gesellschaft mit Gleichgesinnten zu pflegen.

Text und Fotos: Sarah Ledermann

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