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Active ImageDas Brauhaus wurde im Jahre 1847 (Datum im Giebel) von der damaligen Gemeinde Fuchsstadt errichtet. Das Brauhaus war bis 1965 in Betrieb. Der letzte Braumeister in Fuchsstadt und heutige Museumsführer Bernhard Müller führt uns durch das Gebäude und erläutert anhand der vorhandenen Gegenstände den historischen Ablauf des Bierbrauens. Herr Müller hat die Kunst des Bierbrauens von seinem Vorgänger abgeschaut.
 
Hier also die grobe Theorie des damaligen Brauens, die detaillierten Geheimnisse muß man sich beim Braumeister selbst erfragen. Die Zutaten für das Bier waren damals wie heute Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser.
Die Gerste wurde zunächst in Bottichen mit Wasser eingeweicht und dann auf einen Haufen gesetzt. Nachdem die Gerste zu keimen angefangen hatte, wurde sie auf die Dörre geschüttet.

Active ImageDie Dörre befindet sich in dem Anbau des Brauhauses, der heute von der Feuerwehr genutzt wird. Sie bestand aus einem Eisengitter auf dem die Gerste ausgebreitet wurde. Mit einem Holzofen wurde dann das Eisengitter von unten durch Rohre erwärmt. Die Gerste wurde gewendet bis sie trocken war. Dann wurde sie in Säcke abgefüllt und nach Hause mitgenommen. Dort hat man sie geschrotet.

Im März wurde gebraut. Dabei haben sich immer zwei Bauern zusammengeschlossen. Im „Durless“ wurde die geschrotete Gerste angemaischt und im Kessel zum Kochen gebracht. Im großen offenen Kupferkessel wurde die Maische eine Stunde lang gekocht. Anschließend wurde sie erneut in den Durless abgelassen, angerührt und eine halbe Stunde stehen gelassen. Dieser Vorgang hat sich drei mal wiederholt. Beim letzen Durchgang im Durless wurde die Maische dann zwei Stunden stehen gelassen.

Danach war die Stammwürze fertig. Diese wurde dann wieder in den Sudkessel gepumpt und ca. zwei Stunden gekocht und anschließend der Hopfen zugeführt. Der wurde nochmals ein halbe bis eine dreiviertel Stunde mitgekocht. Dann wurde der Sud auf das Kühlschiff abgelassen und bis auf ca. 8 °C abgekühlt. Anschließend wurde es auf den Kuffen abgelassen und die Hefe zugesetzt.

In den Kuffen blieb es so lange stehen bis die Hefe nach ungefähr zwei bis drei Tagen nach oben kam. Das fertige Bier wurde in Butten nach Hause getragen. Das Bier hatte auf Grund der offenen Kochweise einen Alkoholanteil von 11-12%.
Der Braumeister mußte beim Hauptzollamt den Brauvorgang melden. Er kontrollierte die Hektoliterzahl, Stammwürze und den Alkoholgehalt. Manchmal machte ein Zollbeamter Nachkontrollen.

Active ImageEin großer Bauer (mehr als 15 Hektar Land) durfte 15 Hektoliter, ein kleiner 10 Hektoliter brauen. Dies beruht auf dem Hausbraurecht. Die Familie Müller dürfte auch heute noch 10 Hektoliter brauen. Allerdings dann unter Berücksichtigung der heutigen Auflagen!

Wer jetzt wissen möchte, was ein Durless ist oder wie ein Kuffen aussieht, sollte sich unbedingt für eine Führung unter (0 97 24) 15 56 bei Herrn Müller anmelden. Im Herbst diesen Jahres veranstaltet der Verein für Gartenbau und Landschaftspflege in Fuchsstadt ein Süßmost- und Kürbisfest. Dabei werden wir wieder Führungen durch das Brauhaus anbieten.

Text und Fotos: Annette Klietsch

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