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Mattenfüchse feiern hundertjähriges Jubiläum

Welche Euphorie die Sportart Ringen in Schonungen später einmal auslösen wird, daran haben die Pioniere und Gründer dieser Disziplin in ihren kühnsten Träumen nicht gedacht. Die Stunde Null für die Schonunger Mattenfüchse schlug im Jahre 1910, als Turngeräte noch in einem hohlen Baum an den Mainwiesen untergebracht und das Training noch in Scheunen abgehalten wurde. Allen Ursprung nahm das Ringen mit der Gründung des Sportclubs Germania: Daneben beherbergte der Verein mit Gewichtheben, Schwerathletik und Tauziehen weitere Sparten. Trotz widriger Umstände machten die Schonunger Ringer schon in den Gründerjahren auf Gau-, Bayerischen- und Deutschen Meisterschaften von sich reden.
 
Doch die beiden Weltkriege sind auch bei den Ringern nicht spurlos vorüber gezogen: Zahlreiche Aktive sind dem Krieg zum Opfer gefallen. Und so kam was kommen musste: 1921 folgte die Verschmelzung mit der Spielvereinigung 1916, einem reinrassigen Fußballverein. Aus dieser ehr dunklen Zeit hat sich einer besonders sportlich hervorgetan: Es war Ludwig Wartner. 
 
Er war es auch, der 1928 beim deutschen Turnfest in Köln Sieger im Ringen für Schonungen  wurde. Wartner nahm noch bei einigen Olympiaausscheidungen teil und war ein unverzichtbarer Leistungsträger in der Ringermannschaft. Später widmete er sich der Kommunalpolitik und war einige Jahre gar Bürgermeister  der noch eigenständigen Gemeinde Schonungen. Ein Schlüsselereignis für den Schonunger Ringsport war schließlich die Vereinigung mit dem Turnverein 1866, schließlich gelang es 1936 fünf Ringer in den Olympiakader zu entsenden.

Nach dem Krieg erlebte der Schonunger Ringsport eine Blütezeit: Mit Trainer Georg Wetz kam gleichzeitig der Aufstieg in die höchste Bayerische Liga, wo sich die Schonunger dann zehn Jahre erfolgreich halten konnten. Es war aber auch eine Zeit, die viele Weiß-Blaue-Meistertitel einbrachte: Unvergessen sind die sportlichen Höhenflüge des Klaus Lohrey. 1955 setzte er sich mit der Deutschen Juniorenmeisterschaft ein Denkmahl, zusammen mit Alfred Weger sorgte er dafür, dass Schonungen sich auch über die Landesgrenzen hinweg einen starken Namen machten.

In den Folgejahren pendelten die Mattenfüchse zwischen Bayern- und Landesliga. Ihren Tiefpunkt erlebten sie schließlich mit dem Abstieg in die Bezirksliga. Erst 1984 unter Trainer Klaus Lohrey schnupperten die Lokalmatadore wieder Höhenluft. Ein neues Trainingszentrum wurde geschaffen und mit dem Aufstieg in die Landesliga Nord knüpften sie schließlich auch an frühere Erfolge an. 1985 übernahm Thomas Rösner das Training der Ringer.
 
Besonders Nachwuchstalent Ralph Merz tat sich in dieser Zeit hervor: Nach dem fulminanten Gewinn der Bayerischen Jugendmeisterschaften in beiden Stilarten, gelang es dem Schonunger sogar die Deutsche B-Jugend-Meisterschaft einzufahren. 1988 knüpfte Stefan Helmer an diesem Erfolg an, es war aber auch das Jahr, als die TSV-Mannschaft die Meisterschaft in der Landesliga feiern durfte. Ein Highlight waren die Aufstiegskämpfe gegen Westendorf: 1200 Zuschauer verfolgten das Spektakel am Schweinfurter „Kessler Field“.
 
Die Neunziger Jahre waren schließlich geprägt von Abgängen und Umbrüchen im Kader des TSV. Auch Thomas Rösner, der Erfolgscoach der Schonunger Ringer versuchte kurzzeitig Auswärts beim TAS Regensburg sein Glück, ehe er 1994 wieder zurückkehrte. Die Umwälzungen im Kader kosteten in der Tabelle wertvolle Punkte und so war der Abstieg in die Landesliga vorprogrammiert. Man legte sein Hauptaugenmerk auf die Jugendarbeit und so wurde kurze Zeit später das traditionelle Maintalturnier ins Leben gerufen.

Geschichte schrieb 1995 der Ausnahmeringer Marco Greifelt, nicht nur weil er Bayerischer Doppelmeister und Deutscher B-Jugendmeister wurde, er löste gleichzeitig das Ticket für die Jugendweltmeisterschaft in Ungarn und fuhr mit der Deutschen Sportjugend zum Olympiacamp nach Atlanta. Dutzende von Titeln gewann der Schonunger beim TSV und es folgte Mitte der Neunziger der Aufstieg in die höchste Bayerische Liga. Doch glücklich wurde der TSV nach drei Jahren Oberliga nicht: Ausbleibende Zuschauer, schwindendes Medieninteresse und eine härtere Gangart sorgten dafür, dass die Schonunger den freiwilligen Abstieg wählten. Wieder verließen bewährte Ringer den Kader, wieder startete man einen Neuanfang. Doch plötzlich taten sich noch ganz andere Probleme auf: Die Ringer forderten mehr Selbstverwaltung innerhalb des Muttervereins TSV Schonungen. Die Querelen dauerten Jahre an, ehe sich die Mattenfüchse dazu entschlossen einen eigenen Verein zu gründen. In Marktsteinach bei einer Gründungsversammlung hob man schließlich den RSV Schonungen 07 aus der Taufe. Bis heute entwickelte sich der RSV prächtig: Neben einem attraktiven Vereinsleben, dem sprunghaften Anstieg der Mitgliederzahlen konnten die Ringer wohl 2009 ihren größten sportlichen Erfolg verbuchen: Es war der Gewinn der Oberligameisterschaften. Die Euphorie bei den Zuschauern war ungebrochen und so begleiteten die Aufstiegskämpfe in die 2. Bundesliga hunderte von Fans. Und so machten sich die RSV-Ringer zum hundertjährigen bestehen des Ringsports in Schonungen sich selbst das größte Geschenk…

Text: Stefan Rottmann

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