
Es herrscht quirliges Leben auf dem Dorfplatz vor der Kirche. Rund 200 Wallfahrer machen wie jedes Jahr Ende April Station in der Gemeinde der Schweinfurter Rhön auf ihrem Weg nach Vierzehnheiligen.Seit 23 Jahren machen sich Mitglieder der Pfarreiengemeinschaft Hammelburg einmal im Jahr zu Fuß auf, um zur Basilika der vierzehn Nothelfer bei Staffelstein zu pilgern. Da der Weg in drei Tagesmärschen zurückgelegt wird, werden am ersten Wallfahrtstag 42 Kilometer bis Hesselbach marschiert. Edgar Dennert hat seit zwölf Jahren das Amt des Wallfahrtsführers inne.
Selbstgemachter Kochkäse als Spezialität bei der Abendbewirtung der Wallfahrer im Haus Hepp von links Edmund Knüttel, das Gastehepaar Ignaz und Franziska Hepp, Elisabeth und Ludwig Knüttel sowie Alfred und Gerda Kuchenbrod.

Vier Personen sind ohne Anmeldung und somit auch ohne Quartierzusage
dabei. Aber beim Abholen der Wallfahrer kommen doch alle unter für eine
Nacht. „Es klappt doch alle Jahr“, freut sich Dennert. Die Gastgeber
verteilen sich auf die Orte Hesselbach, Madenhausen, Ottenhausen,
Hoppachshof und Ebertshausen.
Die meisten Gäste kommen über Jahre hinweg zu den gleichen Familien.
„Die brauchen ja ein gescheites Bett“, meint Walter Bötsch, der wie
zahlreiche Familien von Anfang an Wallfahrer beherbergt. Auch Franziska
und Ignaz Hepp freuen sich über das Wiedersehen mit ihren fünf
Übernachtungsgästen, die seit 1991 alljährlich bei ihnen eintreffen.
Gelegentlich halten sie telefonisch Kontakt, auch erhält Familie Hepp
immer zu Weihnachten eine Grußkarte. Beim runden Geburtstag des
Hausherrn konnten auch Gerda und Alfred Kuchenbrod mitfeiern. Das
Ehepaar meint „es ist schöner wie im Hotel“ und Elisabeth und Ludwig
Knüttel stimmen sofort zu: „super freundliche Gastgeber und
hervorragende Bewirtung“.
Am Abend sitzen alle bei Hepps um den großen Esstisch noch lange
zusammen, um zu erzählen.
Den Wallfahrern gefällt der stets besonders freundliche Empfang im Dorf:
Viele Einwohner säumen die Straße zur Kirche. „Wenn ich in den Ort
komme“, läuft mir immer die Gänsehaut auf, berichtet Elisabeth Knüttel,
so einmalig ist die Situation für die müden Wallfahrer. Am nächsten Tag
übernachten sie in Ebern. In einer Kleinstadt werden sie auch gut
aufgenommen, aber in Hesselbach ist die Dorfgemeinschaft
stärker bei diesem Anlass zu erleben.
So ist es für die Gastgeber selbstverständlich, anderntags in der Früh
um 6.30 Uhr mit zum Gottesdienst in die Pfarrkirche zu kommen. „Die
Kirche ist dann voller als an Weihnachten“, weiß Walter Bötsch.
Der Weitermarsch der Hammelburger bis Ebern zählt 42 Kilometer und ab
Ebern werden am letzten Wallfahrtstag noch mal 25 Kilometer zurück
gelegt.
Bis zur Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen haben sie dann aber
selbstverständlich
beim Beten oft auch noch die Anliegen „ihrer“ Gastgeber im Gepäck. Und
wenn die Wallfahrer im nächsten Jahr wieder nach Hesselbach kommen ist
ein Zimmer und Bett frei. Denn Ignaz Hepp versichert: „Es wird immer so
eingerichtet, dass es immer passt“.
Text und Foto: Rita Steger-Frühwacht