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Fünfstunden Klamauk und Frohsinn beim Schonunger Carnevals Club
Eines vorne Weg: An Witz und Humor haben die Faschingssitzungen des SCC heuer trotz Wirtschaftsflaute wahrlich nichts eingebüßt. Im Gegenteil – statt Kurzarbeit mussten die Schonunger Narren gar im Schichtbetrieb auf das Bühnenparkett. Und jetzt verkündete Sitzungspräsident Jürgen Schäfer lauthals gar das Wirtschaftswunder der Schonunger Gemee: „Die Wirtschaftskrise ist passe, den Aufschwung bringt der SCC“. Spitzfindig und trefflich gereimt führte Schäfer anschließend durch das fünfstündige Programm aus Tanzeinlagen, Akrobatik, Skatchen und Büttenreden.
Was wäre der SCC Schonungen bloß ohne ihr „Trio“: Selbst
gestandene Geistlichkeiten, Gemeinderäte und Gemeindepersönlichkeiten
fürchten sich vor ihren gnadenlosen Liedtexten und Sprüchen.
Ein Altbekanntes Duo stand vorneweg in der Bütt: Für die Armenspeisung
im Kanzleramt von „notleidende Ackermänner“ sammelten Goethe (Thomas
Westerhausen) und Ralf Wagenhäuser (Mephisto) aber zunächst
aufopferungsvoll Spenden im Publikum, ehe sie mit viel Poesie und
Dichtersinn Boulevard und Politik aufs Korn nahmen.
Zum Kochen brachte
ein Computerproblem dann Herrn DAU-meier, das auch die nette Dame der
PC-Hotline trotz geringer Bemühung nicht so recht lösen konnte.
(Alexander und Hanna Römmelt). Das DAU im Namen kann auch interpretiert
werden als Dümmster Anzunehmender User. Herzlicher Applaus folgte
schließlich von einem verständnisvollen Publikum für die Lösung des
Problems. Um seinem Amtskollegen (und dem Publikum) jahrelange
Erfahrungen als Pfarrer „Gottlieb“ zu vermitteln, stieg nun der neue
SCC Präsident Christian Müller in die Bütt. Mit trefflichen Pointen
erzählte er aus seinem Nähkästchen, zu welchem sich auch der
Klingelbeutel manchmal verwandelt wenn Knöpfe statt Münzen eingeworfen
werden. Schlagfertig rief er seine Kirchengemeinde dazu auf, zukünftig
auch Nadel und Faden einzuschmeißen, damit die Knöpfe auch effektiv
genutzt werden können.
Das Trio des SCC (Herbert Geng, Gangolf
Schleyer, Birgit Schreck) ist vom Schonunger Fasching kaum mehr
wegzudenken. Mal verbal mal musikalisch schossen sie ihre Giftpfeile in
Richtung der Gemeinderatsfraktionen. Besonders schnell drehe sich
derzeit das Personalkarussell der CSU und die SPD bringt sich als
Eventagentur in die Schlagzeilen. Und da wäre ja noch der goldene Turm
von Schonungen, der besondere Gehässigkeit auf sich zog.
Aber auch die
Pfarrei bekam ihr Fett weg: Die neue Orgel und das Kirchendach
lieferten ja genug Stoff. Mit dem Refrain „…für den Herrn Pfarrer tun
wir alles“ wurde das Organisationstalent der Ortsgeistlichkeit für die
vielen laufenden Projekte mit Unterstützung des Publikums besungen. Ihr
Auftritt ist schon fast Legender: Rainer und Sigrid Mai gehören
sicherlich zum Inventar des SCC und stiegen heuer als „Rostiges
Ehepaar“ in die Bütt.
Dass Schweine ferkeln und Kühe kälbern ist
bekannt, aber dass Fahrräder „rädeln“ wusste die Narrenschar bis dato
noch nicht. Diese Weisheit und Klischees aus dem täglichen Eheleben
wurden von Sigrid und Rainer Mai professionell vorgetragen, sodass echt
kein Auge trocken blieb bei diesem trockenen Humor. Beim Auftritt von
Walburga Wichtig (Ingrid Räder) gingen vorsorglich alle
Ortspersönlichkeiten in Deckung, denn die sind ja bekanntermaßen
Zielscheibe ihres verbalen Rundumschlags. In Reim und Vers berichtete
sie vom Missglückten Bieranstich des Bürgermeisters an der Kirchweih,
den Heiligen Drei Königen – die heuer auf Kneipentour unterwegs waren
oder die missglückte Terminplanung des Pfarrers. Man nimmt Stefan
Hofmann schon echt die Rolle als zerstreuter Professor ab, so glaubhaft
gibt er diese Figur bei der Büttenrede, die Gott sei Dank von seiner
jungen, agilen Assistentin Emily Niebel mit viel Wissen und Pointen
wortkräftig unterstützt wird.
Wer kennt sie nicht, die allmorgentliche
Radiosendung „Frängisch mit Loddar“ und tatsächlich Walter Köhler wash
with all waters (… ist mit allen Wassern gewaschen). Doch zum echten
Superstar gehört mehr, als nur Englischkenntnisse: Auch das Tanzen muss
geübt sein. Wie auf der LoveParade ging es zu, als er sein Publikum mit
fetzigen Sounds dazu animierte flippige Tanzfiguren wie den Rasenmäher,
Handysuche, Pfeffermühle oder Heckenschere auszuprobieren.
Dass die Schonunger beweglich sind, das demonstrierten nicht zuletzt
die Tänzer und Turner des SCC. Den Anfang der Show machte die „Junge
Garde“, die im Sauseschritt übers Parkett huschte und auch die „Große
Garde“ wurde mit Pfiffen und Applaus für ihren Marschtanz belohnt.
Staunende Blicke zogen auch die beiden Tanzmariechen Kim Schmitt und
Lisa Bauer auf sich, die ihren Gardetanz mit Überschlägen, Räder und
Spagat garnierten (Trainer Anja Seufert, Carina Pabst). Prächtige
Tierkostüme, eine zu tränen rührende Geschichte und emotionsgeladene
Musik – diese würzige Mischung präsentierte die Kinder-Show-Tanz-Gruppe
ihrem Publikum.
Das Musical erinnerte an den Animationsfilm Madagascar
und erzählte vom tristen Alltag im Zoo und den Ausbruch in die
Freiheit. Die Aufführung wurde einstudiert von Elisabeth Guderian, Susi
Schmitt und Christina Westerhausen. Stürmischen Beifall erntete die
Showtanzgruppe „Crazy Eight“ (Leitung Anne Römmelt), die sich im Laufe
ihrer Tanzdarbietung vom Bankräuber zum ehrlichen Arbeiter
rehabilitierten. Gruselig wurde es im Anschluss mit den Turnern:
Unkontrolliert trieben die Geister ihr Unwesen auf der Bühne, bauten
auf der stockfinsteren Bühne ihre Pyramiden und turnten fast schwerelos
durch den Raum - ehe die Ghostbuster den Spuk beendeten. Den krönenden
Abschluss bildete die Showtanzgruppe: Wer kennt Sie nicht, die
unvergesslichen Songs von Michael Jackson! Die Große Garde landete mit
ihrem Showtanz über den King of Pop einen Volltreffer. Obwohl fast
unnachahmlich, wurde der Tanzstil vortrefflich kopiert, das Publikum
ging von Anfang bei den heißen Rhythmen mit und brachte den Saal zum
Kochen. Entsprechend auch der tosende Beifall für diese Nummer, für
deren Choreographie Eva Glöckner zuständig war. Über 130 Aktive
Mitwirkende zogen zum anschließenden großen Finale noch einmal in den
Saal und auf die Bühne, um nach der Schlussansprache des Präsidenten
gemeinsam das SCC Lied zu singen.
Schlangen, Nilpferde, Giraffen eroberten die Bühne beim
Showauftritt der Kinder-Tanz-Gruppe. Das knapp zwanzigminüte Musical
das über das Tierleben im Zoo und Freiheit im Dschungel erzählte rührte
das Publikum zu Tränen.
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