„Resi i hol di mit meim Traktor ab“, hörte man so manchen Besucher beim Dreschfest leise vor sich hinsummen. Und Traktoren standen am Wochenende beim 10-jährigen Jubiläum der Dreschgemeinschaft Stadtlauringen in Hülle und Fülle zur Verfügung. Rund 300 Exemplare, sowie historische Geräte und Oldtimer, tummelten sich auf dem Reitplatz und konnten von den circa 2000 Bulldog-Begeisterten und interessierten Zuschauern bestaunt werden.Eines der vielen Highlights dieses mittlerweile traditionellen Festes war der Umzug der Traktoren durch den historischen Ortskern. Eine Schnauferlparade, die die Zuschauer mit knatternden Motoren, altertümlichen und originellen Hupen und einem farbenfrohen Auftritt der landwirtschaftlichen Fahrzeuge begeisterte. „Eine rot-grüne Parade – aber mit schwarzem Rauch“, wie der zweite Bürgermeister, Winfried Reß, danach schmunzelnd feststellte.
Heiß begehrte Anschauungsobjekte waren die imposanten Lanz-Bulldogs.
Viel Fachsimpelei und begeisterte Blicke entlockten diese Giganten den
Zuschauern, wenn deren Motoren mit der Lötlampe erhitzt und durch das
Drehen der Kurbelwelle gestartet wurden. Die Herzen so einiger Männer
schlugen wohl im gleichen Takt wie das wummernde „Tuck-tuck-tuck“ der
legendären Ackerschlepper, wenn sie mit glänzenden Augen diese Bulldogs
bewunderten. Viele Vorführungen musste auch das Motorpferd aus dem
Jahre 1924 überstehen. Das Motorpferd ist quasi der Ur-Mercedes und
eine absolute Rarität, das das Gerätemuseum Ahorn zur Verfügung
stellte. Das mit Wasser und Diesel betriebene Gerät lockte alleine
durch sein altertümliches Aussehen viele Zuschauer in seine Nähe, die
dann schon mal Vergleiche zu den modernen Zugmaschinen anstellten.

Auf der Bulldog-Wippe konnten die Bulldog-Fahrer ihre Geschicklichkeit
unter Beweis stellen. Hier galt es, in möglichst kurzer Zeit auf die
Wippe zu fahren und diese in die Waage zu bringen. Für viele erwies es
sich als gar nicht so einfach, das Gewicht des Traktors so auf der
Waage zu balancieren. Ein bisschen zu viel Gas und die Waage kippte
nach vorne. Hier war also viel Feingefühl gefragt. Manch einer
arbeitete auch mit dem Körpergewicht und lehnte sich auf dem Sitz weit
nach vorne oder hinten, um die entscheidenden Kilos an die richtige
Stelle zu bringen. Mit 10,21 Sekunden entschied Harald Weigand aus
Sulzdorf an der Lederhecke diesen Wettbewerb für sich und konnte sich
über einen der heiß begehrten Pokale, einen Traktor aus Edelstahl,
freuen. Manuel Schmitt aus Eltingshausen errang mit 12,13 Sekunden den
zweiten Platz, während Andreas Holzberger aus Altenmünster mit 14,27
den dritten Platz erzielte. Einen Trick für diese guten Zeiten gibt es
aber nicht. „Nach Gefühl fahren und viel Glück“, gehören für Harald
Weigand dazu, um die Waage ins Gleichgewicht zu bringen.
Auch eine Kartoffeldämpfkolonne gehörte zu den Ausstellungsstücken beim
Dreschfest. Zudem sorgte diese für leckere, heiße Pellkartoffeln, die
sich die Gäste schmecken lassen konnten. Früher war eine solche
Dämpfkolonne, wenn diese von Hof zu Hof zog, immer von Kindern
umlagert, da die eine oder andere Kartoffel natürlich für zum
sofortigen Verzehr abfiel. Am Wochenende zog es die Kinder und deren
Familien aber mehr zu den Dreschvorführungen mit der alten
Dreschmaschine. Mit einer Sirene wurde wie einst der Start des Dreschen
angekündigt. Durch einen Flachriemen mit einem Traktor angetrieben,
zeigten Mitglieder des Dreschvereins an der hölzernen Badenia
Dreschmaschine, die von 1933 bis 1960 in Betrieb war, wie früher das
Getreide gedroschen wurde. Hierzu waren einige Mann nötig, um die
Getreidebündel vom Erntewagen in die Maschine zu bekommen, das übrig
gebliebene Stroh wieder auf einen Wagen aufzuladen und die
Getreidesäcke zu befüllen und zu schließen. Kein Vergleich zu den
heutigen Mähdreschern, die den kompletten Dreschvorgang im Verborgenen
der Maschinen in einem Arbeitsgang erledigen.
Schwer vorstellbar für die jetzigen Generationen ist auch das Dreschen
mit den Dreschflegeln, das ebenfalls vorgeführt wurde. Im richtigen
Dreschtakt sausten die Flegel auf die Garben. Eine harte Arbeit des
einstigen bäuerlichen Alltags, das viel Muskelkraft und Ausdauer bei
der tagelangen Arbeit in den Scheunen forderte. Und harte Arbeit macht
hungrig. Kein Wunder, dass es immer noch heißt: „Der frisst wie ein
Scheunendrescher.“ Hunger mussten aber weder die Arbeiter, noch die
Gäste haben. Für das leibliche Wohl war auf dem Fest natürlich bestens
gesorgt. Dass die vielen Vorführungen und ausgestellten Traktoren die
Zeit nur so verrinnen ließen, stellte auch ein Pärchen aus Würzburg
fest, als es in sein Auto stieg. Er: „Mensch, wir wollten doch nur eins
bis zwei Stunden bleiben. Jetzt sind daraus sechs Stunden geworden.“
Sie darauf: „Aber schön war's.“ Und sie warfen noch einen letzten Blick
auf die ersten abfahrenden Bulldogs, die mit den alten Bauwagen im
Schlepptau, die teilweise als Unterkunft für das Wochenende dienten,
den Nachhauseweg antraten.