Franz Endres: Eine Ausnahmepersönlichkeit wird 90 Jahre
|
|
|
|
|
Mittwoch, 9. März 2011 |
 Bis vergangenes Jahr war Franz Endres der dienstälteste Vorsitzende
eines Arbeiterwohlfahrtsverbandes in Bayern: Mit 89 Jahren gab er den
Staffelstab an seinen Sohn Helmut ab. Kaum zu glauben: 50 Jahre stand
der Schonunger ununterbrochen an der Spitze der AWO und blieb bis heute
seinen Prinzipien treu. „Mensch sein heißt helfen!“, so die Devise von
Franz Endres, der am 9. März nun seinen 90. Geburtstag feiert.
Mit einem großen Empfang wollen die Kreis- und Ortsverbände der
Arbeiterwohlfahrt und SPD dem Geburtstagskind gratulieren. Langjährige
Wegbegleiter, Freunde und politische Gegner geben sich in der Alten
Kirche Schonungen am kommenden Samstag, den 12. März 2011 ein stell dich
ein. Als Laudator wird der Ehrenvorsitzende der Unterfränkischen SPD
und ehemalige Parlamentarische Staatssekretär, Walter Kolbow erwartet
und auch der Schonunger Musikverein, der Chor der Freien Turner und die
Kindergartenkinder des Gochsheimer AWO-Kindergartens wollen dem Jubilar
mit ihrem Auftritt gratulieren.
Tatsächlich ist Franz Endres so etwas wie eine Ausnahmepersönlichkeit in
der Großgemeinde. Hohe fast unerreichbare Auszeichnungen und Ehrungen
wie das Bundesverdienstkreuz oder die goldene Bürgermedaille der
Gemeinde Schonungen wurden ihm verliehen. Das Leben des gebürtigen
Lindacher lässt sich wie ein großes Abenteuer lesen. Er hat sich nie nur
den einfachsten Weg ausgesucht und so wich er von seinem Motto der
Mitmenschlichkeit auch im Krieg keinen Zentimeter ab. Trotz großer
Brutalität im dritten Reich half Endres, trotz Verbotes, immer wieder
verwundeten Gegnern der damals roten Armee. Bis der eines Tages selbst
als einer der Verwundeten vom Russlandfeldzug heimkehrte und alsbald für
die Rückholung junger Wehrmachtsoldaten zuständig war. 1949 heiratete
der gebürtige Lindacher seine Frau Ilse und wie durch einem Zufall
landete er 1955 mit seiner Familie in Schonungen und bezog dort mit
seinen zwei Söhnen ein Mehrfamilienhaus.
Unzähligen Vereinen und Organisationen hat sich Endres angeschlossen
oder war bei der Gründung maßgeblich beteiligt. Seit 62 Jahren ist er
Mitglied der VDK und der Sozialdemokratie hat er sich seit 60 Jahren
verschrieben. Auch der Sport- und Musikverein, sowie viele weitere
Vereine können auf die langjährige Treue und Verbundenheit des
alteingesessenen Schonungers zählen. Sein volles Herzblut galt aber seit
jeher der Kommunalpolitik: Drei Jahrzehnte kämpfte er als Gemeinderat
und Kreisrat für die Belange seiner Mitbürger, davon allein 24 Jahre als
Fraktionsvorsitzender. Endres erhielt für diese Leistung die
Willy-Brandt-Medaille und darf sich fortan als Ehrenkreisvorsitzender
der SPD nennen. Ein wahrer Segen für die Sozialdemokratie. Wie
selbstverständlich brachte er sich auch bei seinem damaligen Arbeitgeber
Fichtel & Sachs für seine Kollegen als Vertrauensmann und
Betriebsrat ein.
Fünfzig Jahre stand Endres bei der Arbeiterwohlfahrt ununterbrochen in
der Verantwortung und hat viel Freizeit für seine Mitmenschen geopfert.
Für dieses außergewöhnliche Engagement wurde er bereits zum
Ehrenkreisvorsitzenden der AWO ernannt. Noch heute sammelt er Spenden,
besucht pflegebedürftige Menschen in Heimen, organisiert
Seniorennachmittage und führt Geburtstagsbesuche durch. Auch heute noch
erfreut er sich bester Gesundheit: „So schnell werdet ihr mich nicht
los!“, versprach Franz Endres bei der Übergabe des AWO-Vorsitzes vor
einem Jahr.
Text und Foto: Stefan Rottmann
|