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In erster Linie aber gibt´s Lebensmittel und den Bedarf des täglichen Lebens. Auf rund 50 Quadratmetern und mit drei schmalen und kurzen Ladenstraßen. Im Schnitt zwei Mal pro Woche beliefert ein Lebensmittelgroßhändler den Kleinladen mit frischen Sachen. Dazu kommen Brote, Brötchen und weitere Backwaren der Schweinfurter Bäckerei Zimmermann sowie Salate und Gemüse aus Sennfeld. „Und nicht aus Italien oder Holland", betont Werner Hummel. „Der Sennfelder Salat kostet aber halt vielleicht 60 Cent bei uns und nur 29 Cent beim ALDI", vergleicht seine Frau Hildegard. „Dafür aber sind das echte Köpfe und nicht nur Singleportionen", stellt der Gatte klar. Qua lität und heimische Produkte hätten eben ihren Preis. So wie auch der Wein aus Nordheim wie die Rieslaner Spätlese ausgewählt ist oder der gut gehende Essig aus Sommerhausen am Main, den die Kunden im Kanister kaufen können. Die Eier hingegen, bezogen von einem Gut aus der Region Bad Kissingen, „gehen nur dann gut, wenn die Hühner im Ort schlecht legen", grinst Werner Hummel.Man merkt schon: Die beiden Inhaber sind durchaus gesellige Menschen, legen Wert auf den persönlichen Kontakt, auf das Miteinander, das Gespräch beim Einkauf. Gerade die älteren Kunden würden das mögen, sind bewusst erfreut, eine Ansprache zu haben. „Wir kennen 99 Prozent der Leute persönlich, meistens sprechen wir sie mit dem Vornamen an", sagt Hildegard Hummel. Oft kommen kleine Kinder vorbei und kaufen ein, suchen dann etwas länger. Das braucht Geduld, so wie halt sehr oft mal für einige Zeit keine Kunden kommen und dann wieder mehrere auf einen Schlag. Dann wird es eng und bildet sich schon mal eine kleine Schlange im kleinen Laden. „Mehr als fünf Leute sind für manche Stress. Aber im Supermarkt ist das doch genauso", sagt Werner Hummel.
„Was nützen mir Erdbeeren im Winter?", fragt er und spricht somit das Prinzip an, nichts anzubieten, was keinen Sinn macht. So konzentriert sich der Laden auf drei Sorten Zahncreme („und eine für Kinder"), auf die wichtigsten Kaffeemarken und auf vier verschiedene Arten Klopapier. „Jeder Hintern=2 0ist verschieden", lacht Werner Hummel bei diesem Thema und wird dann wieder ein bisschen ernster, weil seriöser, wenn es um die Kontrolle geht: Die Frische wird jeden Tag überprüft, die Artikel auf ihr Haltbarkeitsdatum, was sogar Fliegenspray betrifft und nicht nur Milch, Quark oder Bier. Das wird auch angeboten, wenngleich der angegliederte Raum für Trinkbares in Flaschen eher klein gehalten ist. „Zwei Häuser weiter gibt es einen Getränkehandel", erklärt Hildegard Hummel, „und dem wollen wir keine Konkurrenz machen". So wie das früher für den Metzger in Sichtweise des Tante Emma-Ladens galt, zumindest solange es den gab. Nun ist er weg, genauso wie einstige Lebensmittelgeschäfte in den Nachbarorten Ebertshausen, Üchtelhausen, Zell oder Madenhausen. Im Radius von rund zehn Kilometern lässt sich nur bei den Hummels derart einkaufen. Fleisch aber trotzdem nicht, „weil wir dafür keine Kühltheke haben". Und auch keinen Kühlraum für das Obst. Das muss weg, solange es frisch ist.
„Wie die Jungfrau zum Kind" kamen beide vor wenigen Jahren zu ihrem Laden, als das Vorgängerpaar aus Altersgründen aufhörte und die aus Ballingshausen bzw. Birnfeld einst zugezogenen Eheleute sich bewarben. „Bevor mir die Hildegard zuhause auf den Geist geht...", spaßt Werner wieder, warum er die Gattin, die früher bei der Post arbeitete, beim neuen Job unterstützte und auch weiterhin unterstützt. „Millionäre werden wir aber nicht damit", we iß er und sie ergänzt: „Es ist viel Arbeit, die man reinsteckt, aber der Spaß daran treibt uns an. Wir machen das, damit die Leute im Ort was haben." Nicht alle aber würden den Hummels ihr Tun gönnen, manche, vor allem junge Einwohner, unterstützten bewusst lieber die Discounter und denken, dass sie dort grundsätzlich Geld sparen. „Wenn man LKW-weise Waren kauft, dann bekommt man natürlich andere Preise. Mit einem Marktkauf können wir nicht mithalten", sagt Werner Hummel, „aber meistens sind es nur zehn oder 20 Cent, die wir mehr verlangen müssen." Kaffee beispielsweise, aber auch Zeitungen oder Zigaretten, kosten in Hesselbach genauso viel wie anderswo. Gerne würden beide auch noch, so wie früher, eine Lotto-Annahmestelle betreiben. Doch laut Staatsauflage war der Umsatz im Laden zu gering. Jetzt kann in Hesselbach nicht mehr Lotto gespielt werden, „dafür gibt es in Sennfeld gleich vier Annahmestellen"!
„Was kenner käfft?" Im Dialekt wiederholt der 56-Jährige die Frage nach dem, was gar nicht oder kaum über die Ladentheke geht. Schnaps sei es, der seltenst gefragt ist, sonst eigentlich alles. Kurzwaren haben die Hummels nicht, also Nadeln, Reißverschlüsse, Knöpfe oder Schnürsenkel. Und auch keine „kleinste Einwohner der Hauptstadt Frankreichs", wie es Werner Hummel in seiner fröhlichen Art ausdrückt. Tatsächlich gab es aber schon Kunden, die nach Kondomen, sprich: Pariser gefragt haben... „Menschen sind unberchenbar", sagt er, „sie wollen immer das kaufen, was wir gerade nicht haben."
Wie lange die beiden den Laden noch betreiben wollen? „Da sind wir uns noch nicht einig", sagt die 54-Jährige und ihr Mann weist darauf hin, dass man beruflich das Rentenalter schon noch erreichen möchte. Ein paar Jahre sollen es schon noch sein, wobei bereits vertraglich angedacht ist, wer später mal als Nachfolger in Frage kommt. Bis dahin und womöglich auch danach bleibt der Gutkauf wochentags von 7.30 bis 12 Uhr, samstags gar ab 6 Uhr (!) und Montag, Donnerstag sowie Freitag zudem von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Tante Hildegard und manchmal auch Onkel Werner freuen sich über jeden fröhlichen Kunden. Und über steigende Spritpreise...
Fotos und Text: Michael Horling



















